Anstieg von Diebstählen: Diebe stehlen immer mehr Wohnwagen in der Region

Anstieg von Diebstählen : Diebe stehlen immer mehr Wohnwagen in der Region

Diebe haben es immer öfter auf Wohnwagen abgesehen: Auch die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg registrierte im Jahr 2017 einen sprunghaften Anstieg solcher Diebstähle.

Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Deshalb haben Sandra und René Pilger sich besonders viel Mühe gegeben, Dieben keine Gelegenheit zu bieten: Ihren Caravan, einen stattlichen Zweiachser mit 9,42 Metern Länge, stellten sie auf ein abgeschlossenes Areal in Sankt Augustin-Menden, befestigten mehrere Parkkrallen an den Rädern, sicherten die Räder mit einer schweren Stahlkette, die mit einem zweiten Anhänger verwoben war, brachten ein Spezialschloss an der Anhängerkupplung sowie diverse Vorhängeschlösser an, auch an der Feststellbremse des Fahrzeugs. Zuletzt parkten sie ihren Wohnwagen mit der Deichsel zu einer Wand – Diebe sollten es nicht einfach schnell an ein Fahrzeug montieren und davonfahren könnten. Geholfen hat all das nicht: In der Nacht von Freitag zu Samstag wurde der noble weiße Caravan vom Typ Dethleffs 730 FKR gestohlen. Insgesamt hat die Polizei 2017 einen deutlichen Anstieg solcher Diebstähle registriert, auch im Rhein-Sieg-Kreis.

Beute taucht in den Niederlanden wieder auf

Familie Pilger ist schockiert. „Wir hatten schon alle möglichen Vorkehrungen getroffen. Viel mehr hätten wir nicht tun können“, sagt Rene Pilger. Denn in Menden haben die Diebe wirklich fette Beute gemacht: Vierflammiger Gasherd, 174-Liter-Kühlschrank, Etagenbett, Doppelbett, zwei Sitzgruppen, Klimaanlage, elektrischer Antrieb zum Einparken und Rangieren, Flachbildfernseher – „ein richtiges Traumteil“, sagt Pilger, „der auch Traumgeld gekostet hat“. Mitsamt Ausstattung, einschließlich sechs noch originalverpackten Campingstühlen und gefüllten Aluminium-Gasflaschen, beläuft sich der Schaden auf rund 45.000 Euro, hat das Ehepaar nachgerechnet: „Wir hatten den Caravan erst 13 Monate, waren damit letztes Jahr im Sommer in Italien, dann über mehrere Wochenenden und in den Schulferien in den Niederlanden.“

Dorthin oder nach Belgien dürfte der gestohlene Caravan nun unterwegs sein, mutmaßt René Pilger nach Recherchen in einschlägigen Internetforen. Eine Vermutung, die nicht unbegründet ist: Wie das Landeskriminalamt in Düsseldorf im Dezember 2017 mitteilte und auf Anfrage des General-Anzeigers noch einmal bestätigte, haben die Ermittler irisch-britische Landfahrergruppen und südosteuropäische Banden im Visier, deren Beute in einigen Fällen auf Umschlagplätzen in den Niederlanden oder Belgien wiedergefunden wurde.

Caravan-Diebe bei Frechen auf frischer Tat ertappt

Landesweit hat sich die Zahl der Caravandiebstähle vom Jahr 2016 auf 2017 auf 345 Fälle erhöht und damit mehr als verdreifacht, bestätigt der Erste Kriminalhauptkommissar Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes. Er beziffert den Gesamtschaden im vergangenen Jahr auf 9 789 680,70 Euro. Neue oder neuwertige Caravans von Fendt und Tabbert Knaus standen bei den Beutezügen oben auf der Liste.

Dabei gehen die Banden brachial vor: ausgegrabene Hecken, gerodete Waldstücke, eingerissene Mauern und selbst eine Flucht vor der Polizei, bei der während der Fahrt ein Caravan abgekoppelt wurde, um die Verfolger abzuschütteln, gab es bereits. Auch vor dem Rhein-Sieg-Kreis machen die Diebe keinen Halt, berichtet Stefan Birk, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Diese umfasst den rechtsrheinischen Kreis ohne Bad Honnef und Königswinter. „Für das Jahr 2016 haben wir sechs Delikte registriert, im Jahr 2017 waren es 15 Delikte, also ein erheblicher Anstieg.“ Seit Jahresende und bis zum 29. März 2018 wurden keine neuen Diebstähle mehr gemeldet. Jetzt seien es bereits vier, so Birk, „aber für eine Aussage zu diesem Jahr ist es noch zu früh“.

Tricks wie GPS-Ortung nützen oft nichts

Sandra und Rene Pilger tröstet das wenig. Am Sonntag wurden bei Frechen Caravan-Diebe ertappt und festgenommen, ihr Caravan war nicht dabei. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Rene Pilger. „Wir warten jetzt auf die Reaktion der Versicherung, die den Wiederbeschaffungswert ermitteln wird. Allerdings wird unser Traummodell nicht mehr gebaut.“ Damit der Sommerurlaub nicht platzt, will die Familie einen Caravan mieten, auch wenn gute Modelle längst ausgebucht sind. Sofern ein neuer Caravan gekauft wird, will Pilger diesen noch besser schützen: „Wir wissen nur noch nicht, wie. Tricks wie GPS-Ortung und Alarmanlagen kennen die Profi-Diebe natürlich auch. Und wenn wir die Räder am geparkten Caravan abmontieren, bringen die Diebe eben die Räder einfach mit – auch das ist anderen Opfern schon passiert.“

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