Regionale Online-Portale: Digitale Verkaufsregale im Rhein-Sieg-Kreis bleiben leer

Regionale Online-Portale : Digitale Verkaufsregale im Rhein-Sieg-Kreis bleiben leer

Der Einzelhandel ist zunehmend der Online-Konkurrenz ausgesetzt. Zwar gibt es im Rhein-Sieg-Kreis bereits einige lokale Internetportale, doch hapert es an der Resonanz in der Geschäftswelt.

Den digitalen Warenkorb mit zwei, drei Klicks füllen, bezahlen und auf die Lieferung warten – der Onlinehandel hat das Einkaufen orts-, zeit-, wetter- und verkehrsunabhängig gemacht. Und damit zur gefürchteten Konkurrenz des stationären Einzelhandels werden lassen. Um den lokalen Handel zu stärken, sollen Einzelhändler das E-Commerce für sich entdecken und sich, so das Idealbild, zu gemeinsamen Plattformen verbünden, um virtuellen Vollsortimentern Paroli bieten zu können.

Entsprechende Projekte werden vom Handelsverband Deutschland und dem NRW-Wirtschafts- und Digitalministerium unterstützt: Optimal seien sogenannte Online-Stadtportale, die fernab der Verwaltungs-Internetseiten neben Kultur- und Freizeitangeboten auch Onlineshops des lokalen Einzelhandels integrierten. Wie weit Wunsch und Wirklichkeit bei derartigen Online-Stadtportalen auseinandergehen, offenbarte sich jüngst im Wirtschaftsausschuss des Rhein-Sieg-Kreises. Dort präsentierte Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler die Ergebnisse einer Umfrage in den 19 Kreiskommunen, die vom Ausschuss einstimmig auf Antrag der SPD in Auftrag gegeben worden war. Außer Windeck, Alfter, Much und Rheinbach beteiligten sich alle Kommunen an der Untersuchung. Das Fazit: Nur sechs der 15 Kommunen haben bereits solche Portale, die sich zudem stark im Schwerpunkt unterscheiden.

Schwierige Umsetzung

Zwei Portale zeigen lokale Sortimente des Handels, zwei weitere kombinieren sie mit einem Kontaktverzeichnis zum jeweiligen Händler. Ein weiteres Portal zeigt ausschließlich Kontaktdaten zum Einzelhandel, während das Portal der Stadt Königswinter ausschließlich Kultur- und Freizeitangebote im Siebengebirge präsentiert. Dort, wo die Portale bereits etabliert sind, werden diese auch von Nutzern angenommen, so die Untersuchung. In sechs der neun Umfragekommunen, die bislang kein Online-Stadtportal haben, sei die Einrichtung in absehbarer Zeit geplant. Doch die Umsetzung sei schwierig, resümierte der Kreiswirtschaftsförderer: Nach der Befragung im Frühjahr habe man mit weiteren Akteuren aus Handel und Kommunen gesprochen, doch „die Bereitschaft dazu ist gering“. Das zeige auch die Umfrage: 40 Prozent der 15 Kommunen teilten mit, das Engagement der ortsansässigen Einzelhändler und Anbieter zu vermissen.

Eine Größenordnung, die Jürgen Peter (FDP), Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsausschusses der Stadt Siegburg, bestätigte. Auch in Siegburg habe man viele Gespräche mit dem lokalen Einzelhandel geführt. Peters Fazit: „Nur 24 Prozent der Einzelhändler in Siegburg wären überhaupt in der Lage, mit ihrer Warenwirtschaft an einem solchen Portal teilnehmen zu können.“ Als es dann um die Finanzierung der Entwicklungskosten ging, habe kein einziger Einzelhändler die Bereitschaft zu einer Beteiligung signalisiert.„Sich bei diesem Thema auf den Einzelhandel zu verlassen, heißt: Man steht verlassen da, man handelt einzeln“, resümierte der FDP-Politiker.

"Wir brauchen einen langen Atem"

Geld allein löse das Problem aber nicht, berichtete Burkhard Hoffmeister (Grüne) aus Bad Honnef, wo ein Online-Stadtportal mit Fördermitteln und hohem Personaleinsatz im Rathaus entwickelt wurde: „Obwohl wir in Bad Honnef Geld bekommen haben und gefördert wurden, war es ein Kampf. Mit derzeit 15 bis 20 teilnehmenden Händlern liegen wir von den ursprünglich geplanten 150 Händlern weit entfernt“, so Hoffmeister. „Selbst mit der guten Starthilfe, die wir erhalten haben, brauchen wir noch einen langen Atem.“