Musik in Siegburg: Aus purer Lust am Singen

Musik in Siegburg : Aus purer Lust am Singen

Sie lachen viel und probieren neue musikalische Wege: Die Swingphonie der Chorgemeinschaft Germania Siegburg.

Das „Dubidubidubidubiduu“ fliegt förmlich durch den Probenraum. Ein zweites und ein drittes folgen, ihre Tonlagen variieren. Stefan Wurm macht es seinen Sängern am Klavier vor. Die bewegen sich im Takt ihres Gesangs, schnipsen den Rhythmus mit. Der ganze Körper ist in Bewegung. Schnell noch ein Geburtstagsständchen für Hedy Klapperich, das Geburtstagskind der Woche – und die Probe der Germania-Swingphonie, dem aus einem Projektchor erwachsenen, neuen Chor der Chorgemeinschaft Germania Siegburg, beginnt.

Dass die 50 Sängerinnen und Sänger noch gar nicht so lange gemeinsam singen, ist für den Unwissenden nicht ersichtlich: Der trifft jeden Mittwoch auf Frauen und Männer, die unübersehbar Freude an der Musik, Lust am Singen und vor allem jede Menge Spaß miteinander haben.

„Wir wollten nicht tatenlos zusehen“, sagt Hans-Josef Bargon, Sprecher der Germania, mit Blick auf immer mehr Chöre, die mangels Nachwuchses „sterben“ oder sich mit anderen zusammenschließen. Mit 60 Sängern und einem Durchschnittsalter von 70 Jahren steht die Germania vergleichsweise gut da. Gleichwohl entschied sich der Traditions-Chor vor mehr als einem Jahr, aktiv zu werden und einen Projektchor zu gründen. Die Aufnahmekriterien waren klar formuliert: „Wir erwarten keine Notenkenntnis, keine Chorerfahrung, keine Mitgliedschaft, dafür aber die Bereitschaft, an den Chorproben mittwochsabends teilzunehmen“, hieß es in dem Aufruf, den die Chorgemeinschaft auf ihrer Internetseite, bei Facebook und in Zeitungen veröffentlichte und verteilte. Am Ende des auf ein halbes Jahr angelegten Projektes stand der Auftritt beim Herbstkonzert der Germania in der Rhein-Sieg-Halle.

„Nach dem Konzert haben wir uns gefragt, ob wir nicht weitermachen sollen“, spricht Chorleiter Stefan Wurm, der auch die Chorgemeinschaft betreut, für seine Sänger. Das „Ja“ sei einstimmig gewesen. Zusammen mit dem Vorstand seien formelle Dinge geklärt worden. So sind die Swingphoniker nun offiziell Mitglied in der Chorgemeinschaft. Und proben für ihren nächsten großen Auftritt beim Herbstkonzert im Oktober, immer mittwochs.

„Das ist für mich eine ganz neue Erfahrung“, beschreibt Stefan Wurm seine Arbeit mit der Swingphonie. 32 Sänger seien bei der ersten Probe im vergangenen Februar erschienen, inzwischen sind es 50. „Das Potenzial ist bei allen da“, attestiert er seinen Sängern. „Wer mitmachen möchte, sollte vor allen Dingen Lust am Singen haben und ein gutes Gehör.“

Carmen Staubach-Klock hatte in der Zeitung vom Projektchor gelesen. „Ich wollte gerne einmal auf einer großen Bühne stehen“, erklärt die Siegburgerin, warum sie sich zum Mitsingen entschieden hat. „Ich singe schon immer gerne“, sagt Sophie Lehmann und ergänzt lachend: „Ich kann es aber eigentlich nicht.“ Bei der Swingphonie singt sie nun „Alt“. Neben ihr sitzt mit Rabea Steffen eine erfahrene Sängerin. Über den Liedergarten, die musikalische Früherziehung der Germania, sei sie zum Projektchor und damit nach einer Pause wieder zum Singen gekommen. Im Kirchenchor hat Angelika Brinkmann-Lücke bereits gesungen. „Ich freue mich jedes Mal aufs Neue auf die Proben“, sagt die Sopranistin. Alle seien mit Freude dabei, lachten viel und es seien gute Sänger. Mit Rudy Brünagel stärkt etwa ein versierter Germania-Sänger den Bass im vierstimmigen Gesang der Swingphoniker.

Er nutzt im Übrigen alle Germania-Angebote: „Ich probe montags mit der Chorgemeinschaft, mittwochs mit den Swingphonikern, und mit meinem Enkel gehe ich donnerstags in den Liedergarten“. In beiden Chören der Germania singt auch Tenor Bernhard Gieser, mit 30 Jahren einer der jüngeren Swingphoniker. Als Kind habe er im Kinder- und Jugendopernchor in Bonn gesungen. „Die Musik hat mir gefehlt“, erklärt er, warum er von zwei Jahren zur Germania gegangen sei. An der Swingphonie schätze er das moderne Repertoire. „Er drückt unseren Altersdurchschnitt kräftig nach unten“, freut sich Stefan Wurm. 40 bis 45 Jahre sind die Swingphoniker im Schnitt, erklärt der Chorleiter noch, dann drängt er zum „ernsten“ Teil der Probe.

„And we sing Gloria“, heißt das neue Stück, das alle vier Stimmen Stück für Stück einsingen. Mal flüsternd, dann immer lauter, erst einzeln, dann alle Stimmen zusammen, ganz ernsthaft, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht.

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