Prozess in Siegburg: Angeklagter deponierte Kokain im Bordell

Prozess in Siegburg : Angeklagter deponierte Kokain im Bordell

Polizisten stellten im August 2018 bei der Durchsuchung eines Bordells 8,4 Gramm Kokain sicher. Das Siegburger Amtsgericht verurteilte den 48-jährigen Betreiber nun zu einer Geldstrafe von 1600 Euro.

Weil er in seinem Siegburger Bordell Kokain verkauft haben soll, saß ein 48-Jähriger jetzt auf der Anklagebank beim Siegburger Amtsgericht. Laut Anklageschrift soll der Mann in der Garage des von ihm betriebenen Bordells Kokain gelagert und verkauft haben. Bei einer Durchsuchung der Polizei im August 2018 flog der Mann auf: 8,4 Gramm Kokain stellten die Beamten sicher.

Nach Aussage der Verteidigerin des Angeklagten sollen die Drogen so in die Garage gelangt sein: Zwei Tage bevor die Polizei das Bordelldurchsucht habe, sei ihrem Mandanten aufgefallen, dass eine der Prostituierten Alkohol und Kokain konsumiert habe. Die 36-jährige Frau soll noch nicht lange in dem Betrieb gearbeitet haben, daher durchsuchte der Angeklagte den Spind der Frau. „Er hat eine Flasche Wodka und Kokain in einem Etui gefunden“, sagte die Verteidigerin.

Beides habe der Angeklagte an sich genommen und in seinem Büro deponiert. Dass er nicht die Polizei angerufen hat, um die Drogen zu übergeben, gab der Angeklagte über seine Anwältin als Fehler zu. Das Kokain habe er aufbewahrt, um seine Mitarbeiterin bei der nächsten Schicht mit dem Fund zu konfrontieren. Die 36-Jährige sei aber nicht wie erwartet zur Schicht erschienen.

Prostituierte reist extra aus Bulgarien an

Kurze Zeit später habe er erneut Kokain im Spind der Prostituierten gefunden. Beide Drogenfunde habe er dann nicht mehr in seinem Büro, sondern in der Garage deponiert. Anschließend sei er in den Urlaub gefahren. Bei der Durchsuchung durch die Polizei sei er schon nicht mehr da gewesen. „Gehandelt hat er mit den Drogen nicht. Er hat sie nur besessen“, sagte seine Anwältin.

Die 36-jährige Prostituierte, die für die Verhandlung extra aus Bulgarien angereist war, widerlegte die Geschichte des Angeklagten: Nie habe sie Drogen oder Alkohol in ihrem Spind aufbewahrt, sagte sie. Auch habe sie weder den Konsum noch den Verkauf von Drogen in dem Bordell persönlich miterlebt. Anders schilderte es eine Kollegin, die seit Jahren in dem Bordell gearbeitet hatte: Der Angeklagte habe selber zwar nie Kokain verkauft, es dafür aber an seine Mitarbeiterinnen zum Verkauf weitergegeben. „Das mit der Garage wusste ich schon länger. Da ist er immer reingegangen, um Nachschub zu holen“, erzählte die 26-Jährige. „Ich wusste, es war immer was da. Das ist Fakt“. Seit einem halben Jahr arbeite sie schon nicht mehr dort, sagte sie.

Am Tag der Durchsuchung im August erzählte sie der Polizei allerdings ebenfalls, dass sie bereits lange nicht mehr dort gearbeit habe. „Die Zeugin hat sich lebhaft widersprochen, und die andere wusste nichts“, sagte der Richter. Der bereits vorbestrafte 48-jährige Angeklagte wurde schließlich wegen des Kokain-Besitzes zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt.

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