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Nach Übergriffen in Köln: Flüchtlinge setzen in Siegburg Zeichen gegen Gewalt

Nach Übergriffen in Köln : Flüchtlinge setzen in Siegburg Zeichen gegen Gewalt

Sie wollen ein friedliches Zusammenleben: Zwei Syrer haben in Siegburg eine Erklärung initiiert. Darin distanzieren sie und andere Flüchtlinge sich von den Gewalttaten der Kölner Silvesternacht. Nach den dortigen Exzessen spüren sie bei vielen Deutschen plötzlich Vorbehalte, sagen sie.

Mit einem Brief an die Siegburger Bürger haben Rami Al Hasan (22) und Mohammad Audeh (27) auf die Ereignisse in Köln während der Silvesternacht reagiert. In dem Schreiben verurteilen die beiden syrischen Flüchtlinge die Gewalttaten und fordern andere Flüchtlinge auf, die Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen. Am Dienstag sollen die Listen an Bürgermeister Franz Huhn übergeben werden.

Als Al Hasan und Audeh bei Facebook und in den Nachrichten von den Exzessen rund um den Bahnhof in der Domstadt erfuhren, seien sie entsetzt gewesen. Das war „eine schlechte Aktion gegen Frauen“, erklären die beiden Syrer auf Deutsch und stellen klar: „In unserer Kultur ist so etwas verboten.“ Sie wollten daraufhin Stellung beziehen und sich von den Tätern distanzieren. So reisten sie in die Domstadt und beteiligten sich an einer Aktion gegen Übergriffe auf Frauen. Diese wurde von Flüchtlingen in sozialen Netzwerken initiiert.

Audeh, der im Kolpinghaus wohnt und Al Hasan, der bei einer deutschen Familie lebt, verteilten mit Gleichgesinnten zusammen Rosen an weibliche Passanten im Umfeld des Kölner Bahnhofs. „Wir wollten uns nicht entschuldigen, weil wir nichts getan haben, aber uns positionieren“, so die jungen Männer. Rami und Mohammad beschlossen, auch in Siegburg ein Zeichen zu setzen, „damit keine Vorbehalte gegen Flüchtlinge entstehen".

Brief auf Deutsch, Englisch und Arabisch verfasst

Sie wandten sich an Angelika Zeller vom Katholischen Verein für soziale Dienste SKM, die sich um die Betreuung von Flüchtlingen in den Unterkünften kümmert sowie an die ehrenamtliche Helferin Birgit Eisinger. Von der Idee, eine Unterschriftensammlung zu starten, waren die Frauen begeistert und sagten ihre volle Unterstützung zu. Die syrischen Staatsbürger verfassten einen Brief in Deutsch, Englisch und Arabisch.

„Wir Siegburger Flüchtlinge sagen Nein zu Gewalt und sexuellen Übergriffen gegen Frauen und wir sagen Nein zur Missachtung von deutschen Regeln. Was in Köln passiert ist, ist gegen alle Menschlichkeit. Wer auch immer diese schmutzigen Sachen getan hat, soll bestraft werden, egal, woher er kommt“, heißt es im Schreiben, das sie in ihrer ehemaligen Unterkunft an der Scharnhorststraße verteilten und in den anderen Häusern über die ehrenamtlichen Helfer verbreiten ließen.

„Flüchtlinge aller Nationalität erklärten sich spontan bereit, den Brief zu unterzeichnen und an ihre Mitbewohner weiterzugeben“, berichten Zeller und Eisinger. Wie die beiden Syrer haben auch sie festgestellt, dass viele Siegburger nach Neujahr skeptischer geworden seien und manche „blöde Sprüche“ gegenüber fremdländisch aussehende Mitbürger machten.

"Wir wollen ihnen zeigen, was wir können und wie wir sind"

Die Initiatoren der Unterschriftenaktion fühlen sich dennoch wohl in der Kreisstadt. Deutschland sei ein friedliches Land und „wir alle sollten die Regeln respektieren und einander helfen“, schreiben sie in ihrem Brief.

Sie wünschen sich, dass die Siegburger ihnen wieder genauso freundlich begegnen wie vor Silvester. Um Vorurteile auszuräumen, seien Begegnungen wichtiger denn je, erklärt Zeller. Und Al Hasan ergänzt: „Die Deutschen hatten noch nicht die Gelegenheit, sich ein Urteil über uns Syrer zu bilden. Wir wollen ihnen zeigen, was wir können und wie wir sind.“