Sanierung bei laufendem Betrieb : So laufen die Arbeiten im Siegburger Kreishaus

Der grüne Teppichboden von 1977 zeigt, wo im Kreishaus noch Arbeiten zum Brandschutz anstehen

In der zehnten Etage ist die Welt schon in Ordnung. Das Büro von Svenja Udelhoven riecht nach Neubau. Der graue Teppichboden ist makellos, die Decke mustergültig. Die Kämmerin und Stellvertreterin des Landrats gehört zu jenen, die ihren doppelten Umzug innerhalb des Kreishauses in Siegburg schon hinter sich hat. „So eine umfangreiche Sanierung in laufendem Betrieb ist nicht einfach und fordert sowohl von den Besuchern als auch von unseren Mitarbeitern eine Menge ab“, sagt Udelhoven. Aber nach mittlerweile fünf Jahren habe sich vieles doch eingespielt, ergänzt Tim Hahlen. Der Amtsleiter für Gebäudewirtschaft ist zwar Jurist, hat sich mit dem Großprojekt aber mittlerweile zu einem richtigen Baufachmann entwickelt. Das merkt jeder, der mit Hahlen durch die Baustellenetagen geht, während er jedes kleine Detail in den Sanierungsarbeiten erläutert.

Ursprünglich war für die Sanierung des Kreishauses eine Bauzeit von vier Jahren von 2014 bis 2017 veranschlagt worden. Doch es kam bekanntlich anders. 2015 ging die Imtech Deutschland pleite, die für die Gewerke Sanitär und Kälte zuständig war. Dann musste sich die Kreisverwaltung von einem Trockenbauer trennen, „weil das nicht so funktioniert hat“, wie Udelhofen vorsichtig formuliert. Ende 2017 gab es die nächste Überraschung: Arbeiter fanden Asbest in einer Spachtelmassen unter dem Estrich. Folge: Schadstoffsanierung und Verzögerung der folgenden Gewerke. Zudem komme hinzu, so Hahlen, dass Ausführungszeiten für bestimmte Arbeiten an die Dienstzeiten der Mitarbeiter und die Besucherzeiten angepasst werden müssen. „Sie können ja nicht beliebig Stemmarbeiten durchführen“, so Hahlen.

Jetzt gehen Udelhoven und Hahlen davon aus, dass ab Mai 2021 alle 1100 Mitarbeiter im sanierten Kreishaus arbeiten. Der siebte von neun Bauabschnitten steht kurz vor dem Abschluss. Die Kosten haben sich seit 2013 auch verändert. Nach oben. Damals hatten externe Planer rund 34 Millionen Euro für die Gesamtsanierung veranschlagt. Jetzt soll die Abschlussrechnung bei rund 51 Millionen Euro liegen.

Die Kostensteigerung hänge auch mit etlichen zusätzlichen Arbeiten und Umplanungen zusammen, erläutert Udelhoven. „Der Brandschutz ist eine Sache, aber wenn wir schon dabei sind, alles aufzumachen, dann nutzen wir das auch dafür, etwa die IT-Verkabelungen zu erneuern, die sind schon 30 Jahre und älter ist, oder Leuchtstoffröhren gegen LED-Lichter zu wechseln. Auch marode Abwasserleitungen gilt es zu erneuern“, so Hahlen.

Gleichzeitig wird das Raumprogramm an veränderte Bedingungen angepasst. „Allein für die IT brauchen wir wesentlich mehr Platz als vor 35 Jahren“, erklärt Udelhoven. „Im Ausländeramt gibt es beispielsweise auch neue Anforderungen. Dort richten wir ein Back- und Frontoffice ein, und es gibt Anforderungen an die Sicherheit.“ Diese Anpassungen schlagen mit knapp zwei Millionen Euro zu Buche. Honoraranpassungen liegen in etwa in gleicher Höhe, die Bauzeitverlängerung wird wohl am Ende etwa 2,3 Millionen Euro ausmachen, die Interimslösung kostet eine Million Euro. 

In den Etagen 4 und 5 sieht es noch so aus wie 1977. Da liegt immer noch der grüne Teppichboden. „Interimsbereich“ nennen Udelhoven und Hahlen diese Stockwerke, weil dort jeweils die Ämter einziehen, deren Bereiche gerade saniert werden. Sobald ihre Etage fertig ist, ziehen sie wieder zurück. „Die packen ihre Kartons, die über Nacht in die neuen Räume gebracht werden. Über Nacht erfolgt auch die Umstellung der Computer, sodass sie am nächsten Morgen ohne Verzögerung gleich weiterarbeiten können“, so Hahlen.

Einzig die rund 140 Kolleginnen und Kollegen des Sozialamts und der Verkehrssicherung sind für die gesamte Dauer der Sanierungszeit in den TechnoPark nach Sankt Augustin ausgelagert worden. „Die haben so viel Kundenverkehr, dass wir das weder den Mitarbeitern noch den Bürgerinnen und Bürgern zumuten wollten“, so Udelhoven.

Im Baustellenbereich hängen Kabel von der Decke, die Metallverstrebungen der Zwischenwände stehen blank auf dem nackten Beton. Hahlen zeigt auf die Rahmenprofile unter der Decke. „Die Profile und die Platten der abgehängten Decke müssen nach den neuen Vorschriften im Falle eines Brandes 90 Minuten halten, damit die abstürzenden Kabel nicht die Fluchtwege versperren“, sagt Hahlen. In einem noch im Bau befindlichen Büro zeigt er auf Schächte, durch die Haizungsrohre führen. „Diese Stellen müssen so abgeschottet werden, damit kein Rauch in andere Etagen steigen kann“, so Hahlen. Im Betonboden nebenan werden Schlitze für die spätere Verkabelung gefräst. „Es sind Unmengen von Details, die wir bei der Sanierung berücksichtigen müssen. Gleichzeitig wollen wir aber auch einige Dinge angehen, die dringend notwendig sind, wie etwa die Einrichtung von Behindertentoiletten“, erklärt er.

Dass der Kreistag kürzlich beschloss, das Kreishaus solle bis 2025 klimaneutral sein, sehen Udelhoven und Hahlen gelassen. Udelhoven: „Wir beziehen seit fünf Jahren Ökostrom und haben Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Das sollte also kein Problem sein.“

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