Siegburg startet Kampagne gegen Müll

Zehn Tonnen Müll auf dem Siegburger Markt

Probe auf dem Siegburger Markt: Schauspielschüler machen mit einer Performance auf die Vermüllung der Welt aufmerksam.

Probe auf dem Siegburger Markt: Schauspielschüler machen mit einer Performance auf die Vermüllung der Welt aufmerksam.

Siegburg. Die Kreisstadt startet eine Kampagne für mehr Umweltbewusstsein. In der Innenstadt soll ein drei Meter hohes Mülldenkmal aus gepressten Plastikflaschen und Plastiktüten entstehen mit einer besonderen Funktion.

Wer achtlos Kaugummis, Coffee-to-go-Becher oder Zigarettenkippen auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen wegwirft, muss zahlen. Das ist in der Straßenordnung der Stadt Siegburg festgeschrieben. Zu beweisen, dass jemand etwas liegen gelassen hat, ist aber oftmals schwierig. „Sensibilisierung statt Sanktionierung“ ist deshalb das Motto eines Arbeitskreises zum Thema Sauberkeit im Stadtgebiet, den die Stadt Siegburg Anfang des Jahres ins Leben gerufen hat. „Ordnungsrechtliche Maßnahmen helfen einfach nicht“, sagt Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn. „Ein Katalog mit Strafen hat uns nicht weitergebracht.“

Deshalb sei die Idee aufgekommen, in einem Arbeitskreis mit Kunst- und Kulturschaffenden einen Weg zu finden, das Thema Umwelt und Sauberkeit gemeinsam im Miteinander zugänglicher zu machen. Entstanden ist die Kampagne „Meine Stadt. Unsere Welt“, die mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen das Thema Umweltschutz in den Vordergrund rücken möchte.

Müllberg dient als Kulisse

Den Anfang machen zehn Tonnen Müll auf dem Siegburger Markt: Ein drei Meter hohes Mülldenkmal soll in der Innenstadt aus gepressten Plastikflaschen und Plastiktüten entstehen. Der Plastikberg dient der Studiobühne Siegburg und dem Theater Tollhaus als Bühnenbild für ein Tanztheaterstück unter dem Titel „Müll 2.0 – We're burning now“. 30 Kinder und Jugendliche arbeiten seit Monaten fleißig, um am kommenden Wochenende verkleidet mit Tiermasken aus Tetrapak eine Botschaft zu vermitteln: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir der Natur gegenüber eine andere Einstellung brauchen“, erklärt Regisseurin Maike Mielewski. Mit Emotionalität wollen die Kinder und Jugendlichen für die Auswirkungen der Klimakrise, Müllvermeidung und Artensterben sensibilisieren. Und nicht nur das: Mit dem Tanztheaterstück möchten die Künstler auf Tour gehen. Eine Schule habe bereits angefragt, das Stück auf dem Schulhof aufzuführen. Dann aber ohne den Müllberg aus Plastik, der laut Mielewski gar nicht leicht zu beschaffen war: „Es war wirklich schwierig, an so viel Müll zu gelangen, obwohl die ganze Welt voller Müll ist“.

„Umwelt-Scouts“ sollen für Sauberkeit sorgen

Wie kompliziert es hingegen ist, Müll zu trennen, damit er gepresst und recycelt werden kann, möchte das Junge Forum Kunst mit selbstgebauten Recycling-Maschinen zeigen. Ein Apparat soll das Plastik schreddern, ein weiterer das Granulat schmelzen und in eine neue Form pressen – alles per Handkurbel. Dabei darf nur reines Plastik recycelt werden. Sobald die Maschinen fertig sind, möchten die Künstler damit in Schulen und auf dem Marktplatz auftreten. „Wir möchten zeigen, dass Plastik ein wertvoller Rohstoff sein kann“, sagt Künstlerin Manou Raymond.

Die Stadtverwaltung möchte als erste Maßnahme weitere Reinigungskräfte einstellen, die als „Umwelt-Scouts“ für die Sauberkeit im Stadtgebiet sorgen. „Wir versuchen, das Thema auch in unseren Fachdienststellen einfließen zu lassen“, sagt Bürgermeisterkandidatin Ulla Thiel, die den zuständigen Arbeitskreis leitet. So nehmen etwa das Jugendamt und der Baubetriebshof das Thema Umwelt in den Blick. Auch eine Aktion zum „Müllfasten“ soll ins Leben gerufen werden. „Ich halte nichts davon, den Notstand auszurufen. Es kommt auf das Miteinander an“, so Huhn.