Kommentar zum Hochschulprojekt

Der Finger in der Wunde

Peter Capellmann (von links), Jürgen Lowis und Georg Capellmann im Blühstreifen, der mitten im Zuckerrübenfeld liegt.

Peter Capellmann (von links), Jürgen Lowis und Georg Capellmann im Blühstreifen, der mitten im Zuckerrübenfeld liegt.

Rhein-Sieg-Kreis. Die Beispiele aus Seelscheid und Niederkassel zeigen, wie einfach es ist, einen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Und die Bevölkerung scheint auch weitgehend sensibilisiert zu sein für diese Themen. Andererseits muss man doch mit dem Kopf schütteln, dass Spaziergänger unbedacht die Blühstreifen kaputt trampeln oder als Hundeklo benutzen.

Die beiden Beispiele aus Seelscheid und Niederkassel zeigen, wie einfach es ist, einen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Und die Bevölkerung scheint auch weitgehend sensibilisiert zu sein für diese Themen. Das zeigt die hohe Resonanz auf die Workshops der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg über Potenziale von Kleingärten im Sinne der Biodiversität. Andererseits muss man doch mit dem Kopf schütteln, dass Spaziergänger unbedacht die Blühstreifen kaputt trampeln und ihre Hunde ihre Geschäfte darauf machen lassen.

Es muss noch wesentlich mehr geschehen. Man weiß ja im Prinzip, wo die Schwächen unserer Lebensführungen liegen. Die Forschung legt lediglich den Finger in die Wunde, um die Relevanz von solchen Maßnahmen zu unterstreichen.

Denn Böden sind für unser Leben von fundamentaler Bedeutung. Sie geben nicht nur Pflanzen wichtige Nährstoffe, damit sie wachsen und uns Nahrung geben. Ein Teil der Biomasse wird durch natürliche Prozesse mithilfe von Bakterien, Pilzen, Wasser und Luft im Boden zu Humus. In den obersten Bodenschichten sind somit weltweit mehrere Tausend Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden. Das ist mehr als in der Erdatmosphäre und der gesamten Erdvegetation zusammen.

Das allein zeigt schon, welch sensibles Gut Böden sind. In einer Handvoll gesunder Erde leben mehr als sieben Milliarden Organismen, die die Pflanzenteile zu wertvollem Humus verwandeln. Intensive Landwirtschaft und Überweidung, chemische Dünger und Pestizide töten das Leben in der oberen Bodenschicht und damit Humus und Fruchtbarkeit. Wissenschaftlern zufolge dauert es etwa 100 bis 300 Jahre, bis der natürliche Neuaufbau etwa einen Zentimeter von fruchtbarem Boden geschaffen hat. Es wird Zeit, endlich gegenzusteuern.