Freunde und Förderer des Michaelsberges: "Der Berg ist die Seele der Stadt"

Freunde und Förderer des Michaelsberges : "Der Berg ist die Seele der Stadt"

Siegburgs Stadtarchivarin, Andrea Korte-Böger, ist die neue Vorsitzende der Freunde und Förderer des Michaelsberges.

Im Jahr 1948 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberges Siegburg gegründet. Ziel war es, das durch den Krieg stark zerstörte Kloster samt Kirche wiederaufzubauen.

Als die Benediktiner 2011 die Abtei aufgaben, ließ man die Vereinsarbeit vorerst ruhen, um die Entwicklung auf dem Michaelsberg abzuwarten. Mit dem Einzug der Unbeschuhten Karmeliten nahmen die Mitglieder ihre Aktivitäten wieder auf. Zunächst wurde die Satzung geändert, weil mit Ansiedlung des Katholisch-Sozialen Instituts die Zuständigkeit für das ehemalige Abteigebäude und damit der originäre Zweck des Vereins entfällt.

Auch an der Vereinsspitze gab es eine Veränderung. Konrad Machens legte den Vorsitz nach mehr als 16 Jahren nieder, zu seiner Nachfolgerin wurde die Siegburger Stadtarchivarin, Andrea Korte-Böger, gewählt. Über die neuen Aufgaben der Freunde und Förderer sprach Paul Kieras mit ihr.

Sie sind schon Geschäftsführerin des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis. Warum jetzt noch das Engagement bei den Freunden und Förderern des Michaelsbergs?
Andrea Korte-Böger: Ersteres bin ich aufgrund meines Amtes als Stadtarchivarin. Da dieser Verein sich natürlich um weitaus mehr Angelegenheiten als die in Siegburg und den Michaelsberg kümmern muss, sehe ich genau darin eine Chance, wenn ich mich hier zusätzlich einbringe.

Zeugt das auch von einem besonderen Verhältnis zur Stadt und seinem Wahrzeichen?
Korte-Böger: Natürlich, ich bin aus ganzem Herzen Siegburgerin. Bürgermeister Franz Huhn sagt immer: 'Das Herz der Stadt ist der Markt', ich frage weiter: 'Wo ist die Seele?' Und ich bin mir sicher, dass die der Michaelsberg ist. Meine Meinung teilt wohl der überwiegende Teil der Bevölkerung.

Mit dem Übergang des Abteigebäudes in das Eigentum des Erzbistums Köln ist der Hauptzweck, Wiederaufbau und Unterhaltung, entfallen. Wie sehen die neuen Herausforderungen aus?
Korte-Böger: In der Tat bestand die Arbeit des Vereins seit seiner Gründung in reiner Bauförderung und der Unterstützung des Wiederaufbaus. Mit der Satzungsänderung haben wir gleichzeitig beschlossen, unser Ziel auf drei Säulen zu stellen.

Wie sehen die im Einzelnen aus?
Korte-Böger: Eine der Säulen ist die Unterstützung des noch jungen spirituellen Lebens des Karmels Michaelsberg. Die indischen Ordensbrüder haben zwar in dem umgebauten ehemaligen Jugendhaus der Benediktiner ein wunderschönes Zuhause bezogen, es fehlt ihnen aber an der "spirituellen Ausrüstung", also an liturgischen Geräten, Figuren und Bildern, damit sie sich ihren Karmel heimisch gestalten können.

Gibt es schon konkrete Anschaffungen?
Korte-Böger: Gerade erst haben wir ihnen eine wertvolle Monstranz als Dauerleihgabe überlassen, die die Familie Gerd Heiliger ursprünglich einmal den Benediktinern zum Geschenk gemacht, aber bei den ersten Auflösungserscheinungen der Abtei zurückgefordert hatte, um sie vor einem etwaigen Verramschen zu schützen. Ferner lassen wir für die indischen Mönche zurzeit eine Figur der 'Maria vom Karmel', die ihnen vom Alexianerorden, Betreiber des 'Haus zur Mühlen', geschenkt worden ist, restaurieren.

Was umfasst die zweite Säule?
Korte-Böger: Auch die hat mit den indischen Patres zu tun, denn wir wollen deren heimischen Wurzeln in ihrem Heimatkloster in Indien gerecht werden. Beispielsweise durch die finanzielle Unterstützung verschiedener sozialer Projekte vor Ort in Indien.

Bleibt noch eine Säule übrig...
Korte-Böger: ... und eine ganz wesentliche. Wir wollen nämlich die zur Geschichte gewordene benediktinische Tradition lebendig erhalten. Dies geschieht beispielsweise durch Publikationen, Vorträge und auch Mitwirken an Tagungen.

Ist auch eine Art Museum geplant?
Korte-Böger: Das ehemalige Abteimuseum auf dem Michaelsberg kann aus bau- und feuerschutzrechtlichen Gründen nicht weiter betrieben werden. Das Stadtmuseum zeigt wiederum nur eine kleine Auswahl, die Bezug zur langen Geschichte der Benediktiner hat, vorwiegend Zeugnisse aus der Zeit der Stadtgründung.

Als das Museum auf dem Berg noch existierte, reichte das aber auch. Eigene Ausstellungsräume wären natürlich großartig, aber die zu finden und vor allem zu finanzieren, dürfte schwer fallen.

Zur Person

Geboren wurde Andrea Korte-Böger 1953 in Wuppertal. Sie absolvierte ein Jura-Studium in Marburg, nach dem 1. Staatsexamen folgte die Promotion in Deutscher Rechtsgeschichte. Anschließend beteiligte sie sich am Projekt "Verzeichnung der Reichskammergerichtsakten in deutschen Archiven" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dann kamen Referendariat für den wissenschaftlichen Archivdienst und 2. Staatsexamen als Archivassessor (Arch. Ass). Nach einem Forschungsauftrag beim Land Rheinland-Pfalz ist sie seit 1984 Stadtarchivarin der Stadt Siegburg. Sie hat 127 Aufsätze und/oder Bücher veröffentlicht sowie 116 Vorträge gehalten und/oder Veranstaltungen geleitet.

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