Kinderbetreuung: Hunderte Tagesmütter sind im Rhein-Sieg-Kreis aktiv

Kinderbetreuung : Hunderte Tagesmütter sind im Rhein-Sieg-Kreis aktiv

Im Rhein-Sieg-Kreis lassen einige Eltern ihre Kinder unter drei Jahren von Tagespflegepersonen betreuen. Die Qualifizierung dauert beim Deutschen Roten Kreuz sechs Monate.

Kleine Schuhe stapeln sich im Regal am Eingang. Im großen Raum um die Ecke steht ein Kletterhaus mit Rutsche, die Regale sind gefüllt mit Kisten voller Bücher und Spielsachen. Fast wie in einem Kindergarten sieht es in Yvonne Pilgers Wohnung aus. Die 33-Jährige ist Tagesmutter und betreut in ihrer Wohnung täglich bis zu fünf Kinder. An diesem Tag allerdings ist der große Raum mit den Spielsachen leer. „Wir spielen heute draußen. Im Haus ist es so warm geworden“, sagt Pilger, während sie eine Birne in mundgerechte Stücke schneidet. Nach Trampolin, Rutsche und Bobbycar machen die fünf Zwei- bis Dreijährigen mit Obst und Gurke eine Pause unter dem Sonnenschirm. Pilger ist eine von 54 Tagespflegepersonen in Siegburg. „Villa Regenbogen“ heißt ihre Tagespflegestelle, die die 33-Jährige seit fünf Jahren mit Herzblut betreibt.

Dass die Kindertagspflege die richtige Aufgabe für sie ist, hat sie durch ihre eigene frühe Mutterschaft entdeckt. Als junge Mutter jobbte Pilger in verschiedenen Bereichen und entschied sich dann nach einiger Erfahrung in der Kinderbetreuung für die Qualifizierung zur Tagesmutter. Diesen Weg gehen laut Marie Kutzer, Seminarleiterin für die Qualifizierung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), viele: „In meinen Kursen sitzen Frauen, die eigene kleine Kinder haben, oder ältere, die ihre Kinder bereits großgezogen haben. Aber auch Menschen, die sagen: Mein Beruf erfüllt mich nicht“, erzählt Kutzer.

Aus dem ganzen Rhein-Sieg-Kreis lassen sich Menschen jeden Alters beim DRK zur Tagespflegeperson ausbilden. Sechs Monate dauert die Qualifizierung. Laut DRK haben im vergangenen Jahr kreisweit bis zu 75 Personen die Ausbildung abgeschlossen. Und Kutzer sagt: „Das Interesse ist gestiegen.“ Das liegt ihrer Einschätzung nach an der Möglichkeit, trotz eigener Kinder berufstätig sein zu können. Tatsächlich seien aber auch viele Erzieher dabei, die einfach nicht mehr in einer Kindertagesstätte arbeiten möchten. „Für Erzieher ist das eine gute Alternative“, meint Kutzer.

Städte zahlen Zuschuss pro Stunde und Kind

Das kann auch Yvonne Pilger nachvollziehen. Zwar habe sie schon mal darüber nachgedacht, sich zur Erzieherin weiterzubilden, für sie überwiegen in der Tagespflege aber die Vorteile: „Ich bin mein eigener Chef und kann meine eigenen Kinder zu Hause betreuen“, sagt die 33-Jährige. Auch das Gehalt unterscheide sich nicht maßgeblich. 5,15 Euro bekommt Pilger von der Stadt Siegburg pro Kind für jede Betreuungsstunde. Dieser Betrag variiert von Stadt zu Stadt. In Königswinter beginnt der Stundensatz bei 4,70 Euro. In den vom Kreisjugendamt betreuten Kommunen wie Alfter und Swisttal bekommen Tagespflegepersonen ebenfalls fünf Euro pro Stunde und Kind; in Sankt Augustin 4,79 Euro, nach zwei Jahren 5,31 Euro.

Die Zahl der unter Dreijährigen, die in den acht Kommunen, für die das Kreisjugendamt zuständig ist, in einer Tagespflegestelle untergebracht sind, schwankt laut Kreis fast täglich. Oftmals würden die Eltern das Kind von heute auf morgen aus der Tagespflege nehmen, sobald ein Kitaplatz frei werde. In Königswinter gibt es laut Stadt derzeit 34 Tagespflegepersonen, die 118 unter Dreijährige betreuen. Mehr als doppelt so viele Kinder sind in einer Kita mit U 3-Betreuung untergebracht. In Siegburg, wo Yvonne Pilger ihre „Villa Regenbogen“ betreibt, gibt es laut Stadt 250 Tagespflegeplätze und 314 Kita-Plätze für unter Dreijährige. In Sankt Augustin betreuen 48 Tagespflegepersonen 210 Kinder. Die Jugendhilfeplanung sehe ab 2020 aber den Ausbau der Plätze vor, so die Stadt Sankt Augustin.

Wenn Eltern für ihre Kinder einen Tagespflegeplatz suchen, werden sie nach einem persönlichen Gespräch an eine geeignete Pflegeperson vermittelt. Dass Eltern kurzfristig abspringen, sobald ein Kitaplatz frei wird, oder die Tagespflege als letzten Alternative sehen, kennt auch die 33-jährige Pilger. „Die Chemie zwischen der Tagesmutter und den Eltern muss stimmen“, sagt sie.

Grenze zwischen Job und Privatleben kann verwischen

Nachdem die Kinder in der „Villa Regenbogen“ in Siegburg-Wolsdorf ihr Obst gegessen haben, steht der Mittagsschlaf an. Währenddessen kocht die 33-Jährige das Mittagessen, das später an einem großen Holztisch mit zahlreichen kleinen und großen Stühlen gegessen wird. Danach wird weiter gespielt, bis die Eltern die Kinder spätestens um 16 Uhr abholen. Dann hat die 33-Jährige Feierabend, und holt selbst ihre vierjährige Tochter vom Kindergarten ab.

Die Grenze, an der der Job aufhört und das Privatleben anfängt, kann dabei leicht verwischen, sagt Pilger. In einer Großtagespflege ist das anders: In dem Modell können sich zwei Tagespflegepersonen zusammentun, Räume anmieten und bis zu neun Kinder betreuen. Auch davon gibt es einige im Kreis. Ab zehn betreuten Kindern beginnt laut DRK die Kita. Aus Sicht der DRK-Dozentin Marie Kutzer ist die Tagespflege für unter Dreijährige aber eine sinnvolle Alternative. „Die Kinder können individuell betreut werden. Für kleine Kinder ist das eine wunderbare Sache“, so Kutzer.