GA-Serie "Siegburger Köpfe": Der Maler Jürgen Schmitz und seine Landschaften

GA-Serie "Siegburger Köpfe" : Der Maler Jürgen Schmitz und seine Landschaften

Der Künstler arbeitet und wohnt in seiner Galerie. Die Landschaftsmalerei war immer sein Sujet, schon während des Studiums an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, die er von 1971 bis 1978 besuchte.

Je älter er werde, desto mehr mache ihm das Malen Spaß, sagt der Siegburger Künstler Jürgen Schmitz (65). Zur Ruhe setzen will er sich noch lange nicht. Dabei hat er es in seiner über 37-jährigen Laufbahn auf die beeindruckende Zahl von rund 1800 Bildern geschafft. „Die Ideen gehen mir nicht aus, im Gegenteil, es werden immer mehr“, sagt er und erklärt warum: „Ich bin sehr viel draußen in der Natur, die Kamera immer dabei, und bekomme jede Menge Inspirationen durch das, was ich sehe.“ Es sei für ihn so etwas wie eine „Inbesitznahme der Landschaft“, erklärt Schmitz. Oft wählt er nach Jahren die gleiche Landschaftsansicht noch einmal, um auszuprobieren, „was heute daraus entsteht“, so der Künstler.

Die Landschaftsmalerei war immer sein Sujet, schon während des Studiums an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, die er von 1971 bis 1978 besuchte. Dort sei er als realistischer Maler so etwas wie ein Exot gewesen. Er erlebte mit, als Dozent Joseph Beuys von dem damaligen Landesminister Johannes Rau fristlos entlassen wurde.

Schmitz als ungewöhnlicher Kunstlehrer

Schmitz arbeitete nicht immer als freischaffender Künstler, sondern war von 1974 bis 1982 nebenberuflich als Kunstlehrer am Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin tätig. Das hat ihm nach eigenen Worten viel Spaß gemacht, „weil man viel Blödsinn machen konnte“. So sollte er für die Schule ein Namensschild künstlerisch gestalten und ersetzte das „Y“ im Wort Gymnasium durch ein „Ü“. Die damit beabsichtigte Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Anrufer empörten sich über die scheinbare Unfähigkeit der Schule zur korrekten Rechtschreibung. Das Schild blieb trotzdem.

Seit 1982 ist der 65-Jährige unabhängig. Das Malen ist für ihn ein „meditatives Eintauchen in das jeweilige Bild“. Er muss sich aber die Zeit „freischaufeln“. Dann klinkt er sich völlig aus und bekommt den „Tunnelblick“. Sein Anspruch an sich selbst ist hoch. „Ich male jedes Bild so, als sei es das ultimative“, sagt er. Im Schnitt braucht er zwei Wochen bis zur Vollendung. Meistens malt er an mehreren Bildern gleichzeitig, weil er den Trocknungsprozess abwarten muss. Da man viele Bilder aus der Realität kennt, ist ein Rundgang durch die Galerie von Schmitz an der Ringstraße, in der er auch sein Atelier hat und wohnt und die voll mit seinen Werken hängt, so spannend.

Landschaften zwischen Siegburg, Sankt Augustin, Troisdorf und Niederkassel sind häufige Motive. Bei anderen Bildern meint man nur, die Orte zu kennen, denn der Künstler malt auch Fantasielandschaften. Mit einer unglaublichen Akribie und technisch perfekt umgesetzt – wie Fotografien. Doch nicht eines seiner Gemälde macht auch nur im Entferntesten den Eindruck eines Postkartenmotivs. Darum traut er sich auch nicht, den Michaelsberg aus der Nähe zu malen. „Das birgt die Gefahr der Heimatmalerei“, sagt er zur Begründung. Er mag die Tristesse in seinen Bildern, und er setzt Störelemente wie Strommasten ein, um eine Idylle erst gar nicht entstehen zu lassen.

Urlaubsorte als Motive entdeckt

In diesem Zusammenhang erinnert er sich an eine Unicef-Veranstaltung, bei der er zusammen mit vier Künstlerkollegen ausstellte und bei der Prinz Charles Ehrengast war. Der Royal meinte beim Anblick von Schmitz' Bildern, die Strommasten störten. Er habe sich verkniffen zu sagen, dass die Verlegung unter die Erde zu teuer sei, berichtet der Maler grinsend. Schmitz verkauft seine Arbeiten nicht nur in Eigenregie, sondern arbeitet auch mit Galeristen zusammen.

Die Vernissage in einer Berliner Galerie ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. In einem Nebenraum kamen zwei kleine Mädchen in einen Streit. Schmitz: „Auf einmal war es still. Ich ging nachschauen. Eins der Kinder hatte eine Barbiepuppe nach der Schwester geworfen – die Puppe landete im 90-Grad-Winkel mitten im Himmel eines meiner Bilder und blieb mit der rechten Hand stecken. Als wenn Barbie in den Rhein springen wollte.“

Und auch mit einem Fälscher hatte Schmitz es schon zu tun. Als er in Köln an einem Café vorbeiging, sah Schmitz durch das Schaufenster seine Bilder an der Wand. Er ging hinein und zählte ein Dutzend seiner Werke, „aber von einem unbekannten Künstler und sehr schlecht abgemalt“. Neben der Heimat hat Schmitz auch Orte wie De Haan an der belgischen Küste, wo er gerne Urlaub macht, als Motiv entdeckt. Um die Bilder von Wind, Meer und Strand aber noch lebendiger wirken zu lassen „und greifbarer zu machen“, überlegt er, seinen Malstil zu variieren. Er steht also vor neuen Herausforderungen. Den Pinsel wird er wohl so schnell nicht aus der Hand legen.

Die nächste Ausstellung mit aktuellen Bildern von Jürgen Schmitz beginnt mit einer Vernissage am Freitag, 17. November, 20 Uhr in seiner Galerie, Ringstraße 21. Zu sehen sind die Bilder bis zum 10. Dezember. Weitere Infos und Öffnungszeiten unter www.juergen-schmitz.com.

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