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Beliebt bei Fans der TV-Serie: Gasthof aus "Mord mit Aussicht" in Seelscheid schließt

Beliebt bei Fans der TV-Serie : Gasthof aus "Mord mit Aussicht" in Seelscheid schließt

Der traditionsreiche Gasthof Röttgen, Drehort von „Mord mit Aussicht“, in Seelscheid schließt. Rund zwei Jahre lang hatte sich das Gasthaus in den Gasthof Aubach im fiktiven Ort „Hengasch“ in der Eifel verwandelt.

Schwarz-weißes Fachwerk, eine urige Gaststube mit hölzerner Theke, Fremdenzimmer, Kegelbahn, ein Biergarten und ein Festsaal mit Bühne – bereits in der fünften Generation bieten Jutta und Klaus Haas im Gasthof Röttgen in Neunkirchen-Seelscheid Gastlichkeit und regionale Küche. Mitte März schließt das Ehepaar das Gasthaus aus Altersgründen. Und damit verlieren nicht nur die Seelscheider und ortsansässigen Vereine ihre Anlaufstelle für Feste und Vereinstreffen, sondern auch die Fans der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ ihr Pilgerziel.

Rund zwei Jahre lang hatte sich das Gasthaus in den Gasthof Aubach im fiktiven Ort „Hengasch“ in der Eifel verwandelt. Obwohl die Serie seit 2014 abgedreht ist, ist die Fangemeinde ungebrochen groß. „Es kommen eigentlich jeden Tag Menschen, teilweise aus ganz Deutschland, um sich den Drehort anzuschauen“, berichten Klaus und Jutta Haas. Sogar ein „Mord mit Aussicht“-Stammtisch trifft sich alle acht Wochen im „Aubach“. In der Krimiserie wird die Kölner Kriminaloberkommissarin Sophie Haas (Caroline Peters) in den kleinen Eifelort versetzt. Die Handlung lebt von den eigenwilligen Figuren, allen voran Kollege Dietmar Schäffer (Bjarne Mädel) und Ehefrau Heike (Petra Kleinert).

Nun heißt es Abschied nehmen: Am kommenden Wochenende öffnen Jutta und Klaus Haas ihren Gasthof ein letztes Mal. Ohne Reservierung komme man in den letzten Tagen jedoch nicht mehr unter, meinen die beiden. „Abschied nehmen wir eigentlich jeden Tag. Die Verbundenheit mit unseren Gästen ist sehr groß“, sagt Klaus Haas. Viele Neunkirchen-Seelscheider seien fast von Geburt an Stammgäste im Röttgen. Man traf sich zu Taufen, Geburtstagen und Hochzeiten, aber auch nach Beerdigungen.

Klaus Haas ist dann am Herd zu finden. Der 64-Jährige hat seine Lehre im Landhotel „Naafs-Häuschen“ im Lohmar absolviert. Seine Frau Jutta übernimmt im Röttgen „alles, was anfällt“. Sie lernte ihr Handwerk im Bonner Hotel Königshof. Vor rund 37 Jahren übernahmen sie dann gemeinsam das Seelscheider Gasthaus der Familie. „Viele unserer Mitarbeiter sind schon über zehn Jahre bei uns“, berichten sie. Ob es einen Nachfolger für das Röttgen geben werde, stehe noch nicht fest.

Auch für zahlreiche Vereine ist das Lokal ein Treffpunkt. Der Seelscheider Männergesangsverein (MGV), die Karnevalsgesellschaft „Für uns Pänz“ und der „Bergische Männerchor“ aus Mohlscheid müssen sich nun ein neues Lokal suchen. In der Woche vor Rosenmontag traf sich der MGV Seelscheid ein letztes Mal im Röttgen. „Ich kann es mir ohne den MGV gar nicht vorstellen. Wir haben ein Bild von 1905 gefunden, da hat der Chor schon hier geprobt“, erzählt Klaus Haas.

Um einen Männerchor geht es auch in der „Mord mit Aussicht“-Folge „Einer muss singen“. Sangesbruder Herrmann liegt erschlagen hinter dem Aubach. Und das am Tag der Bürgermeisterwahl in Hengasch. Schnell kommt der Verdacht auf, dass die Tat politisch motiviert war. In der Episode spielen heimische Musiker des Männergesangsvereins Gemütlichkeit Söntgerath, des Tambourcorps Wolperath und des Eischeider Quartettvereins mit. Für die Serie haben die Hobbysänger die Hengascher Hymne einstudiert, andernorts als „Vogelhochzeit“ bekannt. Peter van der Wyst vom MGV Gemütlichkeit hatte sogar eine kleine Sprechrolle. „Die Dreharbeiten haben wirklich Spaß gemacht. Die Schauspieler sind wie im Film“, erzählt van der Wyst.

Seit 2015 stehen auf der Bühne des Gasthauses regelmäßig prominente Gäste wie Sebastian Pufpaff, Gerd Köster, Norbert Alich und Rainer Pause. Das Ehepaar Rita und Ortwin Dörper lädt unter dem Titel „Kulturjedöns“ zur Kleinkunst ins Röttgen ein. Die Veranstaltungen sind immer ausverkauft. Auch für die Lesung mit Christine Westermann am Freitag, 8. März, gibt es keine Karten mehr. Ab April geht es mit dem „Kulturjedöns“ im Gasthaus „Zum Turm“, Zeithstraße 442 in Siegburg-Schreck, weiter. Am Sonntag, 14. April, gastiert dort ab 19 Uhr die Bonner Kabarettistin Anka Zink mit „Das Ende der Bescheidenheit“.

Weitere Informationen zur Reihe „Kulturjedöns“ gibt es auf www.zum-turm-siegburg.de.