Biodiversität: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg forscht zu Blumenwiesen

Biodiversität : Hochschule Bonn-Rhein-Sieg forscht zu Blumenwiesen

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg untersucht, welche Böden die Biodiversität unterstützen. Auch Kleingärten können einen Beitrag fürs Klima leisten. Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid will Biotope aufwerten.

Die Blumenwiese steht in voller Blüte: Zartrosa Moschusmalven und blaue Kornblumen inmitten von gelben Wogen. Das Projekt von CitizenLab und Kommunalen Innovationspartnerschaften (KIP) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) in Neunkirchen-Seelscheid kommt gut an, dass viele Bürger fragen, ob man den kleinen Streifen am Rande des Bicester Parks in Seelscheid nicht weiter ausdehnen könnte, sagt die Umweltbeauftragte der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid, Christa Klein. Und sie hat schon die nächsten Projekte im Sinn, die sie mit der H-BRS durchführen will. Am Donnerstag stellte Professor Martin Hamer von der H-BRS die Ergebnisse der Bodenanalyse der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) vor.

Denn der Boden hier bestand hauptsächlich aus Schotter und Bodenaushub vom früheren Kanalbau, weiß Klaus Peter Völlmecke vom örtlichen Bienenzuchtverein, der das Projekt mit Hans Peter Krieger vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Seelscheid initiiert hat. Dann wurden ein paar Ladungen Mutterboden angekarrt und drüber verteilt. Das war’s.

Immerhin: Die Pflanzen scheinen den Boden zu mögen. Denn aus den im April gesäten Samen sprießen die Blumen ziemlich wild und kräftig empor. „Der sandige Standort müsste einen pH-Wert von 4,8 bis 5,2 haben. Mit 7,3 ist er eigentlich zu hoch“, so Hamer, der auch in Bodenkunde promoviert hat. Boden mit einem pH-Wert unter 6,5 wird als sauer eingestuft, Boden mit einem pH-Wert von 7,5 und höher als alkalisch. Besitzt der Boden einen pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 gilt er als neutral. „Für einen Landwirt wäre der pH-Wert zu hoch“, erklärte Hamer.

Untersucht wird: Welche Pflanzen gedeihen auf welchem Boden

Andererseits habe der Boden einen sehr hohen Nährstoffgehalt, der Humusgehalt sei mit 1,6 Prozent dagegen sehr niedrig. Normal wären zwei bis vier Prozent. Die Wissenschaftler von der H-BRS sehen das Projekt nämlich unter verschiedenen Aspekten. Einerseits dient die Blühwiese, die auch Teil des bundesweiten Projekts „BienenBlütenReich“ des Bienenzuchtvereins Mellifera ist, dem Überleben von Bienen und anderen Insekten, andererseits kann intensiver Humusaufbau CO2 binden und damit dem Klima helfen.

Untersucht wird auch, welche Pflanzen und Samenmischungen bei welchem Boden gedeihen, wie die Beschaffenheit des Bodens die Biodiversität unterstützt und wie solche Wiesen das Mikroklima beeinflussen können. So führt ja unter anderem das Internationale Zentrum für Nachhaltige Entwicklung an der H-BRS ein Monitoring der Insektenbiodiversität durch.

Das Interesse in der Bevölkerung, mit ihren Gärten einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Erhöhung der Artenvielfalt beizutragen, sei groß, so Hamer. Die beiden Workshops „Klimaschutz & Biodiversität – Welche Potenziale hat mein Garten?“ seien im Nu voll gewesen. Die Hochschule will ihr Beobachtungsfeld ausdehnen, unter anderem auf die Blühflächen rund um die Hochschule in Sankt Augustin und ist deswegen bereits im Gespräch mit der Stadt. Außerdem will die Umweltbeauftragte Christa Klein die Biotope, die im Besitz der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid sind, weiter anreichern – mithilfe der H-BRS. Die Entwicklung des umzäunten Stück Bodens an dem kleinen Park wird zu beobachten sein. „In zwei bis drei Jahren kann die Wiese schon völlig anders aussehen“, so Klein. Im Spätherbst wird die Wiese gemäht und der Schnitt liegen gelassen. Unter den vielen Blumen sind auch mehrjährige Sorten dabei. Man will beobachten, wie sich einzelne Sorten durchsetzen. Außerdem kündigten Sabine Hamacher vom Bienenzuchtverein und Christoph Simon vom Verschönerungsverein an, in den nächsten Wochen Insektenhotels aufzustellen.

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