Aktion im Rhein-Sieg-Kreis: Hunderte Menschen im Einsatz gegen wilden Müll

Aktion im Rhein-Sieg-Kreis : Hunderte Menschen im Einsatz gegen wilden Müll

Sie fischen Autoreifen aus Sträuchern und sammeln Papier am Wegesrand ein. In Sankt Augustin, Hennef und Niederkassel sind in den vergangenen Tagen Hunderte Menschen unterwegs gewesen, um ihre Städte vom wilden Müll zu befreien.

Plastik am Straßenrand, Bauschutt und Reifen in der Natur: Hunderte Menschen haben sich in den vergangenen Tagen aufgemacht, um dem wilden Müll in Sankt Augustin, Hennef und Niederkassel Herr zu werden.

Sankt Augustin. Der Frühjahrsputz in Sankt Augustin war sichtbar notwendig: 1149 Teilnehmer waren dem Aufruf der Aktion „Wir machen dem Müll Beine“ gefolgt, um ehrenamtlich mit Greifzangen, Schutzhandschuhen und Müllsäcken den wilden Müll von Grünflächen, Parks und Wäldern im Stadtgebiet aufzusammeln. Seit der Wiederbelebung der Aktion im Jahr 2016, als rund 600 Teilnehmer die Aktion unterstützten, hat sich die Zahl der Müllsammler fast verdoppelt. Darüber freute sich Bürgermeister Klaus Schumacher bei der Abschlussveranstaltung auf dem städtischen Bauhof.

Dorthin hatte das städtische Büro für Natur- und Umweltschutz die Teilnehmer zu einem Dankesfest eingeladen. „Die Leute verlieren offenbar alles aus den Taschen – bis hin zum Kühlschrank oder Autoreifen“, kommentierte der Bürgermeister die Unsitte des wilden Mülls. Ein Mofagerippe, ein vermutlich vorher gestohlener Fahrzeugschein eines Autos, Berge an Essensboxen und Bechern „to go“ wurden von den freiwilligen Helfern gefunden, aber auch benutzte Windeln und Feuchttücher in neuer Rekordmenge. Manche Straßenkurve zeuge zudem davon, dass Autofahrer „nach dem Besuch der lukullischen Highlights in Menden offenbar bis hierhin alles aufgegessen haben. Denn hier fliegt der Fast-Food-Müll dann aus dem Autofenster“.

Einem Sammler wurde der Müll an der Rathausallee gleich von einem anhaltenden Auto vor die Füße geschmissen. Umso dankbarer zeigte sich der Bürgermeister, dass sich in diesem Jahr 44 Vereine, Schul- und Kindergartenklassen sowie zehn private Gruppen an der Aktion beteiligten. Während das Ergebnis des Frühjahrsputzes vermutlich nicht lange im Stadtgebiet sichtbar bleiben wird, wird es das aber an der Gemeinschaftshauptschule in Niederpleis sein: Dort werden Schüler ein Kunstwerk aus dem gesammelten Plastikmüll ihres Umfelds errichten.

Hennef. Fahrräder, Einkaufswagen und Dachdämmungen und andere Abfälle sammelten die rund 1400 Helfer der Aktion „Hennef schwingt den Besen“ am Samstag. Etwa 45 Vereine, fünf Schulen und zahlreiche private Teilnehmer engagierten sich, um die Stadt Hennef vom Müll zu befreien.

Für die richtige Ausstattung und die Organisation sorgte in diesem Jahr wieder der Baubetriebshof in Hennef. Er verlieh Müllsäcke und Handschuhe sowie Fahrzeuge zum Abtransportieren des Abfalls an die Helfer. Wer den gesammelten Schutt nicht selber zum Baubetriebshof bringen wollte, legte ihn an Sammelpunkten ab, wo Mitarbeiter des Hofs ihn dann abholten. „Wir bekommen hier jedes Jahr rund 80 Kubikmeter Müll bei der Aktion zusammen“, erklärte Rüdiger Wiegel, Leiter des Baubetriebshofs. Darunter sei viel Bauschutt und Glas, aber es seien auch immer wieder Autoreifen, Elektrogeräte wie Kühlschränke oder Einkaufswagen gefunden worden. „Die Situation hat sich in den letzten Jahren ganz langsam gebessert“, so Wiegel. Vor allem in den dörflichen Lagen sei weniger Abfall vorzufinden.

Der Angelverein „Forelle Hanfbach“ konnte dies noch nicht feststellen. Laut Martin Bette, Vorstand des Vereins, ist die Menge an Müll in den letzten Jahren gleich geblieben. „Wir haben fünf Kubikmeter an den Ufern des Hanfbach gesammelt“, erläuterte er. Mit neun weiteren Personen aus dem Verein befreite Bette eine 18 Kilometer lange Strecke entlang des Bachs von Bierflaschen, Plastikbechern und sogar einer Garderobe. Die Angelsportfreunde Hennef fanden beim Reinigen eines Teichs ein versunkenes Fahrrad.

Niederkassel. Dankwart Kreikebaum hatte zum Großreinemachen eingeladen und viele Bürger kamen. Wie in anderen Städten auch kämpften die Niederkasseler am Samstag, ausgerüstet mit Müllsack und Handschuhen gegen die Müllverschmutzung in ihrer Stadt an. Eingesammelt wurde an Straßen und Bahngleisen sowie am Rheinufer, was durch Unachtsamkeit, Sorglosigkeit oder gar Absicht in die freie Natur gelangte. So trugen die rund 200 Helfer aus Mondorf, Rheidt, Niederkassel und Lülsdorf Dutzende hochgefüllte Müllsäcke zusammen. Dazu LKW- und Autoreifen sowie Plastik in allen Formen und Größen. Nach zwei Stunden war die Aktion beendet und der Müll sorgfältig verpackt am Wegrand deponiert. Dort wird er von den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs abgeholt und ordnungsgemäß entsorgt. Nach der Aktion traf sich Bürgermeister Stephan Vehreschild mit allen Helfern als kleines Dankeschön auf dem Bauhof zum Grillen.

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