Interview mit Bahnexperte Rainer Bohnet: „DB Cargo betreibt keine Akquise“

Interview mit Bahnexperte Rainer Bohnet : „DB Cargo betreibt keine Akquise“

Warum spielt der Schienengüterverkehr für die Wirtschaft im Kreis kaum eine Rolle? Der Bonner Bahnexperte Rainer Bohnet meint, dass eine Liberalisierung des Gütersektors Chancen für die Unternehmen birgt.

Die Zahl der Betriebe im Kreis, die einen Bahnschluss nutzen, ist gering. Wie kommt's?

Rainer Bohnet: Ein Grund ist sicherlich die Haltung der Deutschen Bahn. Die DB Cargo betreibt bei den Unternehmen überhaupt keine Akquise. In Troisdorf war ein Umschlagplatz für den regionalen Güterverkehr. Der wurde nach Köln verlagert. Der Knotenpunkt in Euskirchen soll 2017 aufgegeben werden. So verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für potenzielle Kunden. Zubringerfahrten werden länger und damit teurer.

Ist die Straße für die Unternehmen inzwischen wirtschaftlicher als der Schienentransport?

Bohnet: Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Automobil- und die Chemieindustrie setzten sehr konsequent auf die Bahn – das zeigt sich ja auch im Kreis. Aufgeschlossen waren traditionell auch die mittelständischen Indus-triebetriebe. Nur: Wo gibt es die noch? Entscheidungen über die Logistik werden irgendwo auf Konzernebene getroffen, nicht vor Ort.

Wo könnten Anreize liegen, mehr Güter über die Schiene zu transportieren?

Bohnet: Der Bund fördert die Reaktivierung alter und den Bau neuer Gleisanschlüsse. Nur leider ist dieses Programm wenig bekannt. Auch die Liberalisierung des Gütersektors birgt Chancen für die Unternehmen. Nur ist das ein sehr komplexes Metier, mit dem sich viele gar nicht erst auseinandersetzen.

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