Brief aus dem Jahre 1943 gefunden: Ein Liebesbrief von der Front - Suche nach Empfängerin

Brief aus dem Jahre 1943 gefunden : Ein Liebesbrief von der Front - Suche nach Empfängerin

Alice Decrouppe hat im St. Josef-Hospital ein Erinnerungsstück von 1943 gefunden. Jetzt beginnt die Suche nach der Empfängerin.

Wie viele Besucher ungeachtet daran vorbeigegangen sind, das weiß Alice Decrouppe nicht. Der Bonnerin indes fiel das vergilbte Blatt Papier sofort ins Auge, als sie am Sonntag vor zwei Wochen das Foyer des St. Josef-Hospitals in Troisdorf betrat. Sie hielt auf dem Weg zu ihrem kranken Mann inne, bückte sich und hob einen Brief auf. Dass der sehr, sehr alt ist, erkannte sie sofort. "25. Dezember 1943" verriet der Briefkopf ihr den Tag, an dem er in Schönschrift verfasst wurde. Absender und Empfängerin: unbekannt. "Wenn so ein alter Brief hier liegt, muss er jemanden sehr viel bedeuten", dachte Alice Decrouppe und hinterließ das gute Stück am Empfang des Troisdorfer Hospitals.

Dort lag er auch zwei Wochen später noch, weshalb die Beuelerin den Brief an sich und mit nach Hause nahm. "Ich möchte ihn sehr gerne demjenigen zurückgeben, der ihn verloren hat", erklärt die ehrliche Finderin, warum sie sich nun an den General-Anzeiger gewandt hat. Er ist ein sehr persönliches Erinnerungsstück - und es ist zugleich ein Zeitdokument. Ein deutscher Soldat, der in Russland stationiert ist, schreibt seiner Liebsten an Weihnachten 1943. Irgendwelche Namen werden nicht genannt. "Meine liebe gute Mammi", beginnt sein Brief, und endet mit den Worten "Für heute mein Liebling einen recht lieben Weihnachtsgruß und tausend heiße Küsse von Deinem Dich nie vergessenden Papi".

"Es ist schwer, mit diesen Angaben denjenigen zu finden, der den Brief verloren hat", gibt Alice Decrouppe zu. Aber die Hoffnung hat sie dennoch nicht aufgegeben. Der Brief habe sie sehr gerührt, sagt sie. Immerhin verrät er, dass das junge Paar ein Kind erwartete. "Wenn Du jedoch wirklich junges Leben in Dir trägst, so muss diese Weihnachten doch noch schön für Dich gewesen sein. Warst Du doch nicht allein sondern mein Blut und mein Leben war ganz nah bei Dir", schreibt der Unbekannte.

"Dieses Kind könnte jetzt 71 Jahre alt sein", hat Decrouppe nachgerechnet. Vielleicht hat der Sohn oder die Tochter den Brief des Vaters verloren? Oder die Mutter selbst? "Für die könnte es aber auch der einzige verbliebene oder der letzte Brief des geliebten Mannes gewesen sein", spekuliert die Finderin. Diese Überlegungen haben sie in ihrem Wunsch bestärkt, das Fundstück zurückzugeben. Das verrät nicht viel über das Leben an der Front. Nur so viel, dass das Weihnachtsfest zumindest ansatzweise gefeiert wurde: "Von der Kompanie habe ich auf Heiligabend außer einem sehr guten Abendessen, Punsch und Bier noch eine Flasche Rum, 20 Zigaretten, 2 Äpfel und eine Tüte Gebäck erhalten."

Gefeiert hat der Schreiber selbst aber nicht mit seiner Kompanie: "Auf Heiligabend selbst habe ich mich freiwillig zur Wache gemeldet und das war gut so." Nachdem er sein Weihnachtsfest geschildert hat, offenbart der Namenlose seine Sehnsucht nach dem nächsten Brief seiner Liebsten: "Wird er mir die größte Weihnachstfreude bringen?" Diese Frage bleibt unbeantwortet. Zumindest bis sich der Besitzer des Briefes meldet. Sollte das nicht geschehen, weiß Alice Decrouppe bereits, wohin das Erinnerungsstück wandert: "Ich überlasse es dem Haus der Geschichte."

Wer den Brief im Sankt Josef-Hospital verloren hat oder jemanden kennt, dem das Erinnerungsstück gehört, kann sich ab Montag, 11. Mai, an die Siegburger GA-Redaktion wenden unter Tel. 02241/12012 00. E-Mail an: siegburg@ga-bonn.de