365-Tage-Ticket im Rhein-Sieg-Kreis: Klimaschutz-Paket beschlossen Klimaschutz: Rhein-Sieg-Kreis beschließt Klimaschutzpaket

Rhein-Sieg-Kreis beschließt Klimaschutz-Paket : Gilt das 365-Tage-Ticket bald auch über Bonn hinaus?

Der Rhein-Sieg-Kreis hat ein umfangreiches "Maßnahmenprogramm 2025 für den Klimaschutz" beschlossen. Unter anderem soll das 365-Tage-Ticket, das bislang auf Bonn beschränkt ist, neu aufgelegt werden. Die einzelnen Maßnahmen im Überblick.

Das 365-Tage-Ticket für 365 Euro soll neu aufgelegt werden. Der Bund will das Programm erneut ausschreiben. Das hat Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan aus dem Städtenetzwerk erfahren. Die Idee: sich diesmal gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis darum bewerben. "Dieses auf Bonn beschränkte Jahresabo ist doch ohne Einbeziehung des Umlands ziemlicher Quatsch", sagte Landrat Sebastian Schuster am Mittwoch. Dass dieses vom Bund im Zuge des Projekts Lead City geförderte Klimaticket schlecht angenommen werde, wundere ihn nicht. Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler und Bonns Planungsdezernent Helmut Wiesner sollen das Thema koordinieren.

"Zunächst muss geklärt werden, ob Landkreise überhaupt in den Genuss der Förderung kommen", sagte Schuster, zeigte sich aber zuversichtlich. "Wenn wir die Menschen weg vom Auto, hin zum Nahverkehr bringen wollen, dann muss es attraktive Angebote geben", sagte er. Er werde sich auch dafür einsetzen, dass nicht nur Neukunden solch ein Ticket erwerben können, wie es derzeit der Fall ist.

Mit der Ankündigung einer Neuauflage des Klimatickets bekommt das umfangreiche "Maßnahmenprogramm 2025 für den Klimaschutz", das der Kreistag am Dienstag mehrheitlich beschlossen hat, neuen Auftrieb. Keine Notwendigkeit, für den Klimaschutz aktiv zu werden, sahen nur die Vertreter von AfD, NPD und Volksabstimmung. Sprecher aus allen anderen Fraktionen machten klar, dass auch lokale Maßnahmen überaus wichtig für den Klimaschutz seien, für die Linke hätte es gar noch mehr sein können, als das, was nun als Papier vorliegt.

Steuerungsgruppe: "Jetzt kommen die Mühen der Arbeit", sagte Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz am Mittwoch. Als erstes werde jetzt eine Steuerungsgruppe im Kreishaus gebildet, zu der neben ihm auch Kämmerin Svenja Udelhoven und Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler gehören, um die nächsten Schritte einzuleiten. Denn die Liste an Maßnahmen soll keine bloße Absichtserklärung bleiben, versicherte der Landrat: "Alle zukünftigen Projekte müssen sich an diesen Zielen orientieren."

CO2-neutrale Gebäude: Größere Baumaßnahmen wie die Rettungswache Bornheim oder das Jugendhilfezentrum in Eitorf sollen CO2-neutral werden, allen voran auch das Kreishaus, das zurzeit aufwendig den neuen Brandschutzbestimmungen angepasst wird. "Unser Bestreben ist es, bis 2025 eine CO2-neutrale Kreisverwaltung zu haben", sagte Schuster. Manche Dinge, wie ressourcenschonendes Arbeiten oder ein umfassendes Mobilitätsmanagement, würden bereits angepackt, bauliche Umsetzungen indes seien mit finanziellen Ausgaben verbunden - und darüber entscheide die Politik. Die Fraktionen haben aber schon in den Fachausschüssen Bereitschaft signalisiert. Forciert werden soll aber auch das Anbringen von Photovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden der kreiseigenen Gebäude.

Radwege: Dort, wo der Kreis zuständig ist, will man Radwege ausbauen. Schuster hätte am liebsten einen Radschnellweg zwischen den Dependancen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, also zwischen Sankt Augustin und Rheinbach.

Energieagentur: Die Gemeinde Windeck ist jetzt neues Mitglied der Energieagentur Rhein-Sieg. "Ich möchte aber, dass zeitnah auch alle linksrheinischen Kommunen eintreten", sagte Schuster. Überhaupt soll bei jeder neuen Entwicklung von Baugebieten ein "Klimacheck" erfolgen: "Das heißt, dass geprüft wird, woher die Energie kommt, wie energetisch gebaut wird und wie es um die E-Mobilität steht."

Biogas und E-Busflotte: Der Kreis will das Thema auch in seine Beteiligungsgesellschaften tragen: Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) etwa soll den Bau der Biogasanlage beschleunigen, in Richtung Null-Emission sollen RVK (linksrheinische Verkehrsgesellschaft) und RSVG (rechtsrheinische Verkehrsgesellschaft) mit ihren Busflotten gehen. Neubauvorhaben der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (GWG) sollen in punkto Energiegewinnung, Wärmeerzeugung und Dämmung nach modernen Energiestandards umgesetzt werden.

Nahverkehr: Größtes Thema ist und bleibt aber der Verkehr - und speziell das Bus- und Bahnangebot. Bei derzeit 35 Millionen Euro jährlichem Defizit sieht Schuster keine großen Spielräume mehr bei den Kommunen. Mit den nächsten Preissteigerungen werde der Kreishaushalt um acht Millionen Euro entlastet. "Deswegen müssen wir weg vom umlagefinanzierten, hin zum steuerfinanzierten ÖPNV. Bund und Länder müssen die Kommunen finanziell unterstützen", fordert er. Mit Blick auf die vielen Ausfälle und Verspätungen auf der Strecke der Linie 66 sagte Schuster: "Der Nahverkehr muss attraktiver und tarifgerechter werden."

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