Trend im Rhein-Sieg-Kreis: Hunderte im Kreis bieten Couchsurfing an

Trend im Rhein-Sieg-Kreis : Hunderte im Kreis bieten Couchsurfing an

Nathalie Wong und Benjamin Müller aus Hennef sind Couchsurfer - ein Trend, der sich nicht nur in großen Metropolen, sondern auch im Rhein-Sieg-Kreis niederschlägt.

In einem alten Fachwerkhaus in Hennef wohnen Nathalie Wong und Benjamin Müller. In ihrer Wohnung sind Balken freigelegt. An einer Wand des großen offenen Wohnzimmers hängt eine Weltkarte, darum herum Postkarten aus fernen Ländern. Gemütlich ist es, es gibt sogar einen Kamin. Herzstück des Raumes ist ein Ecksofa. Dort beginnen alle Geschichten, die hinter den Postkarten stecken. Nathalie Wong und Benjamin Müller bieten ihr Sofa für Reisende aus aller Welt für eine kostenlose Übernachtung an – ein Trend, der sich nicht nur in großen Metropolen, sondern auch im Rhein-Sieg-Kreis niederschlägt. Hunderte bieten Schlafplätze über das Portal www.couchsurfing.de an.

Dort ist auch das Ecksofa von Nathalie Wong und Benjamin Müller zu finden. Das junge Paar hat einen Account in dem Internetportal. Dort beschreiben sie sich selbst und die Schlafmöglichkeiten. Die Hennefer können bis zu drei Personen aufnehmen und machen keinerlei Einschränkungen bei Geschlecht oder Alter. Das Paar hat eine ganz besondere Verbindung zu der Plattform, denn hier haben sie sich kennengelernt.

Ihre Geschichte erzählt sich wie im Film: Nathalie Wong kommt aus Hongkong. 2014 macht sie ein Auslandspraktikum in Berlin. Zum Karneval möchte sie nach Köln. Bisher hat sie keine Erfahrungen mit Couchsurfing, entscheidet sich jedoch dafür, sich eine kostenlose Schlafmöglichkeit über die Plattform zu suchen. Sie schreibt Benjamin Müller an. Er sagt ihr zu und bittet sie, für sich ein Kostüm mitzubringen. Zusammen feiern sie Karneval und merken schnell, dass sie Gefühle füreinander haben. Zwei Tage länger als geplant bleibt Nathalie in Hennef. Dann geht die heute 26-Jährige zurück nach Berlin.

Couchsurfing als Hobby

Sie telefonieren jeden Tag miteinander, auf Englisch, und wissen schnell: Wir wollen zusammen bleiben. Kurzerhand packt Nathalie Wong im Juni 2014, nur vier Monate nach dem Kennenlernen, ihre Sachen und zieht zu Benjamin ins Fachwerkhaus nach Hennef. Von dieser guten Erfahrung zehren beide noch immer und haben deshalb das Couchsurfing zum Hobby gemacht.

Rund 20 Gäste haben die Studenten seitdem aufgenommen – Gäste aus Serbien, China, der Schweiz, Holland, dem Libanon oder Brasilien. Bis jetzt hätten sie noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, sagen sie. Im Gegenteil: Mit jedem Gast gewinnen sie neue Erfahrungen hinzu. „Die Gäste bringen uns ihre Kulturen nahe, und wir ihnen unsere. Wir kochen meist zusammen und unternehmen etwas“, sagt der 29-jährige Benjamin Müller, der Psychologie studiert. Das gegenseitige Geben und Nehmen bekämpfe vor allem Vorurteile. Das bewies ihnen spätestens der Besuch einer deutschen Metal-Band, die für eine Nacht bei ihnen übernachtete.

Nur nach positiven Bewertungen suchen

An der Postkartenwand hängt ein Foto der Gruppe: Alle haben langes Haar und sind schwarz und schaurig geschminkt. Mit ihrem Tour-Van parkten sie vor Nathalies und Benjamins Wohnung und fielen in das Wohnzimmer der beiden ein. Schnell merkte das Paar, dass die fünf Männer alles andere als schaurig sind: „Die Jungs haben kein Klischee erfüllt. Das waren alles supernette Informatiker. Wir hatten einen klasse Abend“, erzählt Nathalie. Ein anderes Mal sei ein Südkoreaner zu Besuch gewesen. Der bewies, dass die Sprache keine Barriere sein muss, um sich kennen und mögen zu lernen. Ohne ein Wort Englisch oder Deutsch durchreiste er Europa und kehrte für eine Nacht in Hennef ein. Der Gast zückte sein Smartphone und verständigte sich mit Google-Übersetzer, das Problem war gelöst. Nathalie und Benjamin unterhalten sich inzwischen auf Deutsch, das musste die 26-Jährige für ihr „Applied Linguistics“-Studium lernen.

Couchsurfing beruht auf Gegenseitigkeit. Das Hennefer Paar nimmt nicht nur Gäste auf, sondern besucht auch Couchsurfer in anderen Ländern. Einer ihrer Gäste lud sie nach einem Hennef-Aufenthalt nach Serbien ein. Eine Woche verbrachten sie dort und lernten Serbien aus der Sicht der Einwohner kennen. Doch als Paar sei es nicht immer leicht, eine Unterkunft bei Couchsurfern zu finden, viele könnten nur eine Person aufnehmen.

Vor allem als Mädchen müsse man das Angebot auf Couchsurfing mit Vorsicht genießen, betont Nathalie Wong. Es gebe auch dort Männer, die Hintergedanken haben. Deswegen solle man sich immer nur Couchsurfer mit vielen und positiven Bewertungen suchen. Couchsurfing basiert auf Vertrauen: Die Gastgeber vertrauen den Gästen ihr eigenes Heim an und die Gäste den Gastgebern ihre Sicherheit. Nathalie Wong und Benjamin Müller werden dafür immer wieder belohnt: Sie haben inzwischen Freunde in der ganzen Welt und erweitern ihren Horizont immer wieder mit fremden Kulturen.

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