Depression: Café Leuchtturm in Siegburg hilft betroffenen Menschen

Hilfsangebot im Rhein-Sieg-Kreis : Siegburger Café Leuchtturm hilft Menschen mit Depression

Gerade in der dunklen Jahreszeit sind Menschen anfälliger für depressive Verstimmungen. Wir haben das „Café Leuchtturm“ in Siegburg besucht, das eine Anlaufstelle für Menschen mit Depression ist.

Im Winter ist es immer am Schlimmsten. Gerade in den letzten Wochen vor Weihnachten. Dann fühlt sich Rebecca Rudde besonders einsam. Etwa, wenn sie glückliche Familien auf dem Weihnachtsmarkt sieht. Wenn verliebte Pärchen lachend im Café sitzen. Wenn sie sich fragt, ob sie Heiligabend wohl erneut alleine verbringen wird. Vor zehn Jahren ist die 43-Jährige an Schizophrenie und Depression erkrankt. Während es ihr im Sommer jedes Jahr verhältnismäßig gut geht, kommt die depressive Störung in der dunklen Jahreszeit umso heftiger zurück.

Der Deutschen Depressionshilfe zufolge sind bundesweit aktuell 5,3 Millionen Erwachsene an einer Depression erkrankt. Das entspricht in etwa 8,1 Prozent der Einwohner über 18 Jahre. Die Tendenz ist steigend. Bis zum Ende des Jahres 2020 werden Depressionen oder affektive Störungen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Krankheit sein.

Fallzahlen von Menschen mit Depression steigen

Dass die Fallzahlen steigen, liegt laut Bundesgesundheitsamt zum einen daran, dass depressive Störungen vor einigen Jahren noch weniger häufig von Hausärzten erkannt wurden. Doch auch der Leistungsdruck in der Gesellschaft steige. „Wir haben ein gewisses Bild davon, was ein Mensch heutzutage zu leisten hat“, sagt Liisa List, Leiterin des Sozial-Psychiatrischen Zentrums (SPZ) des Arbeiter-Samariter-Bundes Bonn/Rhein-Sieg/Eifel. Wer mit diesem Druck nicht zurechtkomme, falle leicht durchs Raster.

„Eine Depression kann jeden in unserer Gesellschaft treffen“, betont List. Manchmal trete die Erkrankung temporär auf, ausgelöst etwa durch den Tod eines geliebten Menschen, finanzielle Nöte oder eben auch Stress im Berufsalltag. Manchmal halte die Störung allerdings auch mehrere Jahre lang an.

Für Betroffene im Rhein-Sieg-Kreis gibt es unzählige Hilfsangebote. Eines davon ist das „Café Leuchtturm“ im Sozial-Psychiatrischen Zentrum (SPZ) in Siegburg. Dort können sich Besucher bei Kaffee und Kuchen austauschen und erste Gespräche mit Psychologen führen. „Wir bieten ein niederschwelliges Angebot für alle Personen, die Hilfe benötigen“, sagt List. „Viele treten über das Café erstmalig mit uns in Kontakt.“ Die Mitarbeiter des SPZ hören sich Sorgen an und helfen bei kleinen und großen Problemen im Alltag.

Im Rhein-Sieg-Kreis ist das Gesundheitsamt einer der Kostenträger für die Angebote der vier Sozial-Psychiatrischen Zentren in der Region. Diese befinden sich in Rheinbach, Troisdorf, Siegburg und Eitorf. Hilfe erhalten Betroffene ebenfalls bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Kreises in Troisdorf.

Gerade zur dunklen Jahreszeit seien Menschen anfälliger für depressive Verstimmungen, teilt das Presseamt des Kreises auf Anfrage mit. Schuld daran sei das fehlende Tageslicht. „Denn wenn es dunkel ist, kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Melatonin, das unseren Schlaf steuert“, so Pressesprecherin Alexandra Wellner. Konsequenzen sind mitunter Antriebslosigkeit und eine permanente Müdigkeit.

Café Leuchtturm hilft Menschen mit Depression im Rhein-Sieg-Kreis

Im Winter fällt es auch Rebecca Rudde jeden Morgen schwer, aus dem Bett aufzustehen. Das „Café Leuchtturm“ ist für sie deswegen ein fester Anlaufpunkt geworden. Zwei bis dreimal pro Woche kommt sie vorbei. Sie lebt alleine und hat keine Familie, die sich um sie kümmert, wenn es ihr schlecht geht. Auch ihre Freunde haben besonders vor Weihnachten wenig Zeit für sie. Im Café findet sie Anschluss. „Hier wird mir Verständnis entgegengebracht“, sagt die 43-Jährige. Auslöser für ihre psychische Erkrankung war der Tod ihrer Großmutter, zu der sie ein enges Verhältnis hatte. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Rudde heute. Seitdem habe sie nie wieder richtigen Halt gefunden.

Der Weg bis zur Diagnose verlief bei der Siegburgerin ohne größere Probleme. Weil sie als junge Erwachsene ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Psychiatrie absolvierte, erkannte sie ihre depressive Erkrankung und auch die Schizophrenie schnell selbst. „Die Ärzte brachten mir damals viel Feingefühl entgegen“, sagt Rudde.

Eben jenes Feingefühl sei jedoch keine Selbstverständlichkeit, findet Liisa List vom Siegburger SPZ. „75 Prozent aller Deutschen durchleben mindestens einmal in ihrem Leben eine depressive Krise“, betont die 42-Jährige. Trotzdem befinde sich das Thema Depression immer noch in einer gesellschaftlichen Tabuzone. Das bestätigt auch Wilhelm Peter Hornung, Vorsitzender des regionalen Bündnisses gegen Depression Bonn/Rhein-Sieg, dem auch das Kreisgesundheitsamt angehört. Das Bündnis hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gesellschaft verstärkt über Depression zu informieren. „Vielen Patienten wird mangelnde Akzeptanz entgegengebracht“, erklärt Hornung.

Der Austausch ist für viele der Betroffenen wohl das Wichtigste. Im „Café Leuchtturm“ kommen die Besucher teilweise über Jahre hinweg wieder. Dabei sind bereits einige Freundschaften entstanden. „Wir bieten eine Struktur im Alltag, etwas, für das es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen“, sagt List. „Hier wird gemeinsam gelacht und geweint.“ Und das Café stehe jedem offen. Jederzeit. Niemand müsse alleine mit seiner Krankheit leben.