Wahrzeichen wird kahler: Am Michaelsberg in Siegburg fallen Bäume

Wahrzeichen wird kahler : Am Michaelsberg in Siegburg fallen Bäume

Die Stadt Siegburg stellt den Terrassengarten am Westhang des Michaelsbergs in seiner alten Struktur wieder her. Bis voraussichtlich Samstag ist dafür ein Forstschlepper im Einsatz.

Wo im 19. Jahrhundert psychisch Kranke in der Ruhe der Natur aktiv ihren Heilungsprozess gestalteten, ist es ab Donnerstag für ein paar Tage richtig laut: Mit schwerem Gerät lässt die Stadt Siegburg am Westhang des Michaelsberges Bäume fällen. „Wir wollen den im 19. Jahrhundert angelegten Terrassengarten in seiner alten Struktur wieder herstellen“, erklärte Stephan Marks, Leiter des Planungs- und Bauaufsichtsamtes, der Stadt Siegburg am Dienstag den Hintergrund der Arbeiten. Die sind Teil des 2013 zusammen mit den Bürgern erarbeiteten Michaelsbergkonzeptes, das den Berg schöner und vor allem sicherer machen soll.

Rund 6,6 Millionen Euro stehen dafür bis 2020 im städtischen Haushalt bereit. „Trotz vieler Unwägbarkeiten, die der Berg mit sich bringt, liegen wir bislang noch in den Kostenschätzungen“, sagte Marks. Seit etwa drei Jahren setzt die Stadt das Konzept Schritt für Schritt um. Wie berichtet, ist der Osthang nach Rodungsarbeiten mit Hainbuchen, Eichen und Obstbäumen neu aufgeforstet. Die Wege werden aktuell erneuert und voraussichtlich bis Ende des Jahres freigegeben. Im vergangenen Dezember hatte eine letzte große Fällaktion am Osthang zum Siegwerk hin die Gemüter in Siegburg erhitzt. Den Kahlschlag erklärte die Verwaltung damals damit, dass mehr Bäume als geplant gefällt werden mussten, weil ihre Standfestigkeit gefährdetet war.

Um der damaligen Aufregung vorzubeugen, informierte die Stadt am Dienstag vorab über die nun auf der gegenüberliegenden Seite geplanten Forstarbeiten. „Wir roden nicht den Berg“, betonte Stephan Marks. „Wir lichten durch und machen ihn wieder richtig sichtbar.“ Seit 70 Jahren sei das Siegburger Wahrzeichen mehr oder weniger der Natur überlassen worden. Dadurch sind auch zwischen Spielplatz und Friedhof der Benediktiner Pioniergehölze wie Akazien, Pappeln oder Ahorn in die Höhe gewachsen. „Die sind naturgemäß nicht mehr standfest“, sagte Ralf Beyer, Leiter des Grünflächenamtes. Davon zeugen schon jetzt einige Bäume, die dem letzten stärkeren Wind nicht Stand gehalten haben, und quer im Hang liegen.

Klinik galt als Modellanstalt

Bis zu 50 Gehölze müssen rund um den 5500 Quadratmeter großen Terrassengarten weichen. Der soll dadurch in seiner ursprünglichen Struktur wieder als solcher zu erkennen sein. Maximilian Jacobi, der 1825 in der früheren Abtei die erste Rheinische Irrenheilanstalt eröffnete, hat ihn unterhalb seiner Direktorenvilla, wo jetzt der Anbau des Katholisch-Sozialen-Instituts steht, anlegen lassen. Seine Klinik galt damals als Modellanstalt, da sie nicht nur verwahren, sondern den Kranken helfen wollte. Jacobi ließ Werkstätten einrichten, Nutzbeete sowie die Bergstraße anlegen. „Der Terrassengarten ist einer von wenigen seiner Art, die es in Deutschland noch gibt“, hob Landschaftsarchitektin Anja Esser die Bedeutung des Parks hervor. Die Patienten konnten von oben auf die Stadt blicken, ohne dabei von unten gesehen zu werden. Im Moment versperren hohe Bäume diesen Blick.

„Wir nutzen das gute Wetter, um bei den Fällungen große Flurschäden vermeiden zu können“, sagte Marks. Bis voraussichtlich Samstag ist dafür ein Forstschlepper im Einsatz. „Alter Baumbestand wie Linden oder Bergahorn bleiben erhalten“, versicherte Beyer. Wenn die alte Wegestruktur, die die verschiedenen Ebenen des Gartens verbindet wieder hergestellt ist, soll der Hang mit Obstbäumen auch punktuell wieder neu begrünt werden.