Sankt Servatius in Siegburg: Baulärm statt Orgelklang

Sankt Servatius in Siegburg : Baulärm statt Orgelklang

Schleifgeräusche und Hammerschläge sind verstummt. Der Staub hat sich gelegt, das große Metallgerüst im Mittelschiff ist verschwunden. Die Zeichen sind deutlich: Die Renovierungsarbeiten in Sankt Servatius neigen sich ihrem Ende zu.

Seit Silvester 2013 ist das zentrale Gotteshaus der Pfarrgemeinde Sankt Servatius geschlossen. Seither hat sich in seinem Inneren einiges verändert. Das zuvor dominierende Grau ist neuen Farben gewichen. Bis die Kirchgänger sie in ihrer Gänze erleben können, müssen sich die Siegburger weiter in Geduld üben. Denn erst am 13. September schreitet Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ab 9.30 Uhr in einem Hochamt zur Wiedereröffnung der Servatiuskirche.

Bis dahin gibt es noch viel zu Tun im Inneren der am Markt gelegenen Pfarrkirche. Von andächtiger Stille noch keine Spur. Letzte Pinselstriche geben den Säulen und Bögen ihre ehemals rote Farbe zurück. Die Kirchenbänke, die nach ihrer Überarbeitung eingelagert waren, kehren zurück in die Kreisstadt. Ebenso die Skulpturen, die in den Restaurierungswerkstätten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) restauriert wurden. Sie beziehen ihre angestammten Plätze hoch oben im Mittelschiff. "Die Kirche wurde von oben bis unten renoviert und ihre Farbigkeit von außen nach innen geholt", fasst Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger zusammen, was in den zurückliegenden Monaten den Alltag in der dreischiffigen Basilika bestimmt hat.

Einen Blick hinein in das Gotteshaus, dessen Grundstein seit 1169 liegt, gewährten Architekt Max Ernst und Stefan Groß, Projektleiter der Kirchengemeinde, am Rande eines Pressetermins. Für die Öffentlichkeit bleiben die Pforten von Sankt Servatius vorerst weiterhin verschlossen. Zu eng ist der Zeitplan bis zur Wiedereröffnung, erklären beide. Die war ursprünglich für Ostern dieses Jahres vorgesehen.

Doch schon kurz nach Weihnachten war klar, dass zu viele ungeahnte, böse Überraschungen die Arbeiten in die Länge ziehen würden. "Die Restauratoren sind auf diverse Bauschäden und unzureichend ausgeführte Arbeiten vorheriger Sanierungen gestoßen", erklärte die Kirchengemeinde seinerzeit - und verlegte den Eröffnungstermin ein halbes Jahr nach hinten.

Kosten teilen sich Erzbistum und LVR

Handwerker und Restauratoren unterschiedlicher Gewerke haben sich auf allen Ebenen der Servatiuskirche bewegt. Ob Dach, Heizung, Kabel oder Mikrofonanlage - sie haben alles erneuert. Sie haben die Kirchenfenster ausgebaut, restauriert und wieder eingebaut. Sie haben im unteren Drittel des Mittelschiffes den Wolsdorfer Brocken, aus dem die Pfarrkirche errichtet wurde, von Putz befreit und in Anlehnung an die ursprüngliche Farbgebung gestrichen. Und sie haben das Deckengewölbe gesäubert und Risse ausgebessert - alles in enger Absprache mit der Denkmalbehörde und dem Kirchenvorstand. Die Kosten für die umfassende und aufwendige Sanierung teilen sich das Erzbistum Köln und der LVR. Deren Höhe liegt im zweistelligen Millionenbereich, heißt es.

"Es laufen die letzten Arbeiten", berichtet Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger, was aktuell in dem Gotteshaus geschieht, dessen romanische Mauern in der Gotik um einen Chor erweitert und im spätgotischen Stil überhöht und eingewölbt wurden. Die Pforten bleiben auch noch geschlossen, wenn alle Farbeimer zur Seite geräumt sind und alles an seinem Platz steht. "Als letztes wird die wieder aufgebaute Klais- Orgel gestimmt", verrät Korte-Böger. Deren 8000 Orgelpfeifen wandern momentan zurück an ihren Platz hoch über dem Eingang. Damit sie am Ende wieder in harmonischer Vielfalt klingen, braucht es das, was der Servatiuskirche in den vergangenen Monaten gefehlt hat: andächtige Stille. Denn nur wenn alles andere verstummt, werden die Orgelstimmer den kleinsten unsauberen Klang gewahr.

Am Sonntag, 13. September, wird Sankt Servatius ab 9.30 Uhr mit einem Hochamt von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki wiedereröffnet.

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