Sieghochwasser: BUND vermisst Überflutungsreserven

Sieghochwasser : BUND vermisst Überflutungsreserven

Überflutete Keller, zerstörte Häuser, ganze Städte, die unter Wasser stehen - die Bilder des Hochwassers in einigen Regionen Deutschlands sind in diesen Tagen ständig präsent. Unweigerlich kommt die Frage auf, wie sicher die Region rund um Rhein und Sieg vor einem möglichen Hochwasser ist.

Vor allem die Sieg bereitet dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dabei große Sorgen. "Ähnliche Regenmengen wie an der Oder, der Donau oder der Elbe hätten auch das Siegsystem völlig überlastet", ist sich Achim Baumgartner, Sprecher des BUND im Kreis, sicher.

Er ärgert sich vor allem über den Stillstand bezüglich des umzusetzenden Siegauenkonzepts: "Es ist bedauernswert, dass in den vergangenen Jahren kein einziger der geplanten Retentionsräume aus dem Konzept an der Sieg umgesetzt worden ist."

Das Siegauenkonzept wurde 2006 von der Bezirksregierung Köln in Auftrag gegeben. Darin enthalten sind auch Schutzmaßnahmen für mögliche Hochwasser entlang der Sieg. 14 Flächen sind in diesem Konzept genannt, die als Überflutungsfläche beziehungsweise Retentionsraum, der die Hochwasserwelle dämpft, zurückgewonnen werden könnten.

"Das Siegauenkonzept ist eine wenig detaillierte Übersichtsplanung, bei der jedoch nicht geschaut wurde, ob die Pläne auch umzusetzen sind", sagt Sankt Augustins Erster Beigeordneter Rainer Gleß. Beispielsweise wurde über eine Rückverlegung des Deichs in Buisdorf gesprochen. "Der alte Deich musste saniert werden, eine Rückverlegung war aber weniger umweltverträglich als der alte Standort", so Gleß.

Die Keller der unmittelbar hinter dem neu angedachten Deich befindlichen Häuser wären schneller nass worden. Also blieb der Deich an der alten Stelle und wurde stattdessen grundlegend saniert.

In Siegburg, so sah es das Siegauenkonzept vor, sollte das Kaldauer Feld als Retentionsraum zurückgewonnen werden. "Das Feld gilt an sich schon als eine Überflutungsfläche. Jedoch sollte eine Flutung durch Durchbrüche der Wahnbachtalstraße erleichtert werden", so Siegburgs Technische Beigeordnete Barbara Guckelsberger.

Diese Durchbrüche hätten nach Ansicht der Stadt aber das angrenzende Wohngebiet gefährdet. "Letztlich sind diese Pläne aber bei der Bezirksregierung ins Stocken geraten, derzeit gibt es hier keine Entwicklung", so die Beigeordnete.

Die Stadt Hennef hat sich laut Sprecher Dominique Müller-Grote beim Hochwasserschutz zuletzt auf das Zentrum konzentriert und dabei insgesamt mehr als sieben Millionen Euro investiert - in Spundwände und Deiche. Für Allner und Weldergoven seien weitere Schutzmaßnahmen in Planung.

Nach Ansicht des Kreises geht von der Sieg aufgrund der Flussgestaltung und der Deiche "keine größere Gefahr" aus. Jedoch seien die Nebenbäche gefährlich, die bei Starkregen zu reißenden Flüssen werden können. "Bei möglichen Retentionsräumen muss man immer auch die unterschiedlichen Nutzungsinteressen entlang des Flusses beachten", erklärt Sprecherin Rita Lorenz die Schwierigkeit bei der Anlage solcher Räume.

Entwicklungen im Bereich des Hochwasserschutzes gibt es trotzdem. Seit einigen Wochen laufen Neuplanungen der Bezirksregierung zum Hochwasserrisikomanagement an der Unteren Sieg. Hier geht es auch um konkrete Maßnahmen. "Auch die Kommunen sind beteiligt. Die Bürger werden eingebunden, sobald es konkreter wird", sagt Gleß. "Wir sind gut geschützt", lautet die einhellige Meinung der Kommunen. Auch wenn, so fügt es Guckelsberger hinzu, am Wasser immer auch eine Hochwassergefahr bestünde.