Rechtliche Betreuung: Arbeit der Betreuungsvereine ist gefährdet

Rechtliche Betreuung : Arbeit der Betreuungsvereine ist gefährdet

Die Anforderungen steigen, doch Zeit und Geld reichen nicht mehr aus. Immer mehr Betreuungsvereine müssen aus finanziellen Gründen schließen. Es wird zunehmend schwieriger, rechtliche Betreuer zu finden.

Stundensätze und Zeitvorgaben für rechtliche Betreuer stammen aus einer Zeit, als die meisten Betreuten in Seniorenheimen lebten und nach der Unterbringung vor allem finanzielle Dinge zu regeln waren. „Heute sind 40 Prozent der Menschen, die wir betreuen, unter 50 Jahre alt“, berichtete Diana Caspari von der Awo am Montagabend bei einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft (AG) der Betreuungsvereine im Rhein-Sieg-Kreis. Die Vereine warnen: „Die gesetzliche Betreuung von Menschen, die ihr Leben ganz oder teilweise nicht mehr selbst bewältigen können, ist in der Krise. Immer mehr Betreuungsvereine müssen aus finanziellen Gründen schließen.“

Das ist im Kreis noch nicht der Fall, doch die aktuelle Situation spiegelt auch dort gesellschaftliche Veränderungen wider: Viele Menschen haben keine Angehörigen oder ein so schwieriges Verhältnis zur Familie, dass sie keine Unterstützung bekommen. Die Betreuungsvereine wünschen sich deshalb „Anerkennung für unsere gesellschaftliche Ausfallbürgschaft“. Insgesamt betreuen die fünf Vereine im Rhein-Sieg-Kreis 750 Menschen. Außerdem beraten sie 160 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer bei ihrer Arbeit. Die Zeit dazu wird immer knapper. Schon für einen gesunden Menschen sei es schwer, in vier Stunden pro Monat alle persönlichen Dinge zu regeln. Für eine behinderte Frau, die alleine in ihrer Wohnung lebt, sei ein ganzes Hilfsnetzwerk zu koordinieren, so Monika Bär vom Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM).

Die AG sprach am Montagabend mit Vertretern aus Politik und Kommunen über die angespannte Situation. „Eine Studie hat bestätigt, dass eine Vergütungsanhebung nötig ist und die Stunden zu knapp berechnet sind“, berichtete Jutta Oehmen, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen. Das Problem ist bekannt, doch die nötigen politischen Veränderungen ziehen sich seit Jahren hin. Dirk Oberhäuser, Richter am Siegburger Amtsgericht, bestätigte den Betreuungsvereinen, dass es zunehmend schwieriger werde, rechtliche Betreuer zu finden.

Der Bundestag hatte vor gut einem Jahr eine Erhöhung der Stundensätze von 44 auf 52 Euro beschlossen. Der Bundesrat wollte jedoch auf das Ergebnis der Studie warten, die inzwischen vorliegt. „Als Verbände der freien Wohlfahrtspflege sehen wir dringenden Handlungsbedarf bei der Landesregierung“, sagte Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein. Es werde für Betreute und Angehörige sonst unmöglich, professionelle Begleitung zu finden. Das gehe zulasten der Schwächsten in der Gesellschaft.