Mehr Party, weniger Jahrmarkt: Das waren die Höhepunkte beim Stadtfest in Siegburg

Mehr Party, weniger Jahrmarkt : Das waren die Höhepunkte beim Stadtfest in Siegburg

Zehntausende Besucher feiern drei Tage in der Kreisstadt. Als Volltreffer erweist sich das musikalische Programm mit mehr als 80 Bands. Das neue Konzept findet durchweg Zustimmung unter den Besuchern.

Durchweg positiv war die Resonanz auf das 39. Stadtfest, das erstmals von der Stadt in Eigenregie organisiert worden war. „Aufgeräumter und sortierter“ beschrieb beispielsweise Elisabeth Neumann ihren Eindruck. Ausdrücklich begrüßte sie, dass die Siegburger Vereine wieder verstärkt mit eingebunden waren. Zusammen mit zwei Kolleginnen vertrat sie in einem der Pagodenzelte auf der „Blauen Meile“ am Hühnermarkt den Verein „Eine-Welt-Markt“, der fair gehandelte Ware anbot. Auch Maria Bauer, die das Tambourcorps „In Treue fest“ in einem Zelt gegenüber präsentierte, fand die Entscheidung, die Vereine wieder mehr zu beteiligen, richtig. „Die Stadt wird geprägt von ihren Vereinen“, betonte die Flötistin. Sie freute sich, dass ihr Musikverein die Möglichkeit hatte, für seine Musik zu werben und vielleicht neue Mitglieder zu gewinnen.

Jürgen und Anita Braun waren ganz angetan davon, dass die riesige Open-Air-Veranstaltung in farblich markierte Meilen mit Schwerpunktthemen eingeteilt war. „Man kann gezielt nach seinen Interessen auswählen und muss sich nicht in einem Sammelsurium zurechtfinden“, so der Troisdorfer, der jedes Jahr am Stadtfest teilnimmt. „Ich habe auch den Eindruck, dass die einzelnen Stände etwas luftiger gestellt sind als in den Vorjahren und man trotz der Menschenmassen relativ zügig vorankommt“, fuhr er fort. Begeistert zeigte sich Karl-Heinz Boß, Präsident der Husaren Grün Weiß, über das neue Konzept, dass er „super“ nannte. Die Resonanz der Besucher sei deutlich größer als in den Vorjahren. Das liege sicher auch daran, dass „mehr Party und weniger Jahrmarkt“ geboten werde. Da die Bühne an der Kaiserstraße in diesem Jahr quer errichtet worden sei und man darauf zulaufe, habe die obere Kaiserstraße „Dorfplatzcharakter“ im positiven Sinn. Neben der Bühne am Marktplatz sei die Bühne auf Siegburgs größter Einkaufsstraße zu einem weiteren Publikumsmagneten geworden.

Kaiserstraße wird zum Publikumsmagneten

Für Peter Stangier, Spieß bei den Siegburger Funken Blau-Weiß, die traditionell am oberen Markt vertreten sind, ist das neue Konzept ein Weg „zurück zu den Wurzeln“. Denn alles habe auf Initiative von Vereinen vor 39 Jahren begonnen. Freude herrschte bei Besuchern und Ausstellern, dass die Holzgasse wieder Teil der Partymeile war. „So eine historische Straße gehört dazu“, erklärte Lazaros Tsapanidis vom Restaurant Sirtaki. In den vergangenen Jahren habe er beim Stadtfest immer ganz allein mit Musik für etwas Leben in der Holzgasse gesorgt. Großen Anklang fand bei den Besuchern ein Gemeinschaftsstand der Buchhandlung R² der Gebrüder Remmel zusammen mit Steinmetz Markus Weisheit und Künstler Volker Brehme am Anfang der Holzgasse. Paul und Andreas Remmel boten Lesungen von Siegburger Autoren und ausschließlich Bücher von Siegburger Autoren oder mit Bezug zur Kreisstadt. Volker Brehme animierte Passanten, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Ebenso wie Markus Weisheit. Bei ihm konnte man mit Hammer und Meißel an einem Stein das Gefühl für Bildhauerei kennenlernen. Willi, Claudia und Sohn Niclas Jansen wollten nur kurz schauen, fanden aber Gefallen daran und blieben über eine Stunde.

Mitmach-Aktionen begeistern die Besucher

„Man geht immer nur an den Buden vorbei, aber ich finde es cool, dass man hier mitmachen kann“, sagte Claudia Jansen. Als Volltreffer erwies sich das musikalische Programm mit über 80 Bands, das den Bogen von Balkanpop über Rock und kölsche Mundart bis zu Jazz und Blues spannte. So herrschte nicht nur vor der Hauptbühne auf dem Markt Gedränge, sondern auch an den anderen Spielstätten, wo in der Vergangenheit oft gähnende Leere ein trostloses Bild abgab. Für jeden war etwas dabei.

Das gefiel auch Eva Breunig, die nachmittags mit Tochter Lucy und Sohn Felix vor allem die Angebote für Kinder nutzte, zu dem traditionell eine Fahrt auf dem historischen Riesenrad gehörte. „Tagsüber bummel ich mit den Kindern über das Fest, abends gibt es dann Cocktails für die Erwachsenen“, verriet sie. Immer wieder war zu hören, dass in diesem Jahr eine besondere Atmosphäre herrschte. „Man merkt, dass es – wie angekündigt – wieder ein Fest von Siegburgern für Siegburger ist“, meinte Marc Emster stellvertretend für viele.

Und sogar Gänsehautmomente gab es. Als nämlich am Sonntagmorgen beim Interkulturellen Gebet mit DITIB, Evangelischer und Katholischer Kirche alle zusammen das Lied „Unser Stammbaum“ von den Bläck Fööss anstimmten.

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