Kennzeichen SU mit Kreisdechant Thomas Jablonka: „Der Anzug ist uns zu groß geworden“

Kennzeichen SU mit Kreisdechant Thomas Jablonka : „Der Anzug ist uns zu groß geworden“

Kreisdechant Thomas Jablonka ist seit Anfang des Jahres für die 300.000 Katholiken im Rhein-Sieg-Kreis zuständig. In der Serie "Kennzeichen SU" erzählt er, warum sich die Kirche in der Region schlanker aufstellen und ihre Dekanate auflösen muss.

Kennzeichen SU? Noch nicht! An dem Wagen von Pastor Thomas Jablonka steht nach wie vor „GM“ auf dem Nummernschild, für Oberbergischer Kreis. Ein Relikt aus seiner Zeit in Wipperfürth, von wo der Geistliche Anfang des Jahres nach Siegburg gezogen ist. Jablonka fasst sich an die Stirn. „Zum Ummelden bin ich noch gar nicht gekommen – eigentlich peinlich.“ Zu viel hat der 50-Jährige zu tun, als Leitender Pfarrer von Sankt Servatius in Siegburg, aber auch als Kreisdechant. Die Kirchenlandschaft ist im Umbruch, es stehen Umstrukturierungen an: So werden zum Jahreswechsel im Rhein-Sieg-Kreis wie überall im Erzbistum Köln die Dekanate aufgelöst. Statt der kreisweit sieben Dekanate gibt es nur noch das Kreisdekanat unter Leitung Jablonkas, der so als Mittler zwischen der kirchlichen Basis und dem Erzbistum fungiert. Zum Kreisdekanat zählen rund 300.000 Katholiken zwischen Rheinbach, Bad Honnef und Windeck.

Thomas Jablonka sitzt an seinem Schreibtisch im Siegburger Pastoralamt. Hinter ihm: Papstporträts von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Vor ihm: eine Schale mit Schokokugeln. Er ist eloquent und zugewandt, man ist mit ihm schnell im Gespräch. Zum Beispiel über kirchliche Strukturen. Ein unpopuläres, gleichwohl allgegenwärtiges Thema vor dem Hintergrund des Priestermangels und schrumpfender Gemeinden. „Der Anzug, den wir tragen, ist zu groß. Wir haben abgenommen“, sagt Jablonka, den das Thema in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Bei ihm in Siegburg steht demnächst die Diskussion an, welche Kirchenräume in Zukunft noch betrieben werden sollen; im Falle der Krankenhauskapelle, die auf dem Prüfstand steht, bekam er bereits Gegenwind aus der Gemeinde zu spüren.

Reform der Dekanate kommt zum Jahreswechsel

Im Erzbistum werden mittelfristig die Rendanturen – die Finanzverwaltung der Gemeinden – neu aufgestellt. Und bereits zum Jahreswechsel kommt die Reform der Dekanate. In den Dekanaten sind bislang mehrere Seelsorgebereiche gebündelt, es gibt verschiedene Gremien unter Beteiligung von Laien. An der Spitze steht der Dechant, er kommt aus dem Kreis der örtlichen Pfarrer. Diese Ebene, die je nach Gegend mal mehr und mal weniger mit Leben gefüllt wird, entfällt. Was an ihre Stelle rückt, muss noch definiert werden. Diese Woche treffen sich die noch amtierenden Dekanatsratsvorsitzenden, um das Thema zu beraten.

„Einige Dekanate, wie zum Beispiel Rheinbach/Meckenheim, funktionieren sehr gut“, berichtet Jablonka. Derartiges Engagement solle erhalten bleiben, unabhängig von Bezeichnungen und Zuständigkeiten. „Wir wären ja blöd, wenn wir die Menschen daran hindern würden, etwas Positives auf die Beine zu stellen.“

Von den schlankeren Strukturen erhofft sich Jablonka aber auch, dass mehr Kapazität für die Arbeit in den Gemeinden frei wird: sowohl für die karitative Arbeit als auch für die Glaubensverkündigung als auch für die gottesdienstliche Arbeit. „Wie das alles im Einzelnen funktionieren wird – das weiß ich selbst noch nicht“, sagt er. Für die Kirche sei es eine neue Situation und zugleich eine Gratwanderung. Einerseits sollen Angebote vor Ort erhalten bleiben, sind sie doch wichtig für die Identität einer Gemeinde. Andererseits müssen die Seelsorgebereiche mit immer weniger Priestern auskommen. Die Einheiten werden größer, Wege länger. Wer soll wo eine Messe zelebrieren? Wird es alternativ mehr Wortgottesdienste geben, für die man keinen Pfarrer braucht? Letzteres ist für Jablonka eine Option, notgedrungen. Doch darf sie in seinen Augen nicht dazu führen, dass das Wesentliche verloren geht: „Das ist die Eucharistiefeier. Wo wir keine Messe feiern, zerfallen Gemeinden.“

Bindung zur Kirche geht verloren

Gleichzeitig geht die Bindung zur Kirche weiter verloren. Jablonka und seine Kollegen merken das etwa, wenn sie von aktuellen Kirchenaustritten Kenntnis bekommen. „In vielen Fällen sind diejenigen uns gar nicht bekannt.“ Die Gemeinden verschicken dann Briefe mit Gesprächsangeboten, doch werden diese so gut wie nie angenommen. Was tun? „Ein Riesenproblem“, räumt Jablonka ein. Das Image der Kirche sei schlecht, viele Menschen voreingenommen. „Wir können nur Angebote machen, müssen da sein für die Menschen.“ Offene Anlaufstellen wie Trauercafés oder der Treffpunkt am Markt in Siegburg seien richtige Ansätze.

Jablonka greift nach einer der Schokokugeln auf dem Tisch und entblättert sie langsam. Er kommt ins Erzählen. Geboren in Grevenbroich, fasste er früh den Entschluss, Priester zu werden. Nach dem Studium in Bonn wurde er 1992 Diakon in Bad Honnef und Rhöndorf. „Eine kurze, aber wunderschöne und prägende Zeit.“ Der damalige Pfarrer Franz Lurz beeinflusste ihn mit seiner Idee des offenen Pfarrhauses und seiner Lebenskultur. Das habe er an seinen späteren Stationen in Neuss und in Wipperfürth umgesetzt und wolle es auch so in Siegburg halten.

Mit Sankt Servatius hat er eine selbstbewusste Gemeinde übernommen. Aber auch er ist selbstbewusst. Er sei rheinisch-katholisch, hat er bei seiner Einführung gesagt. Was er damit gemeint habe? Eine Anspielung aufs Rheinische Grundgesetz? Nein, dieses Klischee wolle er nicht bemühen. Leichtigkeit und Lockerheit gehörten dazu, sagt er nach kurzem Überlegen. Und: „Freude – Freude am Katholisch sein.“