Areal "Belgische Schule": Bauplätze nur für Siegburger

Areal "Belgische Schule" : Bauplätze nur für Siegburger

Wer in Siegburg über die Schillerstraße in die Innenstadt oder wieder heraus fahren will, kommt derzeit nicht weiter: Wegen Kanalbauarbeiten ist die Straße für zwei Wochen komplett gesperrt, der Verkehr wird über Goethestraße, Rilkestraße und Tönnisbergstraße umgeleitet.

Grund ist die Erschließung des Neubaugebiets auf dem früheren Gelände der Belgischen Schule.

Laut André Kuchheuser, Vorstand der Stadtbetriebe Siegburg, wird das Gebiet zum einen an den Hauptkanal angeschlossen. Außerdem haben die Tiefbauarbeiten dort, wo vorher die Belgische Schule stand, begonnen. Dort sollen bald zwölf Einfamilienhäuser entstehen. Die Grundstücke sind laut Kuchheuser auch bereits zugeteilt, Kaufverträge wurden jedoch bisher nicht abgeschlossen, weil noch kein Baurecht erteilt worden sei. "Damit rechnen wir im September oder Oktober, so dass wir voraussichtlich im Juni mit den Entwürfen für die Verträge auf die potenziellen Käufer zugehen", so der Stadtbetriebe-Chef.

145 Bewerber hatten sich gemeldet und Interesse an Grundstücken bekundet. Nach einem Punktesystem wurden diese von den Stadtbetrieben vergeben. Die Interessenten mussten etwa angeben, ob sie Kinder haben, ob sie in Siegburg leben und/oder arbeiten und ob sie bereits Wohneigentum in der Stadt besitzen. Auch soziale Kriterien spielten eine Rolle.

"Adressaten waren kinderreiche Siegburger Familien, und die haben auch den Zuschlag bekommen", so Kuchheuser. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, durch das Kommunen untersagt wird, Bauland nach dem "Einheimischen-Modell" bevorzugt an ortsansässige Familien zu vergeben, sei beachtet worden, hatten die Stadtbetriebe versichert. Beim Bau und in der Gestaltung der Häuser sind die Käufer im Rahmen der baurechtlichen Vorgaben frei.

Die Preise sind für Siegburger Verhältnisse hoch: 350 Euro pro Quadratmeter kosten die Grundstücke, die zwischen 475 und 592 Quadratmeter groß sind. Das gesamte Areal umfasst rund 7200 Quadratmeter. Die Stadtbetriebe hatten es 2012 für 1,2 Millionen Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft.

Leer ausgegangen mit seiner Bewerbung um ein Grundstück ist der Siegburger Peter Poppel. "Ich bin gespannt, wer die Grundstücke erwirbt und werde genau hinsehen, ob alle Kriterien erfüllt werden", sagt er. Poppel engagiert sich auch in der Initiative "Biotoprettung Siegburg", die sich gegen die Bebauung des Starck'schen Parks im Norden der Stadt einsetzt. Er kritisiert unter anderem, dass die Stadt im Neubaugebiet "Belgische Schule" zwei Pkw-Stellplätze pro Einheit "ohne baurechtliche Notwendigkeit" plane, während im Starck'schen Park, wo fünf Mehrfamilienhäuser vorgesehen sind, nur ein Parkplatz pro Wohnung vorgesehen sei.

Die Anwohner fürchten massive Parkprobleme. "Man hat hier offensichtlich die passenden Grundstücke vertauscht", so Poppel. Auch in der Politik hatte es Streit darüber gegeben, dass auf dem Gelände der Belgischen Schule nur zwölf Häuser gebaut werden sollen.

André Kuchheuser will diese Entscheidung indes nicht bewerten. "Mein Job ist es, den Beschluss des Verwaltungsrats umzusetzen und die Grundstücke entsprechend zu vermarkten", sagte er. Den Ärger könne er nicht nachvollziehen.

Für Informationen zur Sperrung sind die Stadtbetriebe unter Tel. 02241/1 02 77 86 und vor Ort unter Tel. 0 160/8 08 28 66 zu erreichen.

"Belgische Schule"

Die belgische "Prince de Liège"-Schule in Siegburg wurde in den 1950er Jahren für die Kinder der in Siegburg lebenden und in Troisdorf stationierten belgischen Streitkräfte errichtetet. Seit dem Abzug der Belgier 2002 stand das Gebäude leer. Im Juli 2012 kauften die Stadtbetriebe das Gelände. Im Frühjahr 2014 wurde die alte Schule abgerissen.