Siegburger Blätter: Ein Streifzug durch die Siegburger Rathäuser

Siegburger Blätter : Ein Streifzug durch die Siegburger Rathäuser

Fast genau ein halbes Jahrhundert ist es alt, das Rathaus am Nogenter Platz in Siegburg. Das neue Siegburger Blatt befasst sich mit der Geschichte des Siegburger Verwaltungssitzes. Am Dienstag nehmen Politik und Bürger hingegen die Zukunft in den Blick.

Im August ist das halbe Jahrhundert voll. Am 10. August 1968 feierte die Stadt Siegburg offiziell die Einweihung ihres neuen Verwaltungssitzes am Nogenter Platz 10. 50 Jahre später ist dem von Architekt Peter Busmann entworfenen Gebäude sein Alter anzusehen: Die Fassade bröckelt, Fenster sind undicht, Leitungen marode. Daher ringt die Politik seit vier Jahren um die Zukunft des Rathauses. Wie mehrfach berichtet, steht neben einer Sanierung ein Neubau an Ort und Stelle, am Facharztzentrum oder auf dem nahen Allianzparkplatz zur Option. Wie letzterer aussehen könnte, stellt die Sparkassen-Tochter Pareto, die das Gelände Anfang des Jahres gekauft hat, am Dienstag, 8. Mai, zunächst im Bau- und Sanierungsausschuss Rathaus sowie anschließend in der fünften Bürgerwerkstatt vor.

Die Zukunft des Rathauses ist auch nach vielen Diskussionen, und obwohl SPD und Grüne sich schon auf eine Sanierung festgelegt haben, noch ungewiss. Seine Vergangenheit hingegen ist in der aktuellen Ausgabe der „Siegburger Blätter“ nachzulesen. Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger hat sich seiner Geschichte unter dem Titel „Ein der Bedeutung der Stadt entsprechendes Verwaltungsgebäude – Alte und neue Rathäuser in der Stadt Siegburg“ gewidmet. Rathäuser gab es in der Stadtgeschichte viele, vor allem im 19. Jahrhundert, in dem die Verwaltung allein sieben Mal umziehen musste.

Die Anfänge liegen im Jahr 1237

Ihren Blick zurück beginnt Korte-Böger mit dem bisherigen Ende in der wechselvollen Historie der Siegburger Rathäuser: der Einweihung des Gebäudes am Nogenter Platz. Die ging als historische Stunde in die Analen der Stadt ein, beendete sie doch eine Phase der Wanderschaft. Konstanz hat es, so die Stadtarchivarin, vor allem in der Neuzeit und im Mittelalter gegeben. Eben dort liegen die Anfänge der Siegburger Verwaltungsgebäude: In einem Vertrag aus dem Jahr 1237 sprechen der Siegburger Abt und der Vogt den Bau eines gemeinsamen Gerichtsgebäudes am Fuß des Michaelsberges ab. Das sogenannte Dinghaus stand dort, wo sich heute Mühlen-, Bergstraße und Marktplatz kreuzen. Drei Mal im Jahr wurde hier Gerichtsversammlung (Ding) gehalten, in der übrigen Zeit diente es wohl als Haus der Stadtherren.

Im 15. Jahrhundert kaufte die Stadt das am unteren Markt gelegene „Haus zur Scheuren“, in dem Bürgermeister und Rat 1438/39 erstmals tagten. Es avancierte zum Treffpunkt für alle Lebensbereiche. Mit den kriegerischen Zeiten im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert endete sein Glanz, es verkam zu einer Ruine. Auf seinen Mauerresten errichtete die Stadt 1826 ihre Lateinschule, in der seit 1990 das Stadtmuseum untergebracht ist.

Jahrhundert der Wanderschaft

Das 19. Jahrhundert bezeichnet Korte-Böger als Jahrhundert der Wanderschaft: sieben Privathäuser dienten der Verwaltung kurzzeitig als Sitz und erst mit dem Umzug in die Doppelhäuser Mühlenstraße 2-4 – an deren Stelle derzeit das Servatius-Quartier entsteht – kehrte wieder Konstanz zurück. Bis zu den verheerenden Bombenangriffen auf Siegburg am 28. Dezember 1944. Auch das Rathaus wurde getroffen, die Mitarbeiter blieben unverletzt, das Gebäude war aber ebenso zerstört wie die Aktenüberlieferung der vergangenen Jahre.

In einem Schulgebäude an der Schulgasse nahm die Verwaltung ihre Arbeit wieder auf, von Anfang an aber geplagt von großer Raumnot. Nach und nach wurden Abteilungen ausgelagert, so dass die Verwaltung Ende der 1950er Jahre auf elf Standorte verteilt war. Laut Korte-Böger gab es 1957 erste Überlegungen zu einem Rathausneubau, die schnell konkret wurden und 1968 schließlich in der Einweihung des aktuellen Verwaltungssitzes gipfelten. 50 Jahre später steht das Rathaus vor einem weiteren Wandel. Wie der sich gestalten wird, soll sich in den nächsten Monaten entscheiden.

Informationen und Termine

Das Siegburger Blatt mit dem Titel „Ein der Bedeutung der Stadt entsprechendes Verwaltungsgebäude – Alte und neue Rathäuser in der Stadt Siegburg“ gibt es für vier Euro unter anderem im Siegburger Stadtmuseum, Markt 46. Der Bau- und Sanierungsausschuss Rathaus kommt am Dienstag, 8. Mai, ab 17 Uhr im großen Sitzungssaal im Rathaus zusammen. Ab 19.30 Uhr findet die fünfte Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Rathauses in der Aula des Gymnasiums Alleestraße statt.