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Flüchtinglingsandrang im Rhein-Sieg-Kreis: Die Tafeln schlagen Alarm: Lebensmittel werden knapp

Flüchtinglingsandrang im Rhein-Sieg-Kreis : Die Tafeln schlagen Alarm: Lebensmittel werden knapp

Wenn "Tafeltag" ist, wird es voll vor den Ausgabestellen der Tafeln in der Region. Seit einigen Wochen sind die Schlangen besonders lang, mancherorts zu lang.

Der Kreis der Tafelkunden, allesamt Personen mit vom Amt bescheinigter Bedürftigkeit, ist rasant gewachsen: Flüchtlinge, die einer Kommune zur Unterbringung zugewiesen wurden und nicht in Gemeinschaftsunterkünften mit Catering versorgt werden, erhalten von den Ämtern ebenso "Tafelhaushaltsbescheinigungen" wie die Empfänger von Sozialhilfen unterschiedlicher Art.

In den Tafeln sei der Andrang zum Teil erheblich größer geworden, berichtet Peter Seiler vom Awo-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg. Er koordiniert die Tafelangebote der Awo in Bad Honnef, Hennef, Much und, sofern bis Dezember die Vandalismusschäden behoben sind, bald auch wieder in Königswinter.

"Wir merken, dass es mehr Geschiebe und Gedränge gibt, insbesondere dort, wo die Räume eng und viele neue Leute sind, die unsere Spielregeln noch nicht kennen", bittet der Koordinator um Verständnis: "Es ist in der Regel so, dass die Flüchtlinge von den Ämtern zu uns geschickt werden, aber die Tafeln überhaupt nicht kennen. Viele glauben, es handele sich dabei um ein staatliches Angebot, sind dann vom Andrang und der schlechten Auswahl überrascht." Mit Handzetteln unter anderem in arabischer Sprache erkläre man nun das Prinzip und auch, dass man nicht auf alle Bedürfnisse eingehen könne.

"Es sind deutlich mehr Leute geworden, aber die Lebensmittelspenden sind nicht angestiegen. Wir können keine Auswahl bieten, wir haben generell immer zu wenig. Aber wir bemühen uns immer um eine möglichst gerechte Verteilung, damit der derjenige, der früh kommt oder sich vordrängelt, nicht automatisch die besten Waren erhält."

Doch, das betont Seiler ausdrücklich, "unser Tafelsystem ist nicht beliebig erweiterbar." Die Raumkapazitäten seien begrenzt, die Helferzahlen klein, das Spendenaufkommen bei haltbaren Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Speiseöl oder Kaffee drastisch sinkend. "Die Lebensmittelspenden nehmen ab, weil die Logistik der Supermärkte immer besser wird", fasst Monika Bähr, Vorstandsvorsitzende des SKM Katholischer Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis, zusammen.

Der SKM betreut die Tafeln in Siegburg, Troisdorf, Sankt Augustin, Lohmar, Eitorf, Ruppichteroth, Windeck und Asbach. "Überall wird es voller", betont Bähr: "Unsere Tafeln gehen unterschiedlich mit dem Ansturm um. In Lohmar gibt die Tafeln keine Lebensmittel mehr an Einzelpersonen aus." Die Portionen frischer Lebensmittel seien für Einzelpersonen meist zu groß, "wir müssen Prioritäten setzen."

In Troisdorf überlege man, Tafelkunden jeweils nur noch alle zwei Wochen zu versorgen. Es reiche hinten und vorne nicht mehr, bedauert Bähr und betont: "Das ist ein Dilemma. Ausgerechnet die Ärmsten müssen nun teilen. Darin liegt Sprengstoff."

Doch bislang blieben Tumulte aus, auch weil die Tafeln je nach Raumangebot am Ausgabeort ein Café-Angebot einrichten, Druck rausnehmen und den Ansturm koordinieren. An langen Schlangen wolle schließlich niemand der letzte sein, sagt Bähr: "Es ist wichtig, das zu steuern." Denn der Unmut, der sich unter den Ärmsten der Gesellschaft breitmache, sei bereits zu spüren. "Es wird sehr viel für Flüchtlinge gemacht, was sehr wichtig und richtig ist. Wir dürfen dabei unsere Armen nicht vergessen, die zum Teil seit vielen Jahren auf vernünftige Sozialwohnungen und mehr Unterstützung hoffen."