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"Geh-Schichten": Alanus-Preistäger Caspar Pauli stellt im Stadtmuseum aus

"Geh-Schichten" : Alanus-Preistäger Caspar Pauli stellt im Stadtmuseum aus

Das Wortspiel ist Konzept: "Geh-Schichten" lautet der Titel der Werkschau, unter dem Alanus-Preisträger Caspar Pauli zusammen mit Birgit Auf der Lauer ab Sonntag im Stadtmuseum seine Arbeiten zeigt.

Als ehemaliger Alanus-Student erhielt Pauli den mit 5000 Euro dotierten Preis bereits im vergangenen Jahr. Die zum Preis gehörende eigene Ausstellung mit Katalog findet dank einer Kooperation der Alanus Hochschule Alfter mit dem Stadtmuseum Siegburg im Folgejahr statt, sprich jetzt.

Da sich Pauli inzwischen als künstlerische Einheit mit seiner Partnerin Birgit Auf der Lauer versteht, stellt sich nun die Ausstellung als Gemeinschaftsschau dar. Beide arbeiten nach abgeschlossenem Kunststudium freischaffend zusammen, Skizzen werden gemeinsam gezeichnet, diskutiert, verworfen oder weiterentwickelt.

"Man kann uns nur gemeinsam begreifen", sagt Pauli. Und Auf der Lauer fügt hinzu, dass man bei vielen Zeichnungen inzwischen auch künstlerisch gar nicht mehr sagen könne, was von wem sei. Für den Betrachter dürfte das angesichts der Dichte, mit der Pauli und Auf der Lauer ihre Tuschezeichnungen auf Transparentpapier entwickeln, erst recht nicht mehr möglich sein.

Einige der ausgestellten Tuschezeichnungen entstanden auf einem Baum sitzend. 360 Grad machen einen Rundblick aus der Mittelpunkt-Perspektive aus. Beide Künstler haben den Blick ins Umfeld von Bäumen in Berliner Stadtteilen wie Neukölln oder Kreuzberg geworfen. Kleine Einkaufsläden, ein Bücherschrank unter dem Baum, abgestellte Fahrräder, vorbeiziehende Menschen, Autos, Abfall und Laub.

Die Stadtteil-Geschichten, die in jedem Detail stecken, sind kompakt und mehrschichtig. Und die Bewegung des künstlerischen Blickes geht hier im Kreis und bringt ein Tuschebild hervor, das so rund ist wie eine Baumscheibe. Großformatig (3,50 Meter mal zwei Meter) und aus der nicht fixierten, ständig wechselnden Perspektive des Wanderers entstand demgegenüber Paulis "Alpenglühn". In seinem Rucksack zusammengefaltet und neben Proviant und Sonnencreme verstaut war das überdimensionale Zeichenpapier, das Paulis Landschaftsempfinden und -erleben bei einem zweiwöchigen Wanderaufenthalt in den Schweizer Alpen darstellt.

Schicht für Schicht ist seine Kunst erlebt. Seine Geschichten sind bewegte Geschichten. Ob das nun in einer verlassenen Kokerei bei Berlin, im Krisengebiet an der türkisch-griechischen Grenze auf Zypern, in den Alpen, in Rumänien oder in der Türkei ist - der Betrachter entdeckt sich unwillkürlich mitten im Bild, erlebt die Bewegung, die Nähe zum Objekt und lässt die vielen kleinen Geschichten auf sich wirken.

Die Eröffnung der "Geh-Schichten"-Ausstellung von Caspar Pauli und Birgit Auf der Lauer ist am Sonntag, 15. September, 11.30 Uhr. Zur Ausstellung wird es wieder eine besondere Führung geben. Unter dem Titel "Der entschleunigte Blick" führen am Samstag, 28. September, zwei Kunstpädagogen durch die Schau.