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Evangelischer Pfarrer in Siegburg: Heinrich Stähler hat viele Spuren hinterlassen

Evangelischer Pfarrer in Siegburg : Heinrich Stähler hat viele Spuren hinterlassen

Der Aufbau der evangelischen Gemeinden in Siegburg nach dem Zweiten Weltkrieg ist eng mit seinem Namen verbunden: Heinrich Stähler. Heute wäre der Geistliche, der von 1949 bis 1969 in Siegburg wirkte, 100 Jahre alt geworden.

Geboren am 3. Januar 1913 in Mudersbach (Kreis Altenkirchen), studierte Stähler Theologie und wurde 1940 ordiniert. Seine erste Pfarrstelle war in der Gegend von Duisburg: in Rheinhausen-Hoch-Emmerich. Zum 1. Dezember 1949 wechselte er nach Siegburg, wo er auf eine Gemeinde traf, die nach den Kriegsjahren völlig zerstritten war.

Es galt nicht nur, die Gemeindemitglieder wieder zu einen, sondern auch, neue zu integrieren. Nach dem Krieg kamen zahlreiche evangelische Vertriebene aus den Ostgebieten in die Stadt und ihre Umgebung. In Kaldauen beispielsweise gab es bis 1940 keine einzige evangelische Familie mit fünf Personen. Nach dem Krieg musste der damals noch kleine, ländliche Ort 1000 Flüchtlinge aufnehmen, wodurch auch die Zahl der Protestanten stark anstieg.

Anfangs feierten sie ihre Gottesdienste in Provisorien wie in einer Gastwirtschaft oder in einer Schule. Stähler war der Bau der Friedenskirche ein besonderes Anliegen. Nach ihrer Fertigstellung 1963 wurde Kaldauen zum 1. Januar 1964 zu einer eigenständigen Kirchengemeinde, und Stähler wurde ihr erster Pfarrer.

In seine Siegburger Zeit fallen aber auch der Bau des Martin-Luther-Hauses auf dem Stallberg, der Auferstehungskirche im Zentrum und der Erlöserkirche auf dem Brückberg. Daneben war Stähler besonders in der Diakonie engagiert; so war er Synodalbeauftragter für diakonische Aufgaben im Kirchenkreis.

Auch der Besuchsdienst lag ihm am Herzen, ebenso das Wohl der Familien und der Jugend. Von Stähler stammt das Zitat, dass Eltern nirgendwo so sündigten wie auf Familienfesten. Er sei, so zitierte ihn die Siegburger Zeitung 1965, "einmal zu einer Konfirmation gekommen und habe die Eltern mit einem riesigen Schwarm von Verwandten und Bekannten getroffen, wie sie eifrig die Flaschen ausleerten. Den Konfirmanden habe man, um ihn loszuwerden, ins Kino geschickt".

1969 wechselte Heinrich Stähler als Pfarrer an seine alte Wirkungsstätte Rheinhausen. Dort ging er im November 1975 in Ruhestand. Nicht einmal drei Jahre später starb er.