Wahnbachtalsperrenverband fällt Bäume: Forstarbeiten mit dem Seilkran

Wahnbachtalsperrenverband fällt Bäume : Forstarbeiten mit dem Seilkran

Eine eigentlich klassische Durchforstung findet zurzeit auf einer Fläche von rund zwölf Hektar im Wasserschutzwald des Wahnbachtalsperrenverbandes (WTV) im Berghang oberhalb des alten Klosters in Seligenthal statt.

Das Besondere daran ist, dass gefällte Bäume mit einem Seilkran, der auf einem Baggerfahrgestell montiert ist, aus dem Hang nach oben befördert werden, weil keine Forstmaschine den steilen Aufstieg schafft. Außerdem ist das Verfahren "extrem bodenschonend, da keine Fahrspuren entstehen und Erosionsschäden vermieden werden", erklärt Christian Göth-Stillarius, Sachgebietsleiter Forstwirtschaft beim WTV.

Die Bäume selbst haben beim Abtransport kaum Bodenkontakt. Von einem Arm aus, der mit einem Dorn am Hang fixiert ist, spannt der Kran ein Seil bis ins Tal, von wo das Holz schwebend nach oben gebracht wird. Zunächst hatte man eine erste Schneise zur ungehinderten Führung des Seiles in den Baumbestand geschlagen.

Weitere solcher Linien sind in einem Abstand von etwa 40 bis 50 Metern geplant. Jede von ihnen wird etwa eine Länge von 200 Metern über ein Gefälle von etwa 25 Prozent haben. "Fischgrätartig" werden die Bäume nach der Fällung in Richtung dieser Linien und dann von dort nach oben gezogen, so Göth-Stillarius. Oben am Hang kommt jeder geschlagener Baum als "Vollbaum" an - also mit allen Ästen.

Erst dort werden diese mit einem Prozessor entfernt und die glatten Stämme zur Weiterverarbeitung in Sägewerke abtransportiert. Eine Durchforstung im WTV-eigenen Waldbestand von rund 500 Hektar, aufgeteilt in fünf Blöcke zu je 100 Hektar, steht laut Göth-Stillarius in einem Rhythmus von etwa zehn Jahren auf dem Plan.

Die Waldflächen werden naturnah bewirtschaftet. Das heißt, der WTV fördert von bestimmten Baumarten die gesunden, stabilen und qualitativ besseren Individuen in ihrem Wachstum, vor allem autochtone Buchen und Eichen, also Pflanzen, die seit sehr langer Zeit dort leben und sich vermehrt haben.

Dazu werden Nachbarbäume, die sie bedrängen oder ihnen Licht nehmen, entfernt. Stehen bleiben neben den so genannten Zukunftsbäumen die "Ökobäume", die Göth-Stillarius vor dem Holzeinschlag entsprechend markiert hat. Bei denen handelt es sich zum Teil um bereits abgestorbene Bäume, sogenanntes Totholz. Diese "Habitatbäume" bieten Tieren, anderen Pflanzen oder Mikroorganismen einen Lebensraum.

Auch nicht entfernt werden lebende Bäume, die man als zukünftiges Totholz dem natürlichen Verfall überlässt. Alles geschehe in Rahmen einer "normalen" naturgemäßen Forstwirtschaft, so Göth-Stillarius. Es müsse sich auch niemand Sorgen um den Wald machen. Es erfolge kein Kahlschlag, und durch die Durchforstung werde der Fläche auch keine Biomasse entzogen"

"Die Kronen und damit 80 Prozent der Nährstoffe verbleiben im Bestand", gibt der Fachmann Entwarnung. Kiefern- und Fichtenbestände werden stärker durchforstet als die mit Laubholz. Langfristiges Ziel ist die Umwandlung von Nadelholz-Monokulturen in stabile Mischwaldbestände.