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Meist barfuß unterwegs: Das ist der Drechsler vom Siegburger Mittelaltermarkt

Meist barfuß unterwegs : Das ist der Drechsler vom Siegburger Mittelaltermarkt

Marian Büsch, der Drechsel auf dem Siegburger Mittelaltermarkt, empfindet Schuhe als beengend. Deshalb läuft der 26-Jährige meist barfuß. Nur wenn er lange im Kalten und Nassen stehen muss, zieht er Schuhe an.

Manch einem Siegburger mag bei der Eröffnung des Mittelaltermarkts zur Weihnachtszeit der Drechsler ins Auge gefallen sein: Barfuß lief er über den Marktplatz und ließ sich von der Kälte und dem Regen nicht abschrecken. Ob die nackten Füße Teil seines mittelalterlichen Kostüms waren, haben sich einige Besucher gefragt.

Marian Büsch ist zwar sehr engagiert auf dem Weihnachtsmarkt und lebt seine mittelalterliche Rolle des Drechslers voll aus, doch das Barfußlaufen gehört nicht zu seiner Verkleidung. Das macht er schon seit einigen Jahren, egal zu welcher Jahreszeit. „Ich bin vor drei Jahren einen Sommer lang barfuß gelaufen, weil ich einfach keine Lust mehr auf meine Schuhe hatte und mir die Verbindung zur Erde wichtig war“, berichtet der 26-Jährige. Nach dieser Erfahrung hat er sich dazu entschlossen, auch im Winter keine Schuhe zu tragen. Die Füße würden die Kälte aushalten, wichtig seien nur seine Wollstulpen, die ihm bis zu den Knöcheln gehen. „Die habe ich immer an, damit das Blut in den Füßen nicht zu sehr abkühlt.“

Verletzungen kommen gelegentlich vor

Seitdem er barfuß durch den Alltag läuft, sei Büsch viel aufmerksamer, da er mehr darauf achten muss, wo er hintritt. Denn verletzt hat er sich schon oft. Bei seinem schlimmsten Erlebnis ist er in den Dorn einer Schlehe getreten, der monatelang im Fuß blieb. Die Ärzte im Krankenhaus konnten den Dorn nicht finden, sodass Büsch sich weiterhin barfuß fortbewegte, bis der Dorn sich eines Tages von allein aus dem Fuß befreite. Auch in Scherben ist der 26-Jährige schon öfter getreten. „Die sind unangenehm, aber man bekommt sie schnell wieder raus. Das passiert eben.“

Für das befreiende Gefühl beim Laufen nimmt der 26-Jährige die gelegentlichen Verletzungen hin. „Ich liebe es einfach, es ist ein wunderbares Gefühl, einfach unglaublich. Meine Füße fühlen sich frei und wohl an.“ Außerdem sei Büsch weniger krank und seine Lebensqualität habe sich verbessert. Das Gefühl von frischer Erde oder gefallenem Laub im Herbst unter seinen Füßen gefällt dem 26-Jährigen. Er ist gerne in der Natur, im Wald und auf Wiesen unterwegs und arbeitet auch in seinem Gärtnereibetrieb meistens barfuß.

„Meine Freundin sagt immer, dass ich 50 Cent für jede Frage nach meinen Füßen nehmen sollte. Dann wäre ich schon reich“, erzählt er lachend. Seine Freunde seien die nackten Füße schon gewohnt und sehen ihn auch bei Feiern meist barfuß. In Geschäfte geht er auch ohne Schuhe. „Ich hatte ein einziges Mal eine schlechte Erfahrung in einem Bioladen in München. Da wurde ich rausgeschmissen, weil meine Füße angeblich zu dreckig waren. Dabei sind Schuhe genauso dreckig“, erklärt Büsch.

Zum Mittelaltermarkt in Siegburg kommt er selbstverständlich auch barfuß. Doch hat er sich nach der Eröffnung des Marktes dazu entschieden, in Zukunft lieber Schuhe zu tragen. „Ich ziehe sie an, sobald ich ankomme, denn wenn ich lange stehe, gerade auf nassem Boden, werden die Füße schnell kalt. Ich möchte natürlich auch nicht krank werden. Deshalb komme ich barfuß hierhin und ziehe nach der Arbeit wieder meine Schuhe aus“, sagt Marian Büsch. Denn diese seien für ihn nur eine Beengung, die an den Füßen drückt.