SPD sieht Nachholbedarf: Dutzende neue Sozialwohnungen im Rhein-Sieg-Kreis

SPD sieht Nachholbedarf : Dutzende neue Sozialwohnungen im Rhein-Sieg-Kreis

Die Wohnungsbaugesellschaft schafft neue Angebote im Rhein-Sieg-Kreis und hat 2017 doppelt so viele Wohnungen und Häuser fertiggestellt wie sonst im Jahresdurchschnitt üblich. Die Kreis-SPD sieht jedoch weiterhin Nachholbedarf.

Ist beim sozialen Wohnungsbau im Rhein-Sieg-Kreis das Glas halb voll oder halb leer? Während die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) des Kreises eine positive Bilanz über das Jahr 2017 zieht, übt die SPD-Kreistagsfraktion Kritik. Sie sieht großen Nachholbedarf und appelliert an die öffentliche Hand, sich stärker beim Wohnungsbau zu engagieren.

Die GWG hat nach eigenen Angaben 2017 doppelt so viele Wohnungen und Häuser fertiggestellt wie sonst im Jahresdurchschnitt üblich. Demnach hat die Gesellschaft 42 öffentlich geförderte Mietwohnungen und 21 Einfamilienhäuser für kinderreiche Familien in Eitorf, Rheinbach und Troisdorf gebaut. Diese sind laut GWG bereits vermietet. 2018 will die Gesellschaft 58 öffentlich geförderte Mietwohnungen in Niederkassel und Bad Honnef fertigstellen.

Bereits 1939 gegründet, hat die GWG heute rund 2900 Mietwohnungen im Bestand. Die Gesellschaft will sicherstellen, dass die Wohnungen dauerhaft Menschen zugutekommen, die es aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse auf dem freien Markt schwer haben. Auch nach dem Wegfall der Mietpreisbindung nach frühestens 20 Jahren sollen die Objekte „unter Beibehaltung eines sozialverträglichen Mietniveaus weitervermietet“ werden, so die GWG. An ihr sind neben dem Rhein-Sieg-Kreis zwölf Kreis-Kommunen beteiligt.

„Auch zukünftig wird die sozial verantwortliche Wohnraumversorgung im Mittelpunkt unserer Geschäftspolitik stehen“, so Geschäftsführer Rolf Achim März. Landrat und GWG-Aufsichtsratsvorsitzender Sebastian Schuster bewertet die aktuelle Bautätigkeit positiv: „Mit Blick auf den aktuell stark angespannten Mietmarkt ist dies eine höchst erfreuliche Entwicklung.“

SPD kritisiert Rückgang

Neben öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften betreiben auch private Investoren geförderten Wohnungsbau. Sie alle beantragen Fördermittel. Landesweit standen 2016 und 2017 jeweils 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis erhalten zusammen pro Jahr 44 Millionen Euro, wovon auf Stadt und Kreis jeweils 22 Millionen Euro entfallen.

Weil das zuletzt nicht ausreichte, beantragte der Kreis in beiden Jahren zusätzliche Fördermittel beim Land: So bekam er 2016 weitere 33,7 Millionen Euro und konnte damit insgesamt 55,7 Millionen Euro abrufen. 2017 benötigte er „nur“ elf Millionen Euro mehr, sodass insgesamt 33 Millionen Euro zur Verfügung standen. Diesen Rückgang kritisiert die SPD – auch wenn 2016 als außergewöhnliches Boom-Jahr im Kreis galt. „33 Millionen Euro Fördermittel für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis sind mit Blick auf den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärte Dietmar Tendler, Vorsitzender der Kreistagsfraktion. Kreis und Kommunen müssten schnell die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Fördermittel abgerufen werden können.

SPD: Der Markt versagt

Vor allem wünscht sich die SPD, dass die öffentliche Hand selbst mehr Wohnraum schafft, statt den privaten Investoren das Feld zu überlassen. Das ist aus Sicht der SPD 2017 geschehen. Laut Kreis-statistik haben die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften 5,6 Millionen Euro Fördermittel beansprucht. Privatpersonen und - unternehmen kamen zusammen auf 22,6 Millionen Euro.

„Am Wohnungsmarkt können wir sehen, dass der Markt versagt“, so der SPD-Kreistagsabgeordnete Folke große Deters. „Wenn vor allem gewinnorientierte Unternehmen von den Fördermitteln profitieren, werden wir den Mangel an Wohnraum nicht bewältigen können.“ Dann sei zu befürchten, dass die Wohnungen nach Ablauf der Sozialbindung zu höheren Preisen angeboten werden.

Die Wohnungsbaugesellschaften seien durchaus nicht unwillig, sagt Tim Hahlen, Leiter der Gebäudewirtschaft beim Kreis. Ihr Zugriff auf Grundstücke und ihre personellen Möglichkeiten seien jedoch begrenzt, und außerdem müssten sie sich um die Pflege des Bestandes kümmern.

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