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Glosse: Die Sache mit dem „Du“

Glosse : Die Sache mit dem „Du“

Wann sagt man "Sie" und wann "Du" - mitunter eine Gratwanderung.

Wo fängt eigentlich die förmliche Anrede „Sie“ an und, vor allem, wo hört sie wieder auf? Man weiß es nicht. Der Knigge schreibt auf seiner Internetseite: „Jede volljährige Person hat nach allgemeiner Auffassung ein Recht darauf, mit 'Sie' angesprochen zu werden. Dies ist die Regel, das 'Du' demnach die Ausnahme.“ So lautet also die reine Lehre – allerdings stelle ich in jüngster Zeit vermehrt fest, dass das ziemlich unterschiedlich gehandhabt wird.

Ein Beispiel aus dieser Woche in einem Siegburger Elektronikmarkt: Ich frage nach einer Sorte Druckerpatronen, der relativ junge Verkäufer – ich sieze ihn natürlich – begleitet mich zum Regal, er sagt: „Ne, tut mir leid, Dicker. Da kann ich echt nix für dich machen.“ Dann geht er. Ich bin verdutzt. Dicker? Aha. Ein anderer Tag, die Sprechstundenhilfe beim Arzt: „Matthias, komm' doch in Behandlungszimmer drei.“ Okay. Auf der Arbeit ist das anders: Bei Rechercheanrufen wird man gesiezt. Der ständige Wechsel verwirrt mich. Bin ich jetzt ein „Sie“ oder bin ich ein „Du“? Zu Schulzeiten war das einfacher: Bis auf die Lehrer waren alle „Du“, inklusive mir selbst.

Das galt auch für die Eltern meiner Freunde, als Mensch vom Land ist das so. Das förmliche „Sie“ ist selten. Zum ersten Mal kam das Thema für mich in der Oberstufe der Schule auf, als unser Physiklehrer uns angesichts unser gerade erreichten Volljährigkeit vor die Wahl stellte, ob wir geduzt oder gesiezt werden möchten. Mein Kumpel meldete sich und sagte: „Ach, du kannst uns ruhig siezen.“