Verkehr in der Region: Eigene Rheinquerung für die Bahn im Gespräch

Verkehr in der Region : Eigene Rheinquerung für die Bahn im Gespräch

Die Region steht vor verkehrspolitischen Herausforderungen und damit vor der Frage: Wie lösen wir das tägliche Stauproblem? Eine Tunnellösung nur für Autos oder Schnellbusse zwischen Bonn und Siegburg und im ländlichen Bereich ist ebenso im Gespräch wie eine Rheinquerung für die Bahn.

Weitere Ausbauten oder gar neue Straßen wird es im Rhein-Sieg-Kreis auf absehbare Zeit nicht geben – Ausnahme: die geplante Rheinquerung zwischen Niederkassel und Lülsdorf nach Wesseling oder Godorf. Darüber sind sich die Kreispolitiker weitgehend einig. Wie berichtet, steht die Region vor verkehrspolitischen Herausforderungen und damit vor der Frage: Wie lösen wir das tägliche Stauproblem?

„Wir haben während der Nordbrückensanierung gesehen, dass man einiges an Individualverkehr von der Straße kriegt, wenn man die Taktung der Stadtbahn erhöht. Deshalb bekommen wir das Verkehrsproblem nur in den Griff, wenn wir das Angebot, die Qualität und die Tarife für den ÖPNV deutlich attraktiver gestalten“, sagt Ingo Steiner, Vorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion und des Kreisplanungsausschusses. Für ihn sei aber klar, dass nur eine Verbesserung des Stadtbahnangebots nicht ausreiche. „In der Spitze sind die Bahnen schon überlastet“, sagt Steiner, der in der Einführung von Schnellbuslinien eine kurzfristige Lösung dieser Situation sieht.

Anders als etwa die Bonner Grünen plädieren Steiner und seine Fraktion für eine Expressbuslinie vom Bonner Hauptbahnhof über die Kaiserstraße und das Bundesviertel sowie die Südbrücke zum ICE-Bahnhof Siegburg. „Damit hätten wir eine attraktive Verbindung für Pendler und Geschäftsreisende, die bislang Shuttles, Taxis oder den eigenen Pkw nutzen.“ Die kürzliche Offensive in Wachtberg, die Buslinien 655, 656 und 657 zu verstärken zeigten bereits positive Effekte.

Verweis auf Schnellbuslinien

Steiner verweist auch auf Schnellbuslinien, die der Kreis für die ländliche Region plant. Genau diese seien überfällig, sagt der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Dietmar Tendler. „Wir haben im Rhein-Sieg-Kreis ja derzeit eine Drei-Klassen-Gesellschaft: Regionen wie Siegburg und Sankt Augustin, die gut an Schiene und Bus angebunden sind, Kommunen wie Eitorf, die über gute Schienenanbindungen verfügen und jene Kommunen, die nur über ein mittelmäßiges Busliniennetz angebunden sind“, beklagt er.

Der Kreis und die Kommunen müssten jetzt „Geld in die Hand nehmen, um attraktive Schnellbuslinien zu den Bahnhöfen zu schaffen. Und damit meine ich nicht ein, zwei Busse, sondern intensive Verbindungen“, so der Verkehrspolitiker. Die SPD plädiert nicht nur für eine Überarbeitung des Tarifsystems im Verkehrsverbund, sie sieht auch den Bund in der Pflicht, mehr Geld für den Nahverkehr bereitzustellen. Tendler: „Der Kampf gegen den Klimawandel gelingt nur mit einer Verkehrswende.“

So sieht es auch Frank Kemper. Der verkehrspolitische Sprecher der Links-Fraktion im Kreistag hat gerade am Wahlprogramm der Linken mitgewirkt. In der Kommission sei eindeutig festgehalten worden, dass die Linken einen kostenlosen ÖPNV fordern. Kemper: „Laut Gutachten des Nahverkehrs Rheinland wäre das innerhalb von fünf Jahren machbar und würde im gesamten Verkehrsverbund eine Milliarde Euro pro Jahr kosten, also etwa 25 Euro pro Bürger.“

Linken lehnen weiteren Straßenbau ab

Die Linken lehnen jeden weiteren Straßenbau ab – auch eine reine Rheinquerung nur für Autos und Lkw. „Nur die Verbindung einer kombinierten Spange zwischen den beiden Rheinseiten von Straße und Schiene würden wir akzeptieren. Alles andere macht aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht überhaupt keinen Sinn.“

Die Diskussion um Tunnel- oder Brückenlösung ist aus Sicht des grünen Kreisfraktionsvorsitzenden Steiner im Grunde unnötig. Im Nahverkehr Rheinland (NVR), dem Zweckverband aller Kommunen zwischen Aachen und Oberbergischem Land, Wipperfürth und Euskirchen, habe sich die Einstellung gefestigt, dass es besser wäre, die beiden Projekte voneinander zu trennen, so Steiner.

Wie berichtet, hatte der Kreis bis Ende 2019 noch die Strategie verfolgt, die geplante rechtsrheinische Rheinuferbahn an die Rheinspange zwischen A555 und A59 anzuschließen. „Wir wären aber eingeschränkt in unseren Möglichkeiten, die Bahnverbindung dann linksrheinisch sowohl in Richtung Süden nach Bonn, als auch nach Köln anzubinden“, gibt Steiner die Diskussion im NVR wieder. Außerdem werde ein großes Brückenbauwerk von den Anliegern abgelehnt, und die Umsetzung der Tunnellösung würde zu lange dauern. Er sei sicher, dass die reine Stadtbahnbrücke über den Rhein „mittelfristig in fünf bis zehn Jahren“ realisierbar sei.

Rheinspange ist Teil der Lösung

Die SPD findet es „absurd“, sich jetzt auf eine Querungslösung festzulegen. „Die Rheinspange ist ein Teil der Lösung des Verkehrskollapses in der Metropolregion Rheinland und darf nicht als taktisches Wahlkampfmanöver von der CDU gefährdet werden. Zur Akzeptanz und Finanzierbarkeit eines solchen Mammutprojektes braucht es die Geschlossenheit der gesamten Region“ so SPD-Landratskandidat Denis Waldästl.

Wie berichtet, hatten sich die Ortsverbände der CDU von Bornheim, Niederkassel und Wesseling für eine Tunnellösung ausgesprochen. Marcus Kitz, CDU-Fraktionsvorsitzender im Niederkasseler Rat und Kreistagsabgeordneter des Rhein-Sieg-Kreises, sagte, die Kreistagsfraktion habe sich mittlerweile dieser Haltung angeschlossen. „Es gibt sieben Trassenvarianten, von denen die ideale Trasse rechtsrheinisch zwischen Langel und Lülsdorf liegt, aber so schwerwiegende Eingriffe in die Umwelt vorsieht und zudem von den Anliegern beidseits des Rheins abgelehnt wird.“

Denn die Autobahn müsste Kitz zufolge anderthalb bis zwei Kilometer über die Retentionsfläche gebaut werden, was ein „enormes Bauwerk“ wäre. „Natürlich wäre ein Tunnel unter der Sohle des Rheins finanziell und technisch anspruchsvoller, aber der Kosten/Nutzenfaktor dieser Verbindung ist so gewaltig, dass ich davon überzeugt bin, dass der Tunnel möglich und realisierbar ist.“

Andererseits sei er ein „vehementer Befürworter“ der rechtsrheinischen Bahnlinie.