Fluglärm durch Köln-Bonner Airport

Siegburg, Lohmar und Hennef sind gegen Pläne des Flughafens Köln/Bonn

Maschine im Anflug auf Köln/Bonn über Kaldauen: Der Fluglärm belastet Teile der Region.

Maschine im Anflug auf Köln/Bonn über Kaldauen: Der Fluglärm belastet Teile der Region.

RHEIN-SIEG-KREIS. Das Planfeststellungsverfahren des Flughafens Köln/Bonn sorgt für Kritik. Es geht dort zwar nur um einige An- und Neubauten. Doch die Kommunen im Umland befürchten negative Auswirkungen - vor allem durch den Fluglärm.

Der Köln/Bonner Flughafen geriet zuletzt durch politische Ränkespiele und juristische Streitigkeiten um den zwischenzeitlich beurlaubten Geschäftsführer Michael Garvens in die Schlagzeilen. Damit wurde ein anderes Thema überlagert, das gerade die Region beschäftigt. Bis zum 19. Dezember läuft die Bürgerbeteiligung zum laufenden Planfeststellungsverfahren des Flughafens. Wie berichtet, will der Airport damit bestehende und künftige Erweiterungen rechtlich absichern. Für die vom Fluglärm geplagten Kommunen Siegburg, Lohmar und Hennef ist das die Gelegenheit, Bedenken anzumelden. Sie befürchten etliche Nachteile – vom nächtlichen Fluglärm bis hin zu Bauverboten auf eigenem Terrain.

Die Städte Siegburg und Lohmar haben jeweils das Büro FDC Airport Consulting des Luftverkehrsexperten Dieter Faulenbach da Costa beauftragt, der als internationaler Fachmann in Sachen Flughafenplanungen gilt. Er hat im laufenden Verfahren, das bei der Bezirksregierung Düsseldorf angesiedelt ist, die Einwände der Städte formuliert. Seine Einschätzung wird am Dienstag, 12. Dezember, im Siegburger Umweltausschuss und am Dienstag, 19. Dezember, im Lohmarer Rat vorgestellt. Der Hennefer Umweltausschuss hat erst kürzlich einstimmig eine Stellungnahme beschlossen, die den Airportplänen eine Absage erteilt.

Gericht zwang Flughafen zu Planverfahren

Der Flughafen ist im Laufe der Zeit stark gewachsen, vor allem seit den 90er Jahren: hier ein Parkhaus, da ein neues Terminal, dort eine Frachthalle – alles mit behördlicher Genehmigung, aber ohne Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung. Möglich machte es das Luftverkehrsrecht. Das Bundesverwaltungsgericht stoppte 2014 die Expansion. Nach einer Klage der Lärmschutzgemeinschaft (LSG) Flughafen Köln/Bonn musste die zuletzt ausgebaute Vorfeldfläche A geschlossen werden.

Weil der Flughafen das Vorfeld voll nutzen möchte, hat er 2016 ein Planfeststellungsverfahren beantragt. Auf diesem Wege will er die rechtliche Grundlage für weitere Aus- und Umbauten schaffen, die in Zukunft anstehen: unter anderem eine Gepäckhalle, die Erweiterung des Frachtzentrums, ein neues Hotel sowie den Neubau eines Parkhauses. „Ziel ist es, größtmögliche Rechts-, Planungs- und Investitionssicherheit herzustellen“, so der Flughafen selbst.

Das laufende Planverfahren bietet erstmals in der Geschichte des Flughafens Kommunen und Bürgern Gelegenheit, Einwände zu erheben. Städte wie Siegburg und Lohmar sind in vorderster Front dabei. Sie leiden unter dem Nachtfluglärm und unterstützen seit Jahren eine Klage dagegen, die inzwischen beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist. Parallel können sie nun auch im Planverfahren ihre Bedenken anbringen.

Experte: Pläne zurückweisen

Gutachter Faulenbach da Costa bezweifelt etwa die Aussage des Flughafens, dass durch den Ausbau nicht mehr Verkehr und Lärm zu erwarten sei. Nach eigenem Bekunden will der Flughafen betriebliche Abläufe verbessern. Das sei schon bei früheren Erweiterungen behauptet worden, entgegnet der Gutachter. „Trotzdem hat es seit 1990 erhebliche Zuwächse im gesamten Verkehrsaufkommen gegeben, die eingesetzten Flugzeuge wurden größer und lauter“, schreibt er. Der Antrag des Flughafens nehme das Umland nicht in den Blick – so zum Beispiel das Thema Nachtfluglärm und die gesundheitlichen Auswirkungen.

Aber auch sonst sehen die Kommunen Nachteile auf sich zukommen, zum Beispiel Einschränkungen und Verbote bei der Bauplanung. Die Siegburger Stellungnahme verweist auf die sogenannten schutzwürdigen Einrichtungen der Stadt, die unweigerlich dem zunehmenden Fluglärm ausgesetzt sind: Kindergärten, Schulen und Altenheime. Unter Umständen seien Verlagerungen oder Schließungen erforderlich, so Faulenbach da Costa. Insgesamt sieht er keine Notwendigkeit für das Vorhaben des Flughafens: „Die gesamten Antragsunterlagen belegen keinen Bedarf für den Ausbau der Flugbetriebsflächen.“ Dementsprechend müsse der ganze Antrag zurückgewiesen werden.

Ablehnung auch in Hennef: Die Auswirkungen des Flughafens schränkten die Lebensqualität und die Stadtplanung ein, so Bürgermeister Klaus Pipke. Schließlich reichen die Schutzzonen, die nicht zuletzt Bauverbote mit sich bringen, bis ins Hennefer Zentrum. „Vor diesem Hintergrund kritisieren wir insbesondere die Tatsache, dass es beim jetzigen Planfeststellungsverfahren lediglich um die zusätzlichen Ausbauvorhaben geht“, sagt Pipke.

Denn für die Betriebsgenehmigung des ganzen Flughafens habe es nie ein Planfeststellungsverfahren gegeben. Nur damit sei eine echte Gesamtabwägung möglich, so Pipke. Und: „Die Erweiterungen am Flughafen werden ohne Frage zu deutlich mehr Flugaktivitäten führen. In Anbetracht der Belastungen sind Steigerungen nicht akzeptabel und unterstreichen unsere Forderung nach Kernruhezeiten.“