Fachberatung in Troisdorf: Frauenzentrum seit 35 Jahren im Einsatz gegen Gewalt

Fachberatung in Troisdorf : Frauenzentrum seit 35 Jahren im Einsatz gegen Gewalt

Seit 35 Jahren bietet das Frauenzentrum Troisdorf Beratungen und Unterstützung in allen Lebenslagen an. Dazu ist die Einrichtung Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Um für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren, haben sich Anfang der 1980er Jahre Frauen in Troisdorf zusammengetan. Sie gründeten den Verein „Frauen helfen Frauen“ und setzen sich als erstes Ziel, ein Frauenhaus im Rhein-Sieg-Kreis zu eröffnen. Ihr Vorhaben scheiterte damals an der Stadt Troisdorf und dem Kreis, die keinen Bedarf sahen und den Antrag ablehnten. Die Frauen engagierten sich weiter, berieten betroffene Frauen, benannten ihren Verein um in „Frauenzentrum Troisdorf“ und eröffneten 1984 an der Kölner Straße eine Beratungsstelle. 35 Jahre später haben die heute fünf Mitarbeiterinnen zusammen mit Ehrenamtlichen viel erreicht. Am Ziel sind sie aber noch lange nicht, wie Psychologin Zuleydy Reyes Reyes betont: „Es gibt noch immer viel zu tun.“

„Es ging darum, einen Raum für Frauen zu schaffen, an dem sie die Möglichkeit haben, sich zu unterschiedlichen Themen zu treffen, sich Hilfe zu holen und sich zu vernetzen“, blickt Ilka Labonté auf die Anfänge. Solch ein Raum sei das Frauenzentrum, das 1993 an die Hospitalstraße umgezogen ist, bis heute für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Dabei kooperiert es mit dem Frauenzentrum Bad Honnef. „Wir beraten Frauen, wollen aber auch alle dafür sensibilisieren, genauer hinzuschauen“, erklärt Labonté. Frauen erhalten unbürokratisch, auch kurzfristig, kostenfreie und, wenn gewünscht, anonyme Beratungstermine.

Vergewaltigung in der Ehe ist seit 1997 ein Straftatbestand

Das Frauenzentrum sei zwar autonom, arbeite aber sehr wohl auch politisch, sagt Annette Rathschlag. So sei in 35 Jahren auf politischer Ebene viel bewegt worden: Die Vergewaltigung in der Ehe sei seit 1997 ein Straftatbestand, seit dem Gewaltschutzgesetz von 2002 gelte „Wer schlägt, geht“ und seit 2016 das neue Sexualrecht mit dem Grundsatz „Nein heißt Nein“. Im Zusammenschluss mit anderen autonomen Frauenbewegungen auf Landesebene erreichten die Frauen 1986, dass das Land ihnen 1,5 Fachkraftstellen zu 85 Prozent fördert. Über die Kommunen beantragten sie jährlich Zuschüsse für die restlichen Personalkosten, Miete und andere Ausgaben. Inzwischen gibt es eine Leistungsvereinbarung mit dem Kreis. Aber auch wenn Kreis und Land nun weitere 1,5 Fachkraftstellen fördern, bleiben rund 25.000 Euro, die der Verein jedes Jahr selbst erwirtschaften muss, sagt Labonté. Deswegen fordert der Verein eine vollständige Finanzierung der Frauenberatung, auch mit Blick auf die 2018 verabschiedete Istanbul Konvention. „So können wir uns besser auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren“, sagt Reyes Reyes.

Neben Frauenberatungsstelle zu diversen Themen – von psychosozialen über soziale hin zu juristischen Problemen–, ist das Frauenzentrum Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Die Beraterinnen sind in akuten Krisen zur Stelle, arbeiten aber auch präventiv. Zuletzt organisierten sie etwa die kreisweite Kampagne „Nein heißt Nein“ mit. „Wir bieten zudem direkte Hilfe nach häuslicher Gewalt“, sagt Labonté. Das Frauenzentrum war Mitbegründer des „Runden Tisches gegen häusliche Gewalt im Rhein-Sieg-Kreis“ und arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Seit zwei Jahren gibt es auch eine Beratung per Chat.

Ob Wohnungsmangel, fehlende Frauenhausplätze oder der Kampf um das Umgangsrecht: Es gebe noch viele offene Punkte, blickt Reyes Reyes in die Zukunft. „ Wir wollen uns noch mehr auf die Inklusion von behinderten und geflüchteten Frauen konzentrieren und mehr junge Frauen ansprechen“, ergänzt Ilka Labonté. Das alles sei ohne die Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen nicht möglich, denen Labonté und ihr Team danken: „Sie halten uns den Rücken frei.“

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