Deutscher Kita-Preis: Experten besuchen Murkel-Kinderhaus in Siegburg

Deutscher Kita-Preis : Experten besuchen Murkel-Kinderhaus in Siegburg

Die Jury begutachtet drei Tage lang die Kaldauer Einrichtung, die schon jetzt zu den zehn besten in Deutschland zählt. Am Ende des Besuchs steht ein zwölf Seiten starker Bericht.

Erst liegen die Mädchen, dann die Jungen als Häschen in der Grube und schlafen – um im nächsten Moment zu erwachen und durch den Raum zu hüpfen. Mitten unter ihnen ein paar Häschen, die das Kindergartenalter längst hinter sich gelassen haben. Eine Begegnung von Jung und Alt, die sich im Kinderhaus I der Siegburger Elterninitiative Murkel bewährt hat. Den Herrn im geringelten Shirt, der das gemeinsame Musizieren beobachtet und sich Notizen macht, bemerken die Sänger kaum. So soll es sein. Robert Friedrich sieht sich mehr als stiller Beobachter. Zusammen mit Julia Kaufmann und Katarina Fuchs ist er für drei Tage zu Besuch in der Kaldauer Einrichtung – um zu bewerten, ob sie im Mai in Berlin den Deutschen Kita-Preis erhält.

„Die Bewerbung bietet uns eine gute Gelegenheit, selbst einen Blick auf unsere Arbeit zu werfen, uns in ihr bestätigt zu sehen, aber auch zur Reflexion, wo wir uns noch weiterentwickeln können“, erklärt Kita-Leiterin Romana Booth, was sie und ihr Team bewogen hat, sich um den Preis zu bewerben. Rund 1600 Kindergärten und Bündnisse für frühe Bildung haben es ihnen bundesweit gleich getan. Zwei Runden haben die Siegburger schon überstanden. Sie schafften es zunächst unter die letzten 25 Bewerber und Anfang des Jahres dann mit ihrer ausgearbeiteten Bewerbung auch unter die finalen zehn Anwärter auf den Kita-Preis, den die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und das Bundesfamilienministerium zusammen mit weiteren Partnern zum zweiten Mal ausgeschrieben hat. Weitere zehn Finalisten gibt es in der Kategorie der frühen Bündnisse.

„Wir gehen durch die Einrichtung, beobachten den Alltag und sprechen einzeln mit Erziehern, Träger, Eltern und mit den Kindern“, beschreibt Julia Kaufmann von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ihre Arbeit. Man könne sie mit einer externen Evaluation vergleichen, ergänzt Robert Friedrich von der Internationalen Akademie Berlin. Es gehe nicht nur um gute Ergebnisse, sondern auch um gute Prozesse. „Wir schauen etwa, wie die Kita die Kinder in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit stellt, wie Eltern mitwirken oder wie das Team aus seinen Erfahrungen lernt“, so Kaufmann.

Es winken 25.000 Euro

Am Ende ihres Besuchs steht ein zwölf Seiten starker Bericht, den sie den 18 Experten der Jury vorlegen. „Ich habe jetzt anderthalb Stunden lang Kinder und Erzieher beobachtet und schon wahnsinnig viel entdeckt“, sagt Friedrich am Dienstag. Eindrücke, die bereits acht Seiten füllen. „Mich hat von Anfang an die ruhige, gelassene Atmosphäre beeindruckt, die hier in der Luft flimmert“, verrät er. Die Kinder dürften sich auch in unbeobachteten Situationen bewegen, hebt er hervor. Das setze ein großes Grundvertrauen voraus. Ein System, das funktioniere: „Hier können 95 Individuen ihren Tag selbst gestalten und leben.“

Eben darauf kommt es Romana Booth und ihren 23 Kollegen an. „Wir verstehen uns als Begleiter der Kinder“, sagt sie. Sie sollen ihren Kita-Alltag aktiv mitgestalten. Daher werde auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingegangen. „Es gilt für jeden 'lebe Deinen Tag'“, so Booths. Wichtig sei, neue Herausforderungen zu bieten und die Kinder in ihren Stärken zu fördern, ergänzt Marcel Welsch, der die Bewerbung von Kitaseite aus betreut. Dafür greife die Einrichtung auch Impulse von Außen auf.

Neugierig sind sie, die Murkel-Kinder. Immer wieder sehen die drei Experten sich mit Fragen konfrontiert. Und so wird der stille Beobachter schnell zum Schmetterlingszeichner. „Bevor wir gehen, geben wir der Kita aus dem Bauch heraus eine erste Rückmeldung“, sagt Julia Kaufmann. Ob es am Ende für den mit 25.000 Euro dotierten ersten Platz reicht, erfahren Booths und ihr Team bei der Preisverleihung in Berlin. „Auch wenn es am Ende keinen Preis gibt, wir haben in jedem Fall gewonnen“, sagt sie: einen neuen Blick auf die eigene Arbeit.