Neunkichen-Seelscheid ist Spitzenreiter: Abwassergebühren im Rhein-Sieg-Kreis

Neunkichen-Seelscheid ist Spitzenreiter : Abwassergebühren im Rhein-Sieg-Kreis

Gebühren in Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises sind im Schnitt um zehn Euro höher als 2016. Die Kosten in der Region liegen deutlich über dem Landesdurchschnitt. Ein Überblick.

Die Gebühren für die Abwasserentsorgung in den Kommunen des Rhein-Sieg-Kreis sind die dritthöchsten in Nordrhein-Westfalen. Nur Verbraucher im Oberbergischen- und im Rheinisch-Bergischen-Kreis zahlen im Schnitt noch mehr. Spitzenreiter unter allen Kommunen in NRW ist Neunkirchen-Seelscheid. Ein Haushalt mit vier Personen, der 200 Kubikmeter Frischwasser verbraucht, zahlt dort aktuell rund 1290 Euro im Jahr. Damit liegt die Gebühr rund 566 Euro über dem Landesdurchschnitt (724 Euro). Das hat der Bund der Steuerzahler ermittelt.

Etwas geringer, aber im Landesvergleich immer noch überdurchschnittlich hoch sind die Kosten in Much (1169 Euro), Siegburg (1161 Euro) und Hennef (1115 Euro).

Am wenigsten im Kreis zahlen die Verbraucher in Sankt Augustin, rund 662 Euro, fast halb so viel wie ein Vier-Personen-Haushalt in Neunkirchen. Im Vergleich: In der günstigsten Kommune in NRW, der Gemeinde Reken im Kreis Borken, kostet die Entsorgung lediglich 247 Euro.

Legale Tricks

Während die Abwassergebühren im Landesschnitt im Vergleich zum Vorjahr minimal um zwei Euro gestiegen sind, haben sie im Rhein-Sieg-Kreis um knapp zehn Euro zugelegt. Laut dem Steuerzahlerbund seien es ganz legale, aus seiner Sicht allerdings illegitime Buchungs- und Abschreibungsstricks, die die Entsorgungsgebühren in die Höhe treiben. „In der Abwasserentsorgung wird Geld verdient, um den Haushalt auszugleichen“, bemängelte der Gebührenexperte des Steuerzahler-Landesverbandes, Harald Schledorn. Besonders häufig fänden sich Kommunen aus dem NRW-Hilfsprogramm „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ unter den Gebühren-Spitzenreitern.

Auch die Gemeinden Neunkirchen-Seelscheid und Windeck (1105 Euro) nehmen an dem Stärkungspakt für überschuldete oder von Überschuldung bedrohte Kommunen teil. Laut Hansjörg Haas, Vorstand der zuständigen Gemeindewerke in Neunkirchen-Seelscheid, spielen jedoch andere Gründe eine Rolle für die hohen Abwassergebühren. Anders als in flachen Kommunen erfordere die Geologie – viele Höhen und Täler – Bauwerke wie Pumpstationen für die Überwindung von Höhen und Rückhaltebecken in den Tälern. Kommunen mit ähnlichen Gegebenheiten hätten auch hohe Abwassergebühren, so Haas.

Trend soll weitergehen

Im Gegensatz zur allgemeinen Entwicklung im Rhein-Sieg-Kreis sind die Gebühren in der Gemeinde in 2017 um rund zwölf Euro im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Trend solle auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden. „Vielleicht kommen wir in 2018 auch vom Spitzenplatz in NRW herunter. Das würde ich mir sehr wünschen“, sagte Haas.

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