Fridays for Future: 500 Schüler demonstrieren in Siegburg fürs Klima

Fridays for Future : 500 Schüler demonstrieren in Siegburg fürs Klima

Der weltweiten Bewegung "Fridays for Future" schlossen sich auch in Siegburg Schüler, Studenten und Eltern an. Sie alle fordern eine konsequente Klimaschutzpolitik.

Die Unzufriedenheit über die aktuelle Situation und der Wille, etwas zu verändern, waren den Schülern, Studenten und Eltern am Freitag ins Gesicht geschrieben. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“, riefen die nach Polizeiangaben rund 500 Teilnehmer der „Fridays For Future“-Demonstration in Siegburg immer wieder. Mit ihren bunten Plakaten zogen sie durch die Kreisstadt, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und die Politiker zu mehr Engagement aufzufordern.

„March now or swim later“ (Demonstriert jetzt oder schwimmt später), „Stoppt Braunkohle“ und„There is no Planet B“ (Wir haben keinen zweiten Planeten), hatten die Schüler auf Pappe und Fahnen geschrieben. „Die Erde wird immer weiter kaputt gemacht und die Konzerne beuten uns aus. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, wir haben die Kraft, die Welt zu verändern“, verkündete Student Max durch sein Megafon und erhielt dafür unterstützende Zurufe von den anderen Schülern.

Der 21-Jährige ist schon seit längerem für die Bewegung „Fridays For Future“ aktiv, die die Schwedin Greta Thunberg im Sommer 2018 ins Leben rief. Mit ihren „Schulstreiks für das Klima“ hat sie viele Schüler weltweit dazu bewegt, freitags auf die Straße statt in die Schule zu gehen, um sich für eine konsequente Klimaschutzpolitik einzusetzen.

Die einzige Methode, Aufmerksamkeit zu erlangen

So folgten ihr an diesem Freitag – wie weltweit – auch zahlreiche junge Menschen in Siegburg und der Region. Sogar deren Eltern demonstrierten mit: „Nicht in die Schule zu gehen, ist für die Kinder die einzige Methode, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie sollen keine Angst haben, deshalb wollen wir ihnen Mut machen“, sagte Martin Ydalir Hallerbach von „Parents For Future“. Und auch Barbara Küster, Mutter von Studenten, findet: „Es wird Zeit, die jungen Leute aktiv zu unterstützen.“

Von ihren Lehrern hingegen bekommen die Schüler nicht immer so viel Zuspruch. „Viele finden das gut, aber es gibt auch einige, die das gar nicht verstehen“, berichtete Muriel, Schülerin des Siegburger Gymnasiums Alleestraße. Doch das interessiert die 15-Jährige wenig: „Es geht um unsere Zukunft. Wenn wir außerhalb der Schulzeit streiken würden, würde uns niemand wahrnehmen. Die Politiker sollen endlich wach werden.“

Für die Schulen stellen die Streiks eine schwierige Situation dar. Sebastian Kaas, Schulleiter des Siegburger Anno Gymnasiums, unterscheidet zwischen der moralischen Bewertung und dem konkreten Vorgehen der Schule. „Alle Schulen haben die Anweisung des Schulministeriums, dass ein bewusstes Fehlen nicht entschuldigt werden darf“, erläuterte er. Die unentschuldigten Fehlstunden tauchen auf den Zeugnissen der Schüler auf und können zu einem Gespräch mit den Eltern führen.

„Wenn die Schüler ihre Forderungen ernst meinen, nehmen sie auch die Konsequenzen in Kauf. Es gehört zur Zivilcourage, dass sie unentschuldigte Fehlstunden bekommen“, fand Kaas. Den Unterricht habe die Protestbewegung noch nicht nachhaltig gestört.

Manche Schulen beurlaubten Schüler

Andere Schulen handhaben die Situation anders. Sabine Trautwein, Schulleiterin des Gymnasiums Alleestraße, entschuldigt Schüler, die im Voraus einen Beurlaubungsantrag der Eltern abgegeben haben. Susanne Hesse, Lehrerin an der Gemeinschaftsgrundschule Eitorf, kam am Freitag sogar mit ihrer gesamten vierten Klasse zur Demo. „Die Schüler werden nicht instrumentalisiert. Das ist ihre Aktion. Wir haben von allen Eltern Einverständniserklärungen“, sagte Hesse. Die jungen Demonstranten zeigten, was sie beschäftigt: „Wir können nicht einfach auf einen anderen Planeten gehen, wir haben nur den einen“, sagte der zehnjährige Jonas und stimmte gleich danach in den Chor „Wind, Wasser, Sonne – Kohle in die Tonne“ ein.

Seitens der Politik stärkte Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn (CDU) den Demonstranten am Freitag den Rücken. „Der Klimaschutz ist ein inneres und wichtiges Anliegen der Schüler und auch von mir“, sagte er. Die Einwendung, das sei Schulschwänzen, beachte er nicht. „Ich nehme die jungen Leute ernst, die sich wirklich Gedanken machen und mit dem Thema auseinandersetzen.“

Die Siegburger FDP-Fraktion zeigte sich „völlig überrascht und irritiert“ von Huhns Statement. Den Freitag als Protesttag zu nutzen, schade der Bewegung selbst, finden die Liberalen. Die Schüler und Studenten lassen sich indes für die Absicherung ihrer Zukunft nicht von ein paar Fehlstunden entmutigen.