Viertel am ICE-Bahnhof: Das Haufeld in Siegburg soll ein neues Gesicht erhalten

Viertel am ICE-Bahnhof : Das Haufeld in Siegburg soll ein neues Gesicht erhalten

Das Viertel am Siegburger ICE-Bahnhof ist unscheinbar, hat aber Potenzial. Dort sollen Wohn- und Gewerbekomplexe entstehen. Drei Planungsbüros haben ihre Entwürfe vorgestellt.

Das Haufeld gehört zu den unscheinbaren Ecken Siegburgs. Und doch hat die Gegend Potenzial: Sie liegt genau zwischen Innenstadt und ICE-Bahnhof, und es gibt noch freie Flächen. Für die Neugestaltung liegen jetzt die ersten Entwürfe auf dem Tisch.

Drei Planungsbüros haben ihre Vorstellungen von einem Masterplan zu Papier gebracht, wobei Bürgervorschläge aus der Ideenschmiede im September eingeflossen sind. Die Ergebnisse präsentierten die Planer am Montag im Planungsausschuss und in einer Bürgerversammlung im voll besetzten Stadtmuseum. Alle Pläne laufen auf einen Mix von Wohnen und Gewerbe hinaus.

Das 8,5 Hektar große Gebiet, das die Stadt aufwerten möchte, liegt zwischen dem Bahnhof, der Bahnlinie, der Von-Stephan-Straße und der Wilhelmstraße. Dort gibt es heute sowohl Gewerbe als auch Wohnhäuser, etwas Gastronomie, weitläufige Parkplätze sowie die nicht mehr benötigte Hauptschule Innere Stadt. Der Masterplan soll diesem Areal ein neues Gesicht geben.

Er ist nicht mit einem Bebauungsplan zu verwechseln, sondern zunächst nur eine Ansammlung von Ideen. Die Planer und Landschaftsarchitekten haben sich mal mehr, mal weniger an der bestehenden Struktur orientiert. Die realen Grundstücksverhältnisse waren dabei zweitrangig. „Sinn und Zweck eines Masterplans ist es, freies Denken zuzulassen“, sagte die Technische Beigeordnete Barbara Guckelsberger. Der Stadt gehören in dem Gebiet lediglich ein Parkplatz und die alte Hauptschule, die abgerissen werden soll.

„Grüne Mitte“ als Herzstück

Die drei Planungsbüros haben sich dem Haufeld aus sehr unterschiedlichen Perspektiven genähert, mit verschiedenen Ansätzen und Philosophien. „Wir wollen ein Viertel mit eigenem Charakter schaffen“, sagte Planer Christian Heuchel, der den Entwurf von O&O-Baukunst präsentierte. „Herzstück ist eine grüne Mitte mit Wasserbecken.“

Diese Fläche wird laut Plan durch ein Stadthaus (für gesellschaftliche Aktivitäten) und ein Mobilitätshaus (als Zentrale für innovative Mobilitätsformen) eingegrenzt. Drumherum: mehrgeschossige Häuserkomplexe, die sowohl für Wohnen als auch für Büronutzung denkbar sind. Straßen sind bei diesem Entwurf als Shared Space angelegt, das heißt, alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt.

In „kräftiger“ Form, so Heuchel, könnte das Gebiet dann durch einen Gewerberiegel entlang der Bahnstrecke seinen Abschluss finden. Dieser Baukörper wirkt zugleich als Schallschutz – ein Ansatz, den auch die anderen Planungsbüros verfolgten, ebenso wie den Erhalt von Denkmälern, die Einrichtung von Grünzonen und die Verkehrsberuhigung. Die Autos sollen überwiegend in Tiefgaragen verschwinden. Die maximalen Geschosshöhen liegen bei den Entwürfen zwischen fünf und acht Stockwerken.

Historische Struktur als Grundlage

Professor Peter Jahnen (HJP Planer) betonte bei seinem Entwurf die historische Struktur Siegburgs: „Alle Straßen laufen auf den Michaelsberg zu, das wollen wir beibehalten“, sagte er. Und doch gelte es, „eine neue Adresse zu formulieren“. Hässlich findet er die Industriestraße parallel zur Bahnlinie: „Da fahren jeden Tag 40 000 bis 60 000 Menschen mit dem Zug vorbei – das ist der Eindruck, den sie von Siegburg bekommen.“

Deshalb schlug er vor, gerade dort Bäume zu pflanzen, um eine schönere Kulisse zu bieten. Insgesamt würde das Gebiet verschiedenste Möglichkeiten zulassen, so der Planer: Für Wohn- und Gewerbekomplexe präsentierte Jahnen flexible Varianten von kleinteilig bis großräumig, die am Ende von der Nachfrage abhängig sind.

Matthias Rottmann vom niederländischen Büro „De Zwarte Hond“ nahm besonders das Thema Wirtschaft und Gewerbe in den Blick. Die Nähe zum ICE-Bahnhof sei dafür geradezu ideal. Sein Entwurf versucht, der Arbeitswelt von morgen Rechnung zu tragen. Wohnen und Gewerbe sind vielfach miteinander kombiniert. „Work-and-Home-Quartier“ heißt einer dieser Ansätze.

Huhn: "Gedankenspiele" für die Zukunft

Neben Büros soll aber auch das produzierende Gewerbe Platz finden: „Auch solche Betriebe suchen heute urbane Strukturen“, so Rottmann. Freilich soll es sich um nicht störendes Gewerbe handeln. Folgerichtig heißt eine größere Freifläche im Entwurf „Businessplatz“. Eine Frage, die einige Anwohner umtrieb: Was wird aus den bestehenden Wohnhäusern? Müssen sie weichen? Nein, sagte Bürgermeister Franz Huhn: „Keine Sorge, keiner denkt daran, irgendein Häuschen abzureißen.“

Die Entwürfe seien flexibel. Er regte aber an, sich auf die Gedankenspiele einzulassen. Und zog dabei eine historische Parallele: Vor dem Bau des Kaufhofs 1973 hätten sich auch mehrere Grundstückseigentümer zum Verkauf entschieden, „weil man zu dem Schluss gekommen war, dass das eine gute Sache für Siegburg ist“. Der Planungsausschuss nahm die Entwürfe zur Kenntnis. Die erste Beratung ist für den 26. Juni vorgesehen.

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