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Weiberfastnachtsparty in Siegburg: Die Jecken trotzen dem Regen

Weiberfastnachtsparty in Siegburg : Die Jecken trotzen dem Regen

Mehr als 3000 Karnevalisten haben an Weiberfastnacht auf dem Siegburger Markt gefeiert. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden. Es gab weniger DRK-Einsätze.

Dauerregen – und kein Ende in Sicht. „Heute Morgen hatten wir schon Angst, dass niemand kommt“, gesteht Thomas Kohs. Doch nur wenige Stunden später lässt der Geschäftsführer der Eventagentur Lekkermann seinen Blick um einiges gelassener über den Siegburger Marktplatz gleiten: Am Mittag trotzen laut Veranstalter mehr als 3000 junge Jecken dem Regen und feiern ausgelassen Karneval. Entsprechend zufrieden zeigt sich Kohs mit seiner Premiere in der Kreisstadt, ebenso Siegburgs Beigeordneter Ralf Reudenbach. „Im Vergleich zu den Vorjahren mussten nur etwa halb so viele Menschen behandelt werden“, resümiert auch Rudolf Mrosek, Sprecher des DRK Rhein-Sieg. Bis 20 Uhr hatten die Sanitäter 53 Feiernde versorgt, überwiegend wegen zu viel Alkohol oder Drogen. 23 kamen ins Krankenhaus.

Das neue Konzept scheint aufgegangen zu sein: Nachdem die Feier 2015 wegen der desolaten Haushaltslage ausgefallen war, hat erstmals ein externer Veranstalter die Weiberfastnachtsparty in Siegburg organisiert. Mit Eintritt, Alters- und Alkoholkontrollen und einem Bühnenprogramm mit Bands. Zugänge gibt es nur am Goldenen Eck, an Berg- und Bahnhofstraße. Dort knubbelt es sich am Mittag, die Jecken müssen Schlange stehen.

Einmal auf dem Markt gibt es kein Halten mehr. Ob mit oder ohne Regenschirm – die überwiegend jugendlichen Narren singen, hüpfen und tanzen vor der Bühne. Die steht nicht mehr am oberen, sondern am unteren Markt. Mal sind es Karnevalshits, mal Schlager, mal Musik von DJ Sean Baker, mal Live-Töne von verschiedenen Kölner Bands, die ihren Tänzen den Takt vorgeben. Die Stimmung ist gut. Die Schneewittchen aus Lohmar sind zum ersten Mal in Siegburg, um Weiberfastnacht zu feiern. „Es gefällt uns super“, sagt die 15-jährige Kira. Dass es regnet, sei sehr schade, ergänzt ihre Freundin Lola (15). „Aber wir machen einfach das Beste daraus“, sagt sie und verschwindet in der wippenden Menge. Schon seit Jahren zieht es hingegen die 26-jährige Ramona aus Much zur Party nach Siegburg. „Das neue Konzept ist gut“, erzählt sie. Ihre Freundin Jaqueline (18) aus Windeck freut sich besonders über die Ausweiskontrollen. „Ich finde gut, dass es keine 13-jährigen Besoffenen hier gibt. Nicht so gut ist aber, dass man kein Wasser mitnehmen darf.“

Mittendrin ist auch Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn, um sich ein Bild zu machen. Sein Beigeordneter Ralf Reudenbach ist zufrieden mit dem, was er sieht: „Hier wird einfach nur friedlich und fröhlich Karneval gefeiert.“ Dafür haben Stadt, DRK, Polizei und Veranstalter im Vorfeld mehrfach zusammengesessen. „Ich habe noch nie eine Veranstaltung gehabt, bei der so ein enormer Aufwand betrieben wurde“, sagt Thomas Kohs und lobt die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Neben 65 Mitarbeitern des Veranstalters sind 80 private Sicherheitskräfte, rund 100 Rettungskräfte des DRK, 25 Ordnungsamtsmitarbeiter aus Siegburg sowie insgesamt 20 Jugendamtsmitarbeiter aus Siegburg und Sankt Augustin auf und rund um den Markt unterwegs. Auch die Polizei zeigt verstärkt Präsenz.

Mehr außerhalb des Marktplatzes hält sich Andreas Kernenbach vom Verein zur Förderung der städtischen Jugendeinrichtungen aus Sankt Augustin auf. Da in der Nachbarkommune die Party wegen des Huma-Abrisses ausfällt, ist er mit weiteren Vertretern vor Ort. „Alles in allem war es eine ruhige Weiberfastnacht“, sagt Kernenbach. Allenfalls am Bahnhof habe es anfangs eine Extra-Party gegeben. Die Jugendlichen hätten sich unter den Dächern untergestellt.

Am Abend sind die Sorgen vom Morgen dann vollends vergessen bei Thomas Kohs: „Wir sind nicht enttäuscht.“ Die Bands seien beim sehr jungen Publikum gut angekommen. Das empfinden auch die DJs Ingo Due und Max Weyes so. „Das war eine super Stimmung – und sehr friedlich“, sagt Due. Und, es werde ein Wiedersehen geben, versichert Thomas Kohs. Dann aber bei blauem Himmel.