Kommentar: Bitterer Beigeschmack

Kommentar : Bitterer Beigeschmack

Hoppla, haben wir uns verdächtig gemacht? Es ist schon sehr befremdend, wenn bei einem gewöhnlichen Pressegespräch plötzlich die Polizei mit zwei Wagen vorfährt und Beamte reinschauen - so geschehen im Selbstverwalteten Jugendzentrum (SJZ) Siegburg.

Dieser Einsatz, angestoßen von der Stadt, war unnötig und kontraproduktiv. Er gab der Presse das Gefühl, dass ihr die Obrigkeit auf die Finger schaut. Und beim SJZ dürfen sich nun alle jene bestätigt fühlen, die der Ansicht sind, dass sie von Gesetzeshütern schikaniert werden. Den Polizeibeamten war das Ganze offenkundig selbst unangenehm, doch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Klar: Das Verhältnis zwischen der Stadt und dem SJZ ist nicht das einfachste. Die Lärmproblematik, das Verbot für sogenannte Drittveranstaltungen, die ungeklärte Vertragssituation - das sind schon gewichtige Baustellen. Man löst diese Probleme aber nicht durch Polizeipräsenz bei Pressekonferenzen. Sondern nur durch Dialog. Da müssen das SJZ, die Stadt und die Nachbarn an einen Tisch, um Lösungen zu finden.

Die Vertreter des Jugendzentrums gehen bereits von sich aus auf die Nachbarschaft zu, im Sinne eines friedlichen Miteinanders. Und dass sich der Erste Beigeordnete Ralf Reudenbach gestern zum Fortbestand der Einrichtung bekannte, ist schon mal ein wichtiges Signal. Da scheint es also eine Gesprächsbasis zu geben.