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Welt-Down-Syndrom-Tag in Siegburg: Eltern informieren über Trisomie 21 und Inklusion

Welt-Down-Syndrom-Tag in Siegburg : Eltern informieren über Trisomie 21 und Inklusion

Im Sommer verlässt Maurice den Kindergarten, wagt den Schritt aus dem geschützten Raum hinaus in eine neue Welt - wie alle Vorschulkinder. Doch seine Eltern blicken dem neuen Lebensabschnitt besorgter entgegen als andere.

"Wir fragen uns, ob er das packt", sagt Nelja Bartel. Sie und ihr Mann haben sich entschieden, ihren Sohn nicht auf eine Förder-, sondern auf eine Regelschule zu schicken. Maurice hat Trisomie 21, das Down-Syndrom.

Im Kindergarten spielt das für die anderen keine Rolle. So wünschen sich seine Eltern das auch für die Schule und alle anderen Lebensbereiche. Daher ist Nelja Bartel dabei, wenn der Elternbeirat der Kinderburg Veronika Keller am heutigen Samstag einen Informationsstand zum Welt-Down-Syndrom-Tag auf dem Markt aufbaut - um für den genetischen Defekt und die Inklusion zu sensibilisieren.

"Ich wünsche mir, dass die Inklusion mehr in den Köpfen und vor allem in den Herzen der Menschen ankommt", sagt Nelja Bartel. Gerade in jüngster Zeit sei ihr bewusst aufgefallen, wie unterschiedlich die Menschen auf Maurice reagieren. Zwischen Mitleid, Angst und Ignoranz habe sie schon alles erlebt.

"Das tut manchmal weh", sagt Nelja Bartel, obwohl sie aus eigener Erfahrung weiß, dass die Furcht vor dem Unbekannten eine normale Reaktion ist.

Um das zu ändern, hat sie sich 2011 zum ersten Mal zusammen mit anderen Müttern aus dem Elternbeirat der integrativen Kinderburg mit einem Infostand am Welt-Down-Syndrom-Tag beteiligt. "Wir wollen diese Unsicherheiten nehmen und über Information mehr Offenheit für das Down-Syndrom erreichen", erläutert Nelja Bartel, was sie und die anderen antreibt.

Unterstützt werden sie dabei vom Kindergarten und dessen Träger, der Jugendbehindertenhilfe Rhein-Sieg. Und auch Maurice ist dabei und verteilt mit seinen Kindergartenfreunden Luftballons.

"Ich möchte nicht, dass Maurice mit Samthandschuhen angepackt wird", betont Nelja Bartel. Er brauche mehr Hilfestellung als andere Kinder, aber keine Sonderstellung. "Er darf nicht alles." Das gilt auch zu Hause bei den drei Geschwistern. Wenn der Sechsjährige etwa nicht schnell genug merkt, dass ein Spiel vorbei ist und immer weitermacht, hebt seine Schwester Juliet ein Stopp-Schild und signalisiert ihm: "Ich möchte das nicht."

Auf der anderen Seite ziehen die Geschwister Maurice mit, erzählt die Mutter. Von seinem großen Bruder Maksim (8) schaue er sich viel ab, wird so zunehmend selbstständiger. Als seine 21 Monate jüngere Schwester Juliet anfing zu laufen, war Maurice, der noch nicht lief, zunächst sauer, so Nelja Bartel.

"Ein paar Wochen später lief er auch." Ähnlich sei es jetzt mit dem zweijährigen Joel: "Er spricht viel, und das ist für Maurice ein Ansporn, seinen Sprachschatz zu erweitern."

In der Schule kann Maurice sich an seinen Mitschülern orientieren. Die Siegburger Hans-Alfred-Keller-Schule scheint dafür der richtige Ort zu sein.

Denn während andere noch über die vor sechs Jahren von der UN-Behindertenkonvention eingeforderte Inklusion diskutieren, wird sie dort schon gelebt. Mehrere Kinder mit Down-Syndrom besuchen die Einrichtung. Wie sie wird auch Maurice einen Schulbegleiter an seiner Seite haben.

"Vor allem das Wesen macht ein Kind aus, nicht was es kann oder nicht kann", findet Nelja Bartel. Maurice sei ein sehr direkter und ehrlicher Sonnenschein. Und für den wünschen sich seine Eltern ein möglichst normales Leben.

0 Der Elternbeirat der Kindertagesstätte "Kinderburg Veronika Keller" beteiligt sich am heutigen Samstag, 21. März, mit einem Informationsstand auf dem Siegburger Markt am Welt-Down-Syndrom-Tag. Von 10 bis 16 Uhr füllen sie ihr Motto "Gemeinsam leben, lernen und spielen" mit Leben.