Katholische Kirche im Rhein-Sieg-Kreis: Durch und durch rheinisch

Katholische Kirche im Rhein-Sieg-Kreis : Durch und durch rheinisch

Thomas Jablonka wird als neuer Kreisdechant und neuer Pfarrer an Sankt Servatius in Siegburg eingeführt.

Noch ist alles neu. Thomas Jablonka muss sich erst einmal orientieren zwischen der Pfarrkirche Sankt Servatius, Pfarramt und Wohnhaus. Wo ist der Ort für das Pressegespräch? Für einen Moment ist er unsicher. Doch das weiß der neue Siegburger Pfarrer, zugleich neuer Kreisdechant, durch ausgeprägte Offenheit und Fröhlichkeit zu überspielen. Sein Händedruck ist fest, und schon bei der Begrüßung merkt man: echter Rheinländer. Der 49-jährige wird am heutigen Samstag ab 11 Uhr in der Servatiuskirche in seine neuen Ämter eingeführt, in Beisein von Erzbischof Rainer Maria Woelki. Anschließend findet ein Empfang in der Rhein-Sieg-Halle statt.

„Ich bin mit Siegburg noch nicht vertraut“, sagt Jablonka. Zunächst hat er ausprobiert, wo sein Schlüssel überall passt. So hat er schon mal in die Kapelle an der Ringstraße geschaut. Nach und nach will er nun in den Kirchen der Stadt Gottesdienste halten, um sich einzufinden. Als Kreisdechant ist er zudem für derzeit sieben Dekanate mit rund 300 000 Katholiken zuständig. In beiden Funktionen folgt er Axel Werner, der im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

Der Neue will das Engagement an der Basis stärken

1966 in Grevenbroich geboren, fasste Jablonka früh den Entschluss, Priester zu werden. Nach dem Abitur 1985 trat er in das Collegium Albertinum in Bonn ein und studierte Theologie. 1992 wurde er Diakon in Rhöndorf und Bad Honnef. Nach der Priesterweihe 1993 war er Kaplan in Bad Godesberg, 1996 wechselte er nach Neuß. 2002 ging er als Pfarrer nach Wipperfürth, wo er bis zuletzt wirkte. Pfingsten 2015 erhielt er die Nachricht, dass Woelki ihn für die Nachfolge Werners ausgeguckt habe. „Es sollte alles schnell gehen, doch dann hatte der liebe Gott andere Pläne mit mir und ließ mich krank werden“, erzählt Jablonka. Eine Herzgeschichte zwang ihn zu einer Pause. Inzwischen gehe es ihm wieder gut, sagt er. „Ich soll nicht unbedingt als Gerüstbauer arbeiten, hat mir mein Arzt geraten.“

Aber das hat der Geistliche, nebenbei leidenschaftlicher Hobbygärtner und Koch, auch gar nicht vor. Ein bisschen mehr Bewegung ist angezeigt, aber das lässt sich auch mit dem Beruf verbinden. „Viele Gespräche kann man auch im Gehen führen.“ Er sei gerne mit Menschen zusammen, sagt er. Sie seien bei allen Strukturreformen, die die Kirche angesichts der demografischen Entwicklung und der Kirchenaustritte durchmache, immer noch das Wichtigste. „Die Strukturen ändern sich, nicht aber die Menschen.“ Auch wenn sich die Kirche im Wandel befinde und Gemeinden schrumpften, gebe es an der Basis nach wie vor die Bereitschaft zu Eigenverantwortlichkeit und Engagement. All das müsse gestärkt werden – eine Erkenntnis, die Jablonka aus dem oberbergischen Wipperfürth mitgebracht hat.

Und: „Entscheidend ist, dass die Leute zusammenkommen und die Eucharistie feiern. Wo nicht regelmäßig die Sonntagsmesse gefeiert wird, zerfließt das Gemeindeleben“, so Jablonka, der sich als „rheinisch-katholisch“ bezeichnet. Dem Thema Ökumene steht er aufgeschlossen gegenüber: „Wir Christen müssen mit einer Stimme sprechen. Das geht am besten da, wo es konkret wird – verkaufsoffene Sonntage, Caritas, Diakonie.“ Nichtsdestotrotz gebe es weiterhin Trennendes zwischen Katholiken und Protestanten, und auch darüber müsse gesprochen werden.

Die Messe in Sankt Servatius beginn am Samstag um 11 Uhr.

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