1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Siegburg

Blutkonserven werden knapp: DRK-Spendedienst West schlägt Alarm - Lager sind leer

Blutkonserven werden knapp : DRK-Spendedienst West schlägt Alarm - Lager sind leer

Im vergangenen Jahr hat es das Problem nicht gegeben, im Jahr davor auch nicht. In diesem Sommer wird es richtig eng. "Blutstrom abgerissen", warnt der DRK-Blutspendedienst West und spricht von großen Versorgungsengpässen an Blut und Blutpräparaten.

"Nun ist das eingetreten, was wir schon seit ein paar Wochen befürchteten", sagte Heinz Kapschak, Pressesprecher beim Blutspendedienst West, dessen Einzugsbereich Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst.

Immer weniger Menschen sind in den vergangenen Wochen zu den Blutspendeterminen gegangen. Die Konsequenz: In den Krankenhäusern wächst die Gefahr, dass dringende und lebensnotwendige Operationen verschoben werden müssen. So weit ist es aber offensichtlich noch nicht. "Wir haben im Moment noch kein Problem", sagt Tobias Pott, Regionalleiter Unternehmenskommunikation bei Helios, wozu auch das Siegburger Krankenhaus gehört.

Die Blutkonserven seien noch nicht knapp. "Aber es ist schon so, das in Ferienzeiten viele potenzielle Spender im Urlaub sind und deshalb nicht zum Spenden kommen", so Pott. Auch bei großer Hitze gehe niemand gerne zum Aderlass. "Ich appelliere aber an alle, die Spenden können, das auch zu tun, damit erst gar keine Engpässe aufkommen."

Laut Kapschak sind besonders die Vorräte an Blutkonserven der Blutgruppe "Null Rhesus positiv" betroffen sowie alle Rhesus negativen Blutgruppen. "In der Regel wird nur blutgruppengleiches Blut übertragen", so Kapschak. Die Blutgruppe Rhesus negativ aber sei deshalb so wichtig, weil sie auch Rhesus-positiv-Empfängern übertragen werden könne.

Blutgruppe Rhesus negativ besonders wichtig

Sie sei daher besonders in Notfallsituationen wichtig, wenn schnell Blut zur Verfügung gestellt werden müsse. Nur etwa sechs Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung trägt diese Blutgruppe. "Aber es fehlen auch die anderen Blutgruppen in den Lagern des DRK-Blutspendedienstes", sagt Kapschak.

Einen Grund, warum es in diesem Jahr wieder eng wird mit den Blutkonserven, sieht Kapschak darin, dass die Postzusteller so lange gestreikt haben. "Das hatte große Auswirkungen auf das Blutspendewesen", so der Sprecher. Die Bürger, die regelmäßig Blut spenden, werden zu den Terminen per Schreiben eingeladen.

Täglich 3000 bis 3500 Blutspenden notwendig

"Durch den Streik aber sind die Einladungen nicht zugestellt worden oder kamen zu spät." Natürlich spiele auch das Sommerwetter eine Rolle beim Rückgang der Spendenbereitschaft. "Man geht lieber in den Biergarten oder ins Freibad als zum Blutspenden", so Kapschak. Im Versorgungsgebiet des Blutspendedienstes West werden täglich zwischen 3000 und 3500 Blutspenden benötigt.

Derzeit hat das DRK mal gerade einen Vorrat, der für ein bis anderthalb Tage reicht. Damit sich die Situation entschärft ruft der Blutspendedienst die Bürger dazu auf, sich an den Blutspende-Aktionen zu beteiligen. "Es zählt jede Spende", sagt Kapschak.

Spenden kann jeder Gesunde ab 18 Jahre. Neuspender dürfen aber nicht älter als 68 Jahre sein. Vor der Blutentnahme wird der Spender ärztlich untersucht. Die eigentliche Spende dauert nur wenige Minuten. Insgesamt sollte man aber eine gute Stunde einplanen. Der Personalausweis ist erforderlich.

Infos

Weitere Informationen, vor allem zu den örtlichen Spendeterminen, gibt es unter blutspendedienst-west.de oder unter der kostenlosen Hotline 0800/1194911.

Kurz gefragt

Heinz Kapschak ist Sprecher des Blutspendedienstes West.

Herr Kapschak, wie ernst ist die Situation?
Heinz Kapschak: Im Moment ist es wirklich eng. Wir haben nur einen Vorrat, der für anderthalb Tage reicht. Es besteht die Gefahr, dass wir die Krankenhäuser nicht mehr beliefern können.

Für wie viele Tage benötigen Sie Vorrat an Blutkonserven?
Kapschak: Unser Ziel ist es, mindestens drei bis vier Tage Vorrat zu haben. Dann können wir alle Krankenhäuser mit allen Blutgruppen versorgen.

Wie länge hält sich eine Blutkonserve?
Kapschak: Das ist unterschiedlich. Die roten Blutkörperchen etwa sind 42 Tage haltbar. Die muss man immer wieder frisch nachbekommen. Thrombozyten etwa halten sich nur fünf Tage.

Ist es im Sommer immer problematisch oder ist die derzeitige Situation ein Einzelfall?
Kapschak: Grundsätzlich kennen wir das Problem schon, aber diesmal hat der Poststreik dazu geführt, dass wir unsere Lager nicht füllen konnten. Unsere Stamm-Spender sind darauf konditioniert, eingeladen zu werden. Die Einladungen sind aber nicht angekommen. Das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Wochen bis zu 30 Prozent Rückgang zu verzeichnen haben. Und Freibad, Biergarten sowie die Terrasse stehen im Sommer eher auf dem Programm als Blut spenden.