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Literarischer Rundgang in Siegburg: Gedenken und Lichtblicke auf dem Nordfriedhof

Literarischer Rundgang in Siegburg : Gedenken und Lichtblicke auf dem Nordfriedhof

Vom Gedicht über Engelskinder bis zum kleinen Prinz: Der erste literarische Rundgang des Café T.O.D. in Siegburg hat großen Anklang gefunden.

Mit Schirmen und festen Schuhen trotzten rund 30 Besucher an Karfreitag dem unfreundlichen Wetter und versammelten sich bei Regen, Wind und Kälte vor dem Café T.O.D. auf dem Siegburger Nordfriedhof. Gemeinsam hatten das Café T.O.D. und der Freundeskreis der Stadtbibliothek erstmals zu einem literarischen Rundgang über den Friedhof geladen.

Noch während die Besucher unter dem schützenden Vordach der Trauerhalle auf den Beginn der Führung warteten, kündigte Charly Halft, Vorsitzender des Freundeskreises der Stadtbibliothek, an, dass die Tour wegen des schlechten Wetters abgekürzt würde: „Wir bleiben nur auf den befestigten Wegen und hören die letzten Texte gemeinsam im Warmen und Trockenen.“

Gleich am Eingang des Friedhofs lauschten die Teilnehmer den ersten Texten, die Charly Halft, Andrea Müller, Vorsitzende des Café T.O.D., sowie Uschi Stenz und Wolfgang Henze gemeinsam zusammengestellt und auch vorgetragen haben. Mit Blick auf den Luzerner Löwen, das 1927 errichtete Ehrenmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges, rezitierte Halft aus dem Brief eines dieser Gefallenen: „Wie soll man es beschreiben? Mit welchen Worten? ... Das ist kein Schlachtfeld, es ist ein Gemetzelfeld“, schrieb René Jacob, Familienvater und Bäckermeister, vor rund einem Jahrhundert, kurz vor seinem Tod in der Schlacht von Verdun.

Am Grab der Sternenkinder

Mit weiteren Stopps am Ehrenfriedhof und am Friedhofskreuz, wo Halft der marmornen Kreuzgruppe entsprechend die christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung erläuterte, führte die Tour schließlich zum Grab der Sternenkinder. „Ich frage mich, ob Sterne leuchten, damit jeder eines Tages den seinen wiederfinden kann“, steht auf dem Grabstein, ein Zitat aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“. „Im Himmel, wo es sie nun gibt, erzählen sie stolz: Wir werden geliebt“, endet das Gedicht über die Engelskinder, welches Uschi Stenz an dieser Stelle vortrug. Von der Verfasserin ist nur der Vorname bekannt, Daphne. Ihre Worte hinterließen die Zuhörer in sprachloser Berührung.

Zum Ausklang des Rundgangs versammelte sich die Gruppe im Trauersaal, der zu diesem Zweck in einen Ort der Begegnung umgewandelt wurde. Nach einer anfänglichen, kurzen Befremdung entstand bei Kaffee, Tee und selbst gemachten Snacks schnell eine entspanne Atmosphäre. Als vollen Erfolg kann man diesen Auftakt durchaus bezeichnen, das findet auch Walter Kühn vom Café T.O.D.: „Mit so einem Ansturm haben wir bei diesem Wetter gar nicht gerechnet.“

Das Gedenken fremder Schicksale stand bei diesem Rundgang an Karfreitag erklärtermaßen im Mittelpunkt, aber auch Lichtblicke sollte es geben. So spendeten die Gäste dankbaren Applaus für die hoffnungsvolle Geschichte „Der Suchende“ des Argentiniers Jorge Bucay.