Bei Menden

Melanbogenbrücke über die Sieg soll neu gebaut werden

RHEIN-SIEG-KREIS. "Gefahr im Verzug", so hieß es im Dezember 2006. Die Brücke über die Sieg zwischen Sankt Augustin-Menden und Troisdorf-Friedrich-Wilhelms-Hütte halte den täglichen Belastungen nicht mehr stand und müsse aufwendig saniert werden.

Der Landesbetrieb Straßen NRW sperrte die Brücke für den Schwerlastverkehr über 14 Tonnen Gesamtgewicht, und das ist heute, nach sieben Jahren, noch immer so. Damit überhaupt noch der Verkehr über die Brücke rollen kann, wurden die "ermüdeten" Hängeglieder, die das Bauwerk halten, 2007 mit sogenannten Hosenträgern aus Stahl verstärkt.

Nach weiteren Prüfungen stellte sich heraus, dass eine den heutigen Anforderungen entsprechende Sanierung nicht mehr möglich ist. Deshalb, und auch aus Kostengründen, muss die 83 Jahre alte Brücke abgerissen werden. Aber das wird zum Problem, denn das 70 Meter lange und 14 Meter breite Brückenbauwerk, die sogenannte Melanbogenbrücke, ist ein Denkmal. Der Landesbetrieb hatte schon vor drei Jahren beim Land beantragt, die Brücke aus der Denkmalliste zu streichen.

Jetzt endlich liegt eine Antwort der Bezirksregierung Köln vor. "Das Brückenbauwerk kann nicht aus der Denkmalliste genommen werden", sagt Laurenz Braunisch, Sprecher der Außenstelle Köln des Landesbetriebs. Das hieße aber nicht, dass ein Abriss, den die Brückenbauer des Landesbetriebs favorisieren, ganz ausgeschlossen sei.

"Die Frage nach dem Grad der Denkmalwürdigkeit kann laut Bezirksregierung aber im erforderlichen Planfeststellungsverfahren beantwortet werden", so Braunisch. Der Landesbetrieb lote derzeit die Chancen dafür aus. "Pläne für eine neue Brücke gibt es noch nicht. Da sind wir noch in den Vorüberlegungen", so Braunisch.

Es gibt zwar auch Überlegungen, die alte Brücke für Radfahrer und Fußgänger zu erhalten und daneben eine neue Brücke zu bauen. Aber das scheitert an den Kosten von neun Millionen Euro. Abriss und Neubau schätzt der Landesbetrieb auf rund vier Millionen Euro. Eine Sanierung, um die heutigen Anforderungen an eine derartige Brücke zu erfüllen, ist indes technisch ein Problem.

"Wir kommen wegen der besonderen Konstruktion nicht an die Punkte der Brücke, die geprüft werden müssen", sagt Braunisch. Bliebe noch, die Brücke dauerhaft für den Schwerlastverkehr zu sperren und nur für Pkw zu sanieren (3,5 Millionen Euro), was niemand wirklich will, vor allem nicht die umliegenden Firmen.

"Unsere Fahrzeuge sollten schon wieder über die Brücke fahren können", sagt Joachim Schölzel, Sprecher er Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG). "Gleichwohl ist die jetzige Umleitung über Siegburg und Troisdorf zu unserer Entsorgungsanlage auf der Hütte praktikabel. Wir leben eben damit." Für die RSAG-Flotte bedeute das aber immer auch einen Zeitverlust.

Die Siegbrücke hat im Laufe ihrer Geschichte einiges über sich ergehen lassen müssen. 1928, kurz vor Abschluss der Bauarbeiten, stürzte die Konstruktion mit gewaltigem Getöse in die Sieg. Ein Bauarbeiter kam ums Leben. Ein Jahr später wurde die Brücke eingeweiht, dieses Mal eingegossen in massivem Beton. 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde sie gesprengt und dann nach den alten Plänen wieder aufgebaut.