Baugewerbe sieht Steigerungsbedarf: Bündnis mahnt Wohnungsbau im Rhein-Sieg-Kreis an

Baugewerbe sieht Steigerungsbedarf : Bündnis mahnt Wohnungsbau im Rhein-Sieg-Kreis an

2157 Neubauwohnungen entstanden 2017 im Rhein-Sieg-Kreis, das Baugewerbe sieht aber weiter Steigerungsbedarf. So lautet die Bilanz des Bündnisses Baugewerkschaft IG Bau und Bauwirtschaft.

2157 Neubauwohnungen sind im Rhein-Sieg-Kreis im Jahr 2017 entstanden – 912 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das hat das Verbändebündnis Wohnen mitgeteilt, das sich auf das Statistische Bundesamt beruft. Hinter dem Bündnis stehen die Baugewerkschaft IG Bau und die Bauwirtschaft.

Der Bilanz zufolge haben die Bauherren im vergangenen Jahr 494,5 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen im Kreis investiert. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Rhein-Sieg-Kreis seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will“, erklärte Holger Vermeer (IG Bau) für das Bündnis. „Der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise.“

Laut Bündnis klaffen beim Thema Neubau Anspruch und Wirklichkeit auseinander. So seien 2017 bundesweit insgesamt nur 285 000 Wohnungen gebaut worden. Dabei habe die Große Koalition eine ganz andere Messlatte gelegt. Diese liege bei 1,5 Millionen Neubauwohnungen bundesweit bis 2021. Das wären dann 375.000 pro Jahr.

Das Verbändebündnis Wohnen fordert deshalb jetzt den Bund, das Land und die Kommunen auf, den Wohnungsbau zu forcieren. „Gerade für den sozialen Wohnungsbau muss deutlich mehr getan werden. Ebenso für den Neubau von Wohnungen, bei denen sich die Menschen die Miete auch leisten können“, so Vermeer.

Heftige Diskussionen in der Kreispolitik

Auch das Wohneigentum im Rhein-Sieg-Kreis müsse endlich wieder effektiv gefördert werden. „Es müssen sich wieder mehr Menschen die eigenen vier Wände leisten können – vom Maurer bis zur Industriekauffrau. Handwerker, die Wohnungen bauen, sollten auch in der Lage sein, sich eine Wohnung anzuschaffen“, so das Bündnis Wohnen. Wohneigentum sei eine wichtige Altersvorsorge.

Nach dem Empirica-Gutachten des Kreises von 2016 müssen bis 2030 im Rhein-Sieg-Kreis zusätzliche 30.000 Wohneinheiten gebaut werden, zwei Drittel in Form von Ein- und Zweifamilienhäusern, ein Drittel in Form von Geschosswohnungsbau. Hält man nun die Bilanz der Bauwirtschaft dagegen, überwog 2017 eindeutig der Geschosswohnungsbau.

Das Thema Wohnungsbau sorgte in der Kreispolitik zuletzt für heftige Diskussionen. Die SPD hatte wiederholt versucht, geförderten Wohnungsbau zu forcieren – etwa über die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG), an der der Kreis beteiligt ist. Die schwarz-grüne Kreistagsmehrheit lehnte das ab, da die GWG aus ihrer Sicht leistungsfähig ist und ständig neue Wohnungen baue. Das Hauptproblem sieht die Mehrheit des Kreistags vielmehr in der Flächenknappheit. Demnach haben die Kommunen oft kaum noch Spielraum, Bauland zu entwickeln – von Faktoren wie Naturschutz oder Anwohnerprotesten ganz abgesehen.

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