Fitness bei der Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis: Feuerwehr will fitter werden

Fitness bei der Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis : Feuerwehr will fitter werden

Die Feuerwehren und Kommunen wollen die Gesundheit ihrer Brandschützer verbessern. Es geht um immerhin 3400 Feuerwehrleute. Doch auch Kameraden mit Beeinträchtigungen können wertvoll sein.

Von ihrer Kraft und Kondition hängen nicht selten Menschenleben ab. Wenn Feuerwehrleute Verletzte aus Unfallwracks ziehen, sie schwere Schläuche und technisches Gerät schleppen oder ein brennendes Wohngebäude unter Hitze und mit Atemschutz erkunden, müssen nicht nur sie selbst sich auf ihre Fitness verlassen können.

Auch Menschen in Notlagen sowie die eigenen Kameraden vertrauen darauf, dass es um ihre Leistungsfähigkeit gut bestellt ist. Doch inwieweit wird der körperliche Zustand der Wehrleute vor und während ihrer Tätigkeit überprüft? Und wie halten sich die rund 3400 aktiven Brandretter in Rhein-Sieg-Kreis fit?

„Welche körperlichen Voraussetzungen Feuerwehrleute erfüllen müssen, dazu gibt es keine einheitliche landesrechtliche Regelung“, sagt Christoph Schöneborn, Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren (VdF) in NRW, „da sich die Feuerwehren in Trägerschaft der 396 Städte und Gemeinden befinden.“ Je nach Kommune wird deshalb unterschiedlich gehandhabt, wer unter welchen Voraussetzungen in die Feuerwehr eintreten darf. Dem Dienst als Aktiver ist aber meist eine ärztliche Untersuchung vorangestellt.

„Man orientiert sich dabei etwa an berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen“, sagt Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg. In Hennef, Niederkassel, Sankt Augustin, Troisdorf und Eitorf beispielsweise ist das Bestehen der sogenannten „G 26.3-Untersuchung“ zumindest formal Eintrittsvoraussetzung für die freiwillige Feuerwehr. Neben Herz und Kreislauf testet ein Arbeitsmediziner auch die Hör- und Sehfähigkeit sowie die Lungenfunktion der Bewerber.

Spätestens nach drei Jahren wird die Untersuchung, die auch die Eignung für die Tätigkeit als Atemschutzgeräteträger feststellt, wiederholt. Wer etwa übergewichtig ist, darf zwar in der Feuerwehr bleiben. Für die Arbeit an vorderster Front dürfen diejenigen aber nicht mehr eingesetzt werden. Hauptamtliche in Siegburg und Troisdorf müssen eingangs zudem eine Sportprüfung bestehen.

„Ganz klar, die Leistungsfähigkeit muss sichergestellt werden. Und wir benötigen dauerhaft fitte Feuerwehrangehörige“, so Engstenberg. Gleichzeitig gelte es jedoch, die Anforderungen nicht zu hoch anzusetzen. „Das würde den Sinn verfehlen, die Feuerwehr für weite Teile der Bevölkerung zu öffnen.“

Denn auch in anderen Funktionen könnten weniger fitte Wehrleute wertvoll sein –- ein Grund, warum nach eigener Auskunft etwa in Niederkassel, Troisdorf oder Siegburg bei der G 26.3-Untersuchung ein Auge zugedrückt wird, wenn Kandidaten über nützliche Fähigkeiten verfügen. In Siegburg ist laut Wehrführer Thomas Glatz jedoch das Bestehen der niedrigschwelligeren G 25-Untersuchung für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten Mindestvoraussetzung.

Da nach eigener Auskunft weder der VdF noch die Unfallkasse Statistiken erheben, ist unklar, wie viele Feuerwehrleute regelmäßig im Dienst oder bei Übungen in Folge mangelnder Fitness Gesundheitsschäden erleiden. „Die freiwilligen Feuerwehrleute suchen sich ihre Krankenversicherung wie jeder andere selbst aus“, so Pressesprecher Thomas Picht von der Unfallkasse NRW. Zwar erhielt die Unfallkasse laut ihm 2015 Kenntnis von 624 meldepflichtigen (Kriterium: mehr beziehungsweise weniger als drei Tage Arbeitsunfähigkeit als Folge) und 1422 nichtmeldepflichtigen Dienstunfällen.

Viele Kommunen und Feuerwehren haben erkannt, wie wichtig es ist, die Fitness ihrer Einsatzkräfte zu erhalten. Wehrleuten, die in ihrer Freizeit etwas für die Gesundheit tun wollen, können freien Eintritt in städtischen Bäder, Zuschüsse für Fitness-Abos oder kostenlose Routineuntersuchungen in Anspruch nehmen. In vielen Gemeinden gibt es zudem Sportgruppen, in Troisdorf und Siegburg ein Betriebssportangebot. Und in Sankt Augustin ging die Feuerwehr 2015 einen innovativen Weg: Dort macht Fitnesstrainer Thorsten Schröder wöchentlich an zwei Terminen zwölf Wehrleute mit einem speziellen Programm fit. In Uniform und bei schwachem Licht steht neben Übungen für Rücken, Beine und Schultern auch Cardiotraining auf dem Plan.

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